Die Gemeinde will nur die gemeindeeigenen Liegenschaften im Unterdorf verkaufen. Ist dieser Entscheid eine Niederlage für den Gemeinderat?

Fabian Gloor: Wir haben immer gesagt: Das Finanzielle ist nicht der Hauptanreiz, sondern die Entwicklung des Unterdorfs. Es ist nicht eine Niederlage – es ist ein demokratischer Entscheid. Diesen wollten wir abholen. Schade ist, dass man nicht konsistent zu Entscheidungen vergangener Gemeindeversammlungen und der Ortsplanung war.

Kam das Resultat überraschend?

Es hat sich im Vorfeld gezeigt, dass die Diskussion sehr angeregt und zum Teil sehr emotional verlief. Ich rechnete deshalb mit einem engen Resultat.

Sie sprachen von einem gewinnbringenden Wettbewerb, da weitere Kaufinteressenten hinzukamen. Gehen Sie trotz dem jetzigen Ergebnis davon aus, dass es für die Liegenschaften mehrere Interessenten geben wird?

Diese Frage kann man noch nicht beantworten. Der weitere Verlauf des eingeleiteten Verfahrens wird dies zeigen, wozu wohl auch eine Ausschreibung gehört.

Befürchten Sie, das Areal an keinen Investoren verkaufen zu können?

Nein, aber das werden die Arbeiten des einzusetzenden Gremiums zeigen. Mit diesem können wir die Bevölkerung noch einmal direkt miteinbeziehen und nachholen, was in der Vergangenheit bei der gesamten Ortsplanungsrevision allenfalls zu kurz kam. Auch weil wir gesehen haben, welche Dynamik in der Frage zum Unterdorf entstanden ist, hat der Gemeinderat die bevölkerungswirksame Planung vorgeschlagen. Das einzusetzende Gremium gibt den Raum, sich nochmals vertieft mit dem Projekt auseinanderzusetzen. Wobei ich betonen möchte, dass wir bisher schon weite Kreise abholten. Sowohl das OK-Zibelimäret wie auch der Gewerbeverein waren in den Workshops dabei. Jetzt können wir jedoch noch weitere Kreise einbeziehen.

Wie gross ist die überbaute Fläche mit den bestehenden Liegenschaften, welche die Gemeinde zum Verkauf freigeben will?

Der Antrag, den die Gemeindeversammlung annahm, lässt einen gewissen Spielraum offen. Deshalb macht es keinen Sinn, auf dieser fixen Fläche der Liegenschaften zu verharren. Das Gremium geht in einen ergebnisoffenen Prozess. Für diesen hat die Gemeindeversammlung am Montagabend die Richtung vorgegeben.

Der grosse Platz hinter der Häuserzeile bleibt im Besitz der Gemeinde. Welche Chancen bietet diese Brachfläche?

Wir müssen uns Gedanken machen, was mit diesem Platz geschehen soll. Antworten darauf erhoffe ich mir von der Arbeitsgruppe. Klar ist: Der Zibelimäret ist bereits prominent im Zonenreglement aufgenommen.

Wird sich das Unterdorf so entwickeln können, wie Sie es sich wünschen, wenn die Bevölkerung ausschliesslich ihre Liegenschaften verkaufen will?

Da kann man noch nichts vorneweg nehmen. Es wäre beispielsweise wünschenswert, wenn es eine Gesamtplanung für die Häuserzeile gäbe und die Cartier-Häuser einbezogen würden. Aber auch hierzu soll das 13-köpfige Gremium Vorschläge entwickeln. Wir werden die Arbeitsgruppe voraussichtlich an der übernächsten Gemeinderatssitzung wählen, damit wir allenfalls noch Nachnominationen entgegennehmen können.

Sehen Sie die Abstimmung von Montagabend auch als Zeichen, dass die Oensinger das Wachstum des Dorfes stoppen wollen?

Es war immer das Ziel des Gemeinderates, ein qualitatives Wachstum zu erreichen. Daran hat sich nichts geändert. Die Ortsplanungsrevision und das Zonenreglement sind rechtskräftig und entsprechend wird in einigen Gebieten ein Wachstum stattfinden. Am Montagabend wurde keine Forderung gestellt, dass wir überhaupt kein Wachstum mehr anstreben sollen.