Neuendorf

Gemeinderat stutzt der Chropftuube-Zeitung die Flügel

«Chropftuube»-Macher Eugen N. A. Rauber in der Schreibstube im Baderhüsi beim Produzieren der Dorfzeitung.

«Chropftuube»-Macher Eugen N. A. Rauber in der Schreibstube im Baderhüsi beim Produzieren der Dorfzeitung.

Weil die Einwohnergemeinde im kommenden Jahr mit hohen Steuerausfällen zu kämpfen hat, muss rigoros gespart werden. Davon betroffen ist auch die November-Ausgabe der Dorfzeitung, deren Druck vom Gemeinderat kurzerhand gestoppt wurde.

Eugen N. A. Rauber Holle, der Macher der Neuendörfer Dorfzeitung «die fürwitzigi Chropftuube», traute seinen Augen nicht, als er Mitte September per Mail davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass die bereits fertige November-Ausgabe der beliebten Dorfzeitung wegen der derzeit angespannten finanziellen Situation der Gemeinde nicht in den Druck gehen wird. Diese Nachricht habe ihn schon getroffen, zumal er im Dorf gehört habe, dass seine Beiträge in der «Chropftuube» zu lang sein sollen und eh nicht gelesen würden. «Ich dachte schon ans Aufhören, auch weil ich das Gefühl hatte, meine Arbeit würde nicht geschätzt», sagt der 68-Jährige sichtlich betroffen.

Dorfzeitung bleibt bestehen

Inzwischen geht es dem langjährigen Chropftuube»-Redaktor wieder etwas besser. Andy Büttiker, der Präsident der Kultur- und Sportkommission (KSK), habe ihn informiert, dass die «Chropftuube» als offizielles Organ der KSK nicht grundsätzlich infrage gestellt werde. Die Sistierung der November-Ausgabe sei lediglich eine Sofortmassnahme, um die derzeit desolate finanzielle Situation der Einwohnergemeinde in den Griff zu bekommen (siehe auch Artikel unten). «Man hat mir in Aussicht gestellt, die nächste «Chropftuube im Frühling erscheinen zu lassen», meint Rauber erleichtert.

KSK-Präsident Andy Büttiker bestätigt diese Aussagen mit dem Verweis, dass er vom Gemeinderat die Vorgabe bekommen habe, die Ausgaben der Kultur- und Sportkommission um 20 Prozent zu senken. Eine Massnahme sei, die «Chropftubbe», die mit einem Budget von 9000 Franken bislang zweimal im Jahr erschienen sei, auf eine Ausgabe zu reduzieren.

«schweiz.bewegt» aus Budget gekippt

Weitere 8000 Franken sollen eingespart werden, indem der Beitrag für «schweiz.bewegt» aus dem Budget gekippt werde. Ebenfalls vorerst nicht mehr angeboten werden von der Gemeinde gesponserte Besuche von kulturellen Anlässen wie etwa Karl’s kühne Gassenshow, die Thuner Seespiele oder die Classionata in Mümliswil. Die Gemeinde unterstützte diese Anlässe jeweils mit einem Beitrag an den Transport der interessierten Bevölkerung.

Andy Büttiker hat zwar Verständnis für die rigorosen Sparmassnahmen des Gemeinderates, obwohl er diese Massnahmen als sehr schmerzvoll empfindet: «Es tut weh, wenn aus Geldmangel am kulturellen Angebot herumgeschraubt wird.» Deshalb hoffe er, dass sich die finanzielle Situation der Gemeinde bald wieder stabilisiert, damit die «Chropftuube» möglichst wieder zweimal jährlich erscheinen könne. «Eine Ausgabe reicht einfach nicht, um die Fülle der Anlässe in geeigneter Form zu bringen,» so Büttiker. Bis zu einem allfälligen Kurswechsel müssten die Beiträge halt in gekürzter Form und mit weniger Bildern publiziert werden.

Kritik an der Informationspolitik

Nicht abfinden will sich der KSK-Präsident mit der Streichung des Beitrages für «schweiz.bewegt». Zu erfolgreich sei der Anlass, findet nicht nur Büttiker. Die benötigten Gelder will er mittels Sponsoren beschaffen. Gespräche dafür seien am Laufen. Näheres könne er aber noch nicht verraten. Machbar sei dies aber nur dank des tollen Einsatzes der Vereine und von privaten Helfern.

Kritische Worte richtet Büttiker an die Gemeinde, die es bisher verpasst habe, die Bevölkerung über die negative Entwicklung der Gemeindefinanzen und die dagegen ergriffenen Massnahmen zu informieren. «Das kann und muss man künftig besser machen», so der KSK-Präsident.

«Wir haben jede Ausgabenposition überprüft»

Steuerausfälle von rund 660 000 Franken bei den juristischen Personen belasten das Budget 2015 der Einwohnergemeinde Neuendorf massiv. Trotz rigoroser Sparmassnahmen und einer eingeplanten Erhöhung des Steuersatzes von aktuell 100 auf neu 105 Prozent wird mit einem Defizit von 359 193 Franken gerechnet.

Gemeindepräsident Rolf Kissling spricht in diesem Zusammenhang gar von einer Finanzkrise, in der sich die Gemeinde befinde. Dieser könne nur mit Sparmassnahmen und einer Steuererhöhung begegnet werden. Gespart worden sei in allen Ressorts und Kommissionen. «Die Finanzkommission und der Gemeinderat haben jede Ausgabenposition unter die Lupe genommen und wo möglich gekürzt oder gestrichen», so Kissling. Um das anfänglich fast 1,5 Mio. Franken hohe Defizit auszugleichen, wäre eine Steuererhöhung von rund 30 Prozent nötig gewesen, was aber gar nicht erst in Betracht gezogen worden sei.

Um den Finanzhaushalt im kommenden Jahr zu entlasten, sei stattdessen die für 2015 geplante Etappe für die Sanierung der sanitären Anlagen in der Dorfhalle für rund 690 000 Franken ausgesetzt worden. Die nun beantragte Erhöhung der Steuern um 5 Prozentpunkte sei vertretbar, findet der Gemeindepräsident. Kissling ist zuversichtlich, dass die finanzielle Durststrecke nicht von langer Dauer sein wird. Er gehe davon aus, dass sich die derzeit ungünstige Situation bei den juristischen Personen, deren Hintergründe nicht im Detail kommuniziert werden könnten, in den kommenden ein bis zwei Jahren wieder zum Besseren wenden wird. Dann könnte auch der rigide Sparkurs wieder etwas gelockert werden.

«Mein Ziel ist es, den Steuerfuss möglichst bald wieder auf 100 Prozent senken zu können.» Die nicht nur von KSK-Präsident Andy Büttiker kritisierte Informationspolitik des Gemeinderates (siehe Hauptartikel) soll besser werden, wie Kissling erwähnt. Damit die interessierte Bevölkerung künftig früher erfahre, mit welchen Geschäften sich der Rat an seinen Sitzungen beschäftige und was auf das Dorf zukomme. Schliesslich habe er das bei seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten versprochen.

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