Mit einer nicht alltäglichen Entscheidung konfrontiert wurde der Gemeinderat von Wolfwil am 20. Oktober des vergangenen Jahres. An diesem Datum fand im Schmelzihof in Balsthal die Erbenverhandlung für den Nachlass von Urs Eckinger statt, der bis zu seinen Ableben am 14. März 2014 in Wolfwil wohnhaft gewesen war. Konkret ging es darum, ob die Einwohnergemeinde die Erbschaft des im Alter von 65 Jahren verstorbenen Mannes annehmen oder aber ausschlagen soll. Dies, nachdem der vom Verstorbenen im ersten Rang als Alleinerbe eingesetzte Orden Dominikaner Provinz, Zürich, die Erbschaft «unbedingt und vorbehaltlos» ausgeschlagen hatte.

Fristerstreckung verlangt

Bekannt war bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass der alleinstehende Mann an der Fahrstrasse 80 auf einer Fläche von 598 Quadratmetern ein 6-Zimmer-Einfamilienhaus inklusive eines Nebengebäudes besessen hatte. Allerdings befindet sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand, wie ein von der Gemeinde beauftragter Sachverständiger festgestellt hatte. Offen war ferner, ob der Erblasser auch noch Schulden hinterlassen hatte.

Zu wenig Fakten für eine Beschlussfassung, hatte der Rat bereits im Vorfeld entschieden und deshalb an der Erbenverhandlung um eine Fristerstreckung zur Erklärung der Erbschaft ersucht. Eine solche wurde der Einwohnergemeinde Wolfwil bis 15. Dezember 2014 von Amtsschreiber Marcel Huber denn auch gewährt.

«Im Gemeinderat war die Unsicherheit damals so gross, dass wir uns unmöglich auf diesen Zeitpunkt hin entscheiden konnten», erinnert sich Gemeindepräsident Georg Lindemann. «Wir haben lange abgewogen und sind dann zum Schluss gelangt, die Erbschaft anzunehmen.» Am 8. Dezember 2014 wurde die Amtschreiberei Thal Gäu über den Entscheid der Gemeinde offiziell in Kenntnis gesetzt.

Mehrwert wegen guter Lage

An seiner ersten Sitzung im neuen Jahr stand Annahme der Erbschaft von Urs Eckinger sel. im Gemeinderat erneut auf der Traktandenliste. Inzwischen ist klar, dass das im Jahr 1930 erbaute Einfamilienhaus samt Grundstück aufgrund seiner privilegierten Lage an der Aare einen geschätzten Verkehrswert von rund 380 000 Franken hat. Dem gegenüber steht eine Hypothek von rund 200 000 Franken. Weitere Verbindlichkeiten bestehen keine.

Der relativ hohe Verkaufswert der Liegenschaft wird vom mit der Schätzung betrauten Architekturbüro damit begründet, dass es sich dabei um das letzte Grundstück an der Aare handelt, welches käuflich erworben werden könne.

Bevor es zu einem Verkauf kommt, will sich der Gemeinderat einen Überblick verschaffen. Danach soll entschieden werden, wie in dieser Sache weiter verfahren wird. Zu diesem Zweck beschloss der Gemeinderat die Bildung einer Arbeitsgruppe, der Personen aus der Baukommission, der Finanzkommission, der Kommission für öffentliche Bauten, Gemeindeschreiber Paul Jäggi sowie Gemeindepräsident Georg Lindemann angehören sollen. Der Verkauf der Liegenschaft soll innerhalb eines Jahres erfolgen.