Neuendorf

«Gemeindepräsident war ich während meiner politischen Laufbahn noch nicht»

Würde Rolf Kissling gewählt, wäre er der erste FDP-Gemeindepräsident von Neuendorf.

Würde Rolf Kissling gewählt, wäre er der erste FDP-Gemeindepräsident von Neuendorf.

Die erstarkt aus den Gemeinderatswahlen hervorgegangene FDP schickt Rolf Kissling ins Rennen für das Gemeindepräsidium, welches seit jeher von der CVP gestellt wird. Damit kommt es zu einer Kampfwahl zwischen Kissling und der CVP-Kandidatin Sandra Kolly.

Vor rund 16 Jahren hatte Rolf Kissling schon einmal die Chance, Gemeindepräsident von Neuendorf zu werden. Führende CVP-Vertreter hatten den FDP-Politiker damals nach dem überraschenden Rücktritt von Linus von Arx angefragt, ob er das Präsidium der Einwohnergemeinde übernehmen würde. Aus verschiedenen Gründen wurde daraus nichts und der damalige Bürgergemeindepräsident Paul Stöckli übernahm in der Folge das Amt des Gemeindepräsidenten, welches er nun nach vier Amtsperioden niederlegen wird.

FDP gleichauf mit CVP

Eigentlich war für die CVP bis vor den Gemeinderatswahlen vom 9. Juni klar, dass sie als stärkste Partei mit vier Sitzen im siebenköpfigen Rat das Gemeindepräsidium für sich beanspruchen wird. Inzwischen ist eingetreten, was sich viele «Gelbe» im Dorf insgeheim immer gewünscht haben: Die FDP ist mit drei Sitzen im Gemeinderat gleich stark vertreten wie die über Jahrzehnte dominante CVP. Den Sitzgewinn auf Kosten der CVP verdankt die FDP vor allem der Kandidatur von Rolf Kissling, der auf Anhieb mit dem drittbesten Resultat in den Rat gewählt wurde. Der siebte Sitz ging übrigens an Beat Haller (UNE).

An der am Mittwochabend im Café Werd abgehaltenen Versammlung der FDP stellte Co-Präsident Hanspeter Egli mit Freude fest, dass im Bezug auf die Parteienstärke im Gemeinderat auch die FDP Anspruch auf das Gemeindepräsidium erheben kann. Tun werde sie dies mit Rolf Kissling, der nicht nur im Dorf, sondern auch im ganzen Kanton und über die Parteigrenzen hinweg grosses Ansehen geniesse.

Kein Kampf gegen Personen

«Es ist die richtige Zeit und wir haben den richtigen Kandidaten, um in der Gemeinde die Verantwortung zu übernehmen,» meinte Egli zu den zahlreich im «Werd» erschienenen Versammlungsteilnehmern. Zum bevorstehenden Wahlkampf stellte Egli klar, dass sich dieser nicht gegen die Person von Sandra Kolly oder die CVP richte. Es gehe der FDP vielmehr darum, sich für das Dorf und die Anliegen der Bevölkerung einzusetzen.

Rolf Kissling verriet, dass ihn die Partei schon vor einem Jahr wegen einer allfälligen Kandidatur angefragt habe. Er habe in den letzten 20 Jahren in der Politik auf allen Ebenen Erfahrungen sammeln können, meinte er mit Blick auf seine Zeit als Kantonsrat oder als Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes. Seine vielfältigen Erfahrungen werde er bei einer allfälligen Wahl zum Gemeindepräsidenten gerne einbringen. Nicht von Nachteil sei dabei sicherlich, dass er sich als Rechtsanwalt und Notar in rechtlichen Fragen auskenne.

Genügend Zeit für Präsidium

Als Quereinsteiger auf kommunaler Ebene, wie sich Kissling selbst bezeichnete, werde er sich dafür einsetzen, dass das Abgabewesen nicht weiter aus dem Ruder laufe. Das sei wichtig für die Zukunft, meinte der 53-Jährige und verwies auf die hohe Steuerbelastung im Kanton Solothurn. Einsetzen will sich Kissling ferner für eine gute und effiziente Gemeindeverwaltung. Dabei gelte es, einen adäquaten Mittelweg zwischen Wünschbarem und Machbarem zu finden. «Wir haben eine gute Dorfkultur und ein lebenswertes Dorf» meinte Kissling mit dem Verweis, dass auch dies im Konsens mit Andersdenkenden stetig weiter entwickelt werden müsse. Auch Kissling betonte, dass er sich einen fairen Wahlkampf wünsche, in welchem nicht auf politische Gegner geschossen werde. Er werde nicht verbissen um seine Wahl als Gemeindepräsident kämpfen. «Ich will mit Qualitäten überzeugen, das ist mein Ziel.»

Zeit für die Ausübung des Gemeindepräsidiums habe er nach seinem Rücktritt als Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes genügend, entgegnete Kissling auf eine Frage aus der Versammlung. Auf seine Motivation angesprochen, erklärte der FDP-Kandidat ferner, dass er während seiner politischen Laufbahn viele Ämter und Funktion inne gehabt habe. «Gemeindepräsident war ich aber noch nicht.» Reizvoll sei für ihn dabei, dass er als Gemeindepräsident etwas bewirken könne. Die Parteipolitik spiele dabei für ihn dabei keine Rolle. «Ich trete an, weil ich mich für das Dorf und die Bevölkerung einsetzen will.»

Podiumsdiskussion mit Kandidaten?

Nach der einstimmigen Wahl von Rolf Kissling als offizieller Kandidat der FDP erwähnte Co-Präsident Hanspeter Egli, dass die Parteileitung ein Hearing mit den beiden Kandidaten veranstalten möchte. Von CVP-Kandidatin Sandra Kolly, die derzeit in den Ferien weile, gebe es positive Signale. Noch sei allerdings nichts entschieden.

Die Anmeldefrist für die Beamtenwahlen vom 27. September in Neuendorf läuft am 5. August aus. Bis zu diesem Zeitpunkt wollen CVP und FDP auch bekannt geben, wen sie für das Gemeindevizepräsidium vorschlagen, wie FDP-Co-Präsidentin und bisherige Statthalterin Gabriela Gaugler verriet. Diese Wahl erfolgt allerdings nicht wie jene des Gemeindepräsidenten an der Urne, sondern wird durch den Gemeinderat vorgenommen. «Man ist uns mit Respekt begegnet», meinte Gaugler auf das Gespräch mit der CVP angesprochen.

Spannender Wahlkampf steht bevor

Rolf Kissling habe reelle Chancen als erster FDP-Gemeindepräsident überhaupt gewählt zu werden, waren sich die Versammlungsteilnehmer einig. Sandra Kolly und mit ihr die CVP rechneten aber inzwischen auch nicht mehr damit, dass die Beamtenwahlen ein Spaziergang würden. «Die Glocken haben geläutet», sagte ein Mann aus der Versammlung. Die Zeit bis zum Wahltermin werde höchst spannend, meinte Egli abschliessend und kündigte eine FDP an, welche ihren Kandidaten mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen werde.

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