Gemeinderatswahlen Thal-Gäu
17 Kandidierende für 9 Sitze: Warum in Wolfwil das Politik-Interesse wieder erwacht ist

Vor vier Jahren gab es in der Gäuer Gemeinde Wolfwil stille Wahlen. Heuer könnte jeder Sitz fast doppelt belegt werden. Wie kommt das?

Rahel Bühler
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In Wolfwil treten fast doppelt so viele Kandidierende zu den Gemeinderatswahlen an, wie es Sitze zu vergeben gibt.

In Wolfwil treten fast doppelt so viele Kandidierende zu den Gemeinderatswahlen an, wie es Sitze zu vergeben gibt.

Bruno Kissling

Die letzten richtigen Wahlen in Wolfwil fanden 2013 statt. 2017 gab es nicht mehr Kandidierende als Sitze und demnach stille Wahlen. Fünf Sitze hat die FDP in der auslaufenden Legislatur inne, drei die CVP und einen die SVP. Heuer sieht die Ausgangslage anders aus: 17 Personen haben sich für die neun Sitze gemeldet. Die FDP, die traditionell stärkste Partei im Ort, stellt neun Kandidierende, die CVP deren sechs. SVP und die neu­antretende GLP treten mit je einem Kandidaten an. Somit könnte fast jeder Sitz doppelt belegt werden. Woher kommt der plötzliche Kandidatenanstieg?

Das hängt mit einer Abmachung zusammen: «Vor vier Jahren beriet sich der Gemeinderat und kam zum Schluss, richtige Wahlen sind nicht nötig», erklärt Gemeindepräsident Georg Lindemann (FDP). Nicht nötig, weil im Gemeinderat alle Ortsparteien vertreten waren und 2013 Wahlen stattgefunden haben.

Man habe eine einvernehmliche Situation unter den Parteien und löse Geschäfte nicht auf Parteiebene, sondern zum Wohl der Gemeinde. Ausserdem, so Lindemann, habe sich sonst niemand gemeldet, der Interesse bekundet hätte. So machten die neun bisherigen Gemeinderäte vier Jahre weiter. Auch CVP-Präsidentin Karin Kissling, FDP-Präsident Joel Wenger und SVP-Gemeinderat André Nützi schildern die Ausgangslage von 2017 so.

Kandidatensuche ist eine Herausforderung

Jetzt, 2021, sei es aber wieder Zeit gewesen für richtige Wahlen: «Das Stimmvolk soll sagen, wer im Gemeinderat Einsitz nimmt», sagt etwa Lindemann. Es sei ein Privileg, in der Schweiz wählen und abstimmen zu können. Seit 2017 habe das Dorf zudem viele neue Einwohner erhalten, die gar noch nie die Möglichkeit zum Wählen gehabt hätten, ergänzt Kissling. SVP-Gemeinderat Nützi findet:

«Die Bürgerinnen und Bürger sollen eine Auswahl haben. So kann man die direkte Demokratie ausüben.»

Sobald sich Institutionen, wie etwa ein Gemeinderat, selbst aufstellen, sei das nicht gut für das politische System. Deshalb finde er es sehr gut, gibt es heuer in Wolfwil wieder eine «gesunde» Auswahl.

«In diesem Jahr ist der Bedarf an Wahlen wieder vorhanden, deshalb haben sich die Parteien untereinander auf Wahlen geeinigt», sagt FDP-Präsident Wenger. Obwohl die Partei schliesslich ihre Liste mit neun Personen füllen konnte, sei die Suche nach Kandidaten immer eine Herausforderung: «Viele Leute scheuen sich vor der Doppelbelastung. Da braucht es manchmal etwas Überzeugungsarbeit.» Man sei es der Wählerschaft aber schuldig, eine Auswahl an Kandidaten anzubieten. «So können auch verschiedene Altersschichten und Interessen abgedeckt werden.»

Auch Neuendorf wählt heuer wieder

In Neuendorf treten acht Kandidierende für sieben Sitze an. In der auslaufenden Legislatur setzt sich der Rat aus je drei CVP- und FDP-Mitgliedern und einem Unabhängigen zusammen. Für die diesjährigen Wahlen steht auf den drei Listen die gleiche Anzahl Kandidierende, wie zuvor die Sitzverteilung im Rat war. Dazu tritt die SVP mit einem Kandidaten an. (rab)

Mit sechs Kandidierenden und im Moment drei Gemeinderäten stellt die CVP die zweitstärkste Partei in Wolfwil dar. Damit die Wählerschaft auch innerhalb der CVP etwas Auswahl habe, sei es das Ziel der Partei gewesen, fünf bis sechs Kandidierende zu nominieren, sagt Präsidentin Kissling. Man habe deshalb bereits im Herbst mit der Suche nach möglichen Kandidaten angefangen. «Zu Beginn haben wir gedacht, dass es schwierig werden könnte, diese Anzahl an Leuten zu finden.» Man höre ja häufig, viele Leute hätten kein Interesse an der Politik und wollten sich nicht ­engagieren. Aber viel Überzeugungsarbeit habe ihre Partei gar nicht leisten müssen.

«Wir mussten eher den interessierten Leuten erklären, wie die Ab­läufe funktionieren und was ein solches Amt mit sich bringt.»

Ein Einerticket stellt die SVP. Der bisherige Gemeinderat André Nützi ist der einzige Kandidat und nach eigenen Angaben der einzige Parteivertreter im Dorf. Nach zwölf Jahren habe er eigentlich aufhören wollen. Damit das Volk eine Auswahl habe und sonst keine geeigneten SVP-Kandidaten zur Verfügung gestanden seien, habe er sich nochmals bereiterklärt.

Niederbuchsiten hatte vor vier Jahren stille Wahlen

In Niederbuchsiten sind es zehn Anwärter für ebenfalls sieben Sitze. Vor vier Jahren stellten CVP und FDP mit einer gemeinsamen Liste alle sieben Gemeinderäte. Bei den diesjährigen Wahlen ist die Liste nicht mehr nach den Parteien benannt, sondern heisst freie Liste und führt wiederum sieben Kandidierende. Zudem stellt die SVP mit drei Kandidaten eine eigene Liste. (rab)

Neu ins Rennen um Gemeinderatssitze in der Amtei Thal-Gäu steigt die GLP. Auch in Wolfwil tritt sie mit einem Kandidaten, Martin Mordasini, an. Eine eigene GLP-Ortspartei gibt es nicht. Die Sektion Thal-Gäu liess bereits Anfang Monat verlauten, sie wolle nach dem fast geglückten Sprung in den Kantonsrat auf kommunaler Ebene vorwärts machen.

Interessiert die Politik wegen der Pandemie mehr?

Kissling sagt, sie fände es schön, gibt es in Wolfwil in diesem Jahr eine so grosse Auswahl an Kandidaten. Wieso dem so ist, könne sie sich nicht erklären. Sie vermutet, es könnte mit der Coronapandemie zusammenhängen: «Weil viele regelmässige Aktivitäten, wie zum Beispiel das Vereinsleben, nicht stattfinden, haben die Leute mehr Zeit.» Nützi fügt an: «Viele Leute sind unzufrieden mit der aktuellen Situation und möchten sich mehr einbringen. Zum Beispiel in der Lokalpolitik.»

Oberbuchsiten hat dieses Jahr die Auswahl

In Oberbuchsiten gibt es zwölf Kandidierende für sieben Sitze. Die FDP tritt, wie schon 2017, mit fünf Kandidierenden an. Dazu kommt eine neue Liste mit dem Namen #myBuchste. Die CVP tritt hingegen nicht mehr an. (rab) 

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