Wolfwil
Gemeinde erbt Einfamilienhaus an bester Lage am Aarelauf

Der als Alleinerbe eingesetzte Orden Dominikaner Provinz hat das Erbe von Urs Eckinger ausgeschlagen. Nun gehört das Einfamilienhaus an der Aare der Gemeinde Wolfwil.

Erwin von Arb
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Dieses Einfamilienhaus vererbte der im März 2014 verstorbene Besitzer der Einwohnergemeinde Wolfwil.

Dieses Einfamilienhaus vererbte der im März 2014 verstorbene Besitzer der Einwohnergemeinde Wolfwil.

Hansruedi Aeschbacher

Mit einer nicht alltäglichen Entscheidung konfrontiert wurde der Gemeinderat von Wolfwil am 20. Oktober des vergangenen Jahres. An diesem Datum fand im Schmelzihof in Balsthal die Erbenverhandlung für den Nachlass von Urs Eckinger statt, der bis zu seinen Ableben am 14. März 2014 in Wolfwil wohnhaft gewesen war. Konkret ging es darum, ob die Einwohnergemeinde die Erbschaft des im Alter von 65 Jahren verstorbenen Mannes annehmen oder aber ausschlagen soll. Dies, nachdem der vom Verstorbenen im ersten Rang als Alleinerbe eingesetzte Orden Dominikaner Provinz, Zürich, die Erbschaft «unbedingt und vorbehaltlos» ausgeschlagen hatte.

Bewirtschaftung Verlustscheine: Inkassobüro soll Steuerschulden eintreiben

Bei der Eintreibung von Steuerschulden will der Gemeinderat Wolfwil versuchsweise mit einem erfolgsorientierten Inkassobüro zusammenarbeiten. Dieses soll vor allem auf jene Fälle angesetzt werden, für welche Verlustscheine vorliegen. Davon gibt es in Wolfwil etliche, darunter auch einige Firmen, wie erwähnt wurde. Das «normale» Inkasso für die Steuern soll aber weiter Sache der Gemeinde bleiben. Beibehalten werden soll auch der rigide Kurs gegenüber säumigen Steuerzahlern. Diese sollen ebenfalls dem Inkassobüro gemeldet werden.

Weiter beschloss der Gemeinderat die Einholung eines Kostenvoranschlags für den Ersatz des Eternitdaches bei der Mehrzweckhalle. Diese Sanierung steht in direktem Zusammenhang mit der geplanten Mobilfunkantenne, für welche die Swisscom das Dach der Mehrzweckhalle mit einer Abschirmung gegen die Strahlung versehen will. Bezüglich der noch beim Verwaltungsgericht hängigen Beschwerden gegen die von der Baukommission ausgesprochene Baubewilligung erwartet die Gemeinde noch diesen Monat ein Urteil, wie Gemeindepräsident Georg Lindemann erwähnte.

Im Weiteren hat der Rat:

- die Anfrage beraten, den Werkhofmitarbeitern und dem Brunnenmeister für geleistete Pikettdienste eine jährliche Pauschale auszurichten. Der Rat kann sich eine solche Entschädigung durchaus vorstellen, möchte künftig aber auch den Schulhausabwart in das noch zu erarbeitende Dispositiv einbeziehen. Dies mit Blick auf die Pensionierung des aktuellen Schulhausabwarts, dessen Stelle anfangs des kommenden Jahres neu besetzt wird;

- das Gesuch der INVA mobil, dem Taxidienst für Behinderte und Betagte, um Pauschalbeiträge für die Subventionierung der Fahrpreise, abgelehnt. Auf Anfrage ist der Rat aber bereit, behinderte oder betagte Personen beim Transport zu unterstützen;

- auf Antrag der Bürgergemeinde beschlossen, das Wahlbüro der Bürgergemeinde in jenes der Einwohnergemeinde zu integrieren. (eva)

Fristerstreckung verlangt

Bekannt war bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass der alleinstehende Mann an der Fahrstrasse 80 auf einer Fläche von 598 Quadratmetern ein 6-Zimmer-Einfamilienhaus inklusive eines Nebengebäudes besessen hatte. Allerdings befindet sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand, wie ein von der Gemeinde beauftragter Sachverständiger festgestellt hatte. Offen war ferner, ob der Erblasser auch noch Schulden hinterlassen hatte.

Zu wenig Fakten für eine Beschlussfassung, hatte der Rat bereits im Vorfeld entschieden und deshalb an der Erbenverhandlung um eine Fristerstreckung zur Erklärung der Erbschaft ersucht. Eine solche wurde der Einwohnergemeinde Wolfwil bis 15. Dezember 2014 von Amtsschreiber Marcel Huber denn auch gewährt.

«Im Gemeinderat war die Unsicherheit damals so gross, dass wir uns unmöglich auf diesen Zeitpunkt hin entscheiden konnten», erinnert sich Gemeindepräsident Georg Lindemann. «Wir haben lange abgewogen und sind dann zum Schluss gelangt, die Erbschaft anzunehmen.» Am 8. Dezember 2014 wurde die Amtschreiberei Thal Gäu über den Entscheid der Gemeinde offiziell in Kenntnis gesetzt.

Mehrwert wegen guter Lage

An seiner ersten Sitzung im neuen Jahr stand Annahme der Erbschaft von Urs Eckinger sel. im Gemeinderat erneut auf der Traktandenliste. Inzwischen ist klar, dass das im Jahr 1930 erbaute Einfamilienhaus samt Grundstück aufgrund seiner privilegierten Lage an der Aare einen geschätzten Verkehrswert von rund 380 000 Franken hat. Dem gegenüber steht eine Hypothek von rund 200 000 Franken. Weitere Verbindlichkeiten bestehen keine.

Der relativ hohe Verkaufswert der Liegenschaft wird vom mit der Schätzung betrauten Architekturbüro damit begründet, dass es sich dabei um das letzte Grundstück an der Aare handelt, welches käuflich erworben werden könne.

Bevor es zu einem Verkauf kommt, will sich der Gemeinderat einen Überblick verschaffen. Danach soll entschieden werden, wie in dieser Sache weiter verfahren wird. Zu diesem Zweck beschloss der Gemeinderat die Bildung einer Arbeitsgruppe, der Personen aus der Baukommission, der Finanzkommission, der Kommission für öffentliche Bauten, Gemeindeschreiber Paul Jäggi sowie Gemeindepräsident Georg Lindemann angehören sollen. Der Verkauf der Liegenschaft soll innerhalb eines Jahres erfolgen.