Hägendorf
Gemeindeversammlung spricht sich für die Schulhauserweiterung aus

Die Hägendorfer Gemeindeversammlung sagte Ja zu der Erweiterung des Schulhauses. Sprach sich aber dagegen aus die Coop-Öffnungszeiten bis um 17 Uhr zu verlängern.

Karin Schmid
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Die Erweiterung (rechts der Linie) soll direkt an das bestehende Schulhaus Späri (links) gebaut werden.

Die Erweiterung (rechts der Linie) soll direkt an das bestehende Schulhaus Späri (links) gebaut werden.

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Haupttraktandum der Hägendörfer Gemeindeversammlung am vergangenen Dienstagabend – neben der einstimmig und diskussionslos verabschiedeten, neuen Schulordnung mit Funktionendiagramm – war die Späri-Schulhauserweiterung beziehungsweise die Verabschiedung des dazugehörigen Verpflichtungskredits von 5.7 Mio. Franken zu Handen der Urnenabstimmung vom 18. Mai.

Den sich meldenden Kritikern unter den 74 anwesenden Stimmberechtigten ging es weniger um das Bauprojekt selber; das fanden sie grundsätzlich gut. Vielmehr störte sie die Kostensteigerung von den fürs erste Holzkonstruktionsprojekt geplanten 3.2 Mio. auf die 5.7 Mio. Franken für die aktuelle Dreiviertelvariante, bei der der Anbau drei Vierteln des bestehenden Späri-Schulhauses entspricht.

Eine neue Ausgangslage führte zur Projektänderung. Nach einem Todesfall nahmen die Gemeindeverantwortlichen im Sommer 2013 die Möglichkeit wahr, nachbarschaftliches Land zu erwerben.

Nach Angaben vom für die Bildung zuständigen Gemeinderat Roger von Wartburg entwickelte die Arbeitsgruppe im Herbst/Winter ein Raumkonzept und lies ein Vorprojekt mit Kostenvoranschlag erarbeiten. Das Rennen machte das Projekt des einheimische Architekturbüros Rolf Flück.

Finanzielle Risiken sind «tragbar»

«Selbstverständlich ist es ein Preisunterschied von 3.2 zu 5.7 Mio. Franken», hielt Roger von Wartburg fest. Aber: «Wir können beim neuen Projekt sehr haushälterisch mit dem Land umgehen.

Die übrigen Landflächen werden nicht tangiert.» Zudem stünden Infrastruktur sowie weitere Anlagen des bestehenden Schulhauses zur Verfügung und die neuen Gebäulichkeiten seien für die Kinder leichter erreichbar.

«Wir sind im Gesamtgemeinderat der Meinung, dass es sich beim neuen Projekt um das bessere handelt, das den Aufpreis absolut rechtfertigt», so von Wartburg. Ursprünglich sei eine Inbetriebnahme des Anbaus auf Beginn des Schuljahres 2014/15 geplant. Da sich dies als unrealistisch herausstellte, wird nun ein Start auf Anfang Schuljahr 2016/17 mit zweijährigem Übergang per Containerlösung angepeilt.

Ein Einwohner fand den Kreditbetrag von 5.7 Mio. Franken «abschreckend» und wollte Genaueres über die Unterschiede zwischen den beiden Projekten wissen: «Was wird zusätzlich gebaut, was ist vorher vergessen gegangen?»

Das jetzige Projekt sei «nicht das gleiche» wie das vorherige, stellte Roger von Wartburg fest. Er sprach von mehreren zusätzlichen Räumen, unter anderem einem Werkhof, Lehrerzimmer und WC-Anlagen.

«Damit können wir das Schulraumproblem in Hägendorf auf lange Zeit lösen.» «Es gibt keinen besseren Platz für die Erweiterung als denjenigen beim Schulhaus Späri», fügte der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Uli Ungethüm an.

Der Gemeinderat sei sich der Risiken mit den finanziellen Aufwendungen bewusst. «Wir können es tragen. Mit den heutigen Steuereinnahmen können wir so stehen bleiben, wie wir sind.» Gemeindepräsident Albert Studer bezeichnete das Projekt als «Maximalvariante – das Beste, was wir für unsere Jugend tun können».

Das Projekt gefalle ihm gut, sagte der sich bisher recht kritisch äussernde Kasimir Rötheli. «Für mich gehören aber die Kosten für den provisorischen Container dazu.» Deshalb bat er den Gemeinderat, «dies anzuschauen und die Kosten entsprechend anzupassen».

Die Übergangslösung habe schon eine gewisse Qualität, erwiderte Roger von Wartburg. Wenn die genauen Posten bekannt seien, werde der Gemeinderat sie in den Finanzplan aufnehmen und die Bevölkerung darüber informieren.

Ein Anwesender wollte von den Behördenvertretern etwas über die rechtliche Seite wissen. «Stehen wir vor einem Scherbenhaufen, wenn das Projekt an der Urne abgelehnt wird?»

Der fürs Ressort Orts-/Regionalplanung/Umwelt/Verkehr/Liegenschaften zuständige Vizepräsident Heiner Roschi verneinte dies: «Wir haben einen bewilligten Kredit von 3.2 Mio. Franken.

Er ist aufgehoben, wenn das neue Projekt an der Urne angenommen wird.» Eine bestätigende Antwort gab Uli Ungethüm auf die Frage nach dem Hallenbad. «Wir behalten es bei. Die Sanierung ist im Finanzplan enthalten.»

Mit grossem Mehr, einzelnen Gegenstimmen und einzelnen Enthaltungen trat die Versammlung auf das Geschäft ein und verwies die Schulhauserweiterung sowie den Verpflichtungskredit von 5.7 Mio. Franken mit Applaus an die Urne.

Roger von Wartburg fügte an, dass «wir auch die Schulplatzsanierung anpacken können, wenn das Ja für die Schulhauserweiterung an der Urne gesprochen ist».

«.. müsst ihr die Bank fragen»

Unter «Verschiedenes» informierte Albert Studer die Versammlung bezüglich Geschwindigkeitsmessungen im Bereich Bahnhof darüber, dass ein «Speedy»-Gerät aufgestellt worden sei, «im Moment aber noch keine Resultate vorliegen.

Wir sind dran». Als «Sorgenkind» bezeichnete der Präsident den Allerheiligenberg beziehungsweise die Buslinie 555 nach Langenbruck. «Das Angebot wurde lange nicht genutzt.

Obwohl wir gekämpft haben, lässt die Frequenz eine Weiterführung der Linie nicht zu.» Das neue Angebot ab Herbst enthält nur noch eine reduzierte Anzahl täglicher Kurse nach und von Langenbruck, dafür aber zusätzliche zwischen Spitzacker und dem Bahnhof Hägendorf.

Ein Einwohner wollte genaue Zahlen bezüglich Beitrag der Raiffeisenbank Untergäu an die Raiffeisen Arena wissen. Albert Studer erklärte im Rahmen seiner Information über die Akquisation von Einnahmequellen, dass es sich um «einen einmaligen Betrag zum Start und alljährliche weiterlaufende Beträge über zwölf Jahre» handle.

Ansonsten verwies er auf die vereinbarte Schweigepflicht zwischen Gemeinde und Bank: «Wenn ihr Zahlen wissen wollt, müsst ihr die Bank fragen.»

Verlängerung Ladenöffungszeiten vertagt

Coop Schweiz hat sich im November 2013 an die Gemeindeverantwortlichen von Hägendorf gewandt mit dem Antrag, die Ladenöffnungszeit an Samstagen analog dem Gäupark von 16 bis 17 Uhr zu verlängern, damit die einheimischen Einkaufsläden gegenüber dem Gäupark nicht mehr im Nachteil sind.

Nach Angaben der Coop-Geschäftsleitung gegenüber der Gemeinde «halten sich sämtliche Sozialpartner an die Arbeitszeitregelung für Arbeitnehmende, das heisst die Angestellten arbeiten unter dem Strich nicht länger, auch wenn das Geschäft an Samstagen eine Stunde länger geöffnet ist». Aufgrund dessen sprach sich der Gemeinderat im Dezember für die Anpassung der Ladenschlusszeiten aus.

An der Gemeindeversammlung meldete sich jedoch eine Coop-Mitarbeiterin zu Wort und bat die Anwesenden, die Arbeitszeitverlängerung abzulehnen. «Die Angestellten sind diesbezüglich nicht derselben Meinung wie die Geschäftsleitung und sind dagegen».

Kasimir Rötheli wies auf den Bahnhofshop hin, der «bis um 22 Uhr offen haben darf». Er stellte den Antrag auf Rückweisung des Geschäfts und bat den Gemeinderat, «das Ganze noch einmal anzuschauen und es einheitlich zu handhaben. Kann nicht sein, dass man bei einem Geschäft einen Strich macht und beim andern nicht».

Bauverwalter Walter Müller erklärte dazu, dass beim Bahnhofshop «ein übergeordnetes Gesetz» zum Zug komme, aufgrund dessen «der Laden offen sein darf, solange in Hägendorf Züge ankommen».

Nachdem Röthelis Antrag von den 74 Anwesenden 23 Ja-Stimmen bekommen hatte, stimmten sie dem von Gemeindepräsident Albert Studer unterstützten Rücknahmeantrag der Coop-Mitarbeiterin diskussionslos und mit grossem Mehr zu.

«Wenn der Gemeinderat Kenntnis gehabt hätte von der Ansicht der Angestellten, hätte er anders entschieden.» Die Ladenöffnungszeiten würden nun im Sinn einer Gesamtlösung geprüft. «Das Geschäft muss nicht morgen entschieden werden, wir können es auch an Landsgemeinde im Sommer bringen.»