Kabelnetz

Gehört Kestenholz bald zum ggs-Verbund?

An die ggs Netz AG, hier der Hauptsitz in Oensingen, soll das Kestenholzer Kabelnetz gehen.

An die ggs Netz AG, hier der Hauptsitz in Oensingen, soll das Kestenholzer Kabelnetz gehen.

Die Fernsehgenossenschaft Kestenholz will sich auflösen und ihr Netz an die ggs netz AG veräussern.

Ein Auslaufmodell sei die Fernsehgenossenschaft Kestenholz. Deshalb will sie sich auflösen und das Netz verkaufen. Am liebsten an die ggs netz AG mit Sitz in Oensingen. Der Erlös von ungefähr einer halben Million Franken soll dabei als Aktienpaket an die Einwohnergemeinde Kestenholz gehen. Für die Kundinnen und Kunden sind keine Änderungen beabsichtigt.

«Einige der Vorstandsmitglieder sind bereits seit der Gründung dabei», sagt Urs Steiner, Präsident der Fernsehgenossenschaft Kestenholz. Damit benennt er auch gleich eines der grossen Probleme, mit welchen die Fernsehgenossenschaften in der Region zu kämpfen haben: fehlender Nachwuchs beziehungsweise abnehmendes Interesse.

Nachdem Steiner angekündigt hatte, selber nicht mehr lange als Präsident zur Verfügung zu stehen, wurde klar, dass auch aus dem Vorstand keine Nachfolgelösung in Sicht ist. Deshalb wird nun der Verkauf des Netzes an die Hand genommen.

Mit den Grossen mithalten

Doch nicht nur eine gewisse Amtsmüdigkeit ist das Problem. «Die Komplexität ist schlicht grösser geworden», sagt Steiner. Zudem hätte die Genossenschaft gar nicht die Möglichkeiten, vor allem im Marketingbereich, um mit den Grossen der Branche mitzuhalten. Namentlich mit der Swisscom und der Cablecom.

Ein Verkauf des Netzes an einer dieser Player kam jedoch für die Genossenschaft nicht infrage. «In der ggs netz AG ist der Genossenschaftsgedanke weiterhin implementiert», so Steiner, welcher Verwaltungsratspräsident der ggs netz AG und zudem im Verwaltungsrat von ggsnet schwängimatt ist (siehe Kontext). 

Um mit den Grossen mitzuhalten, setze die ggs netz AG auf Qualität des Netzes. Dieses sei etwa in Kestenholz sehr gut ausgebaut. «Wir haben uns auch immer bewusst um ein gutes Netz bemüht», so Steiner. Dazu sei man extra nicht mit Dumpingpreisen bei den Kunden hausieren gegangen. Ziel war es, einen konkurrenzfähigen Preis zu haben, aber auch den Ausbau des Netzes finanziell sicherzustellen. Doch auch dies werde immer schwieriger als kleine Genossenschaft, weil die Halbwertszeiten auf den Netzmodernisierungen sich immer mehr verkürzen würden.

Arbeitsgruppe soll klären

Steiner und der Vorstand der Fernsehgenossenschaft wollen die Übergabe nun möglichst bald über die Bühne bringen. Wenn alles nach dem Plan der Genossenschaft läuft, soll Anfang Jahr eine Generalversammlung stattfinden. Dort sollen die Auflösung und der Verkauf über die Bühne gehen. Danach rechnet Steiner damit, dass die Liquidierung der Genossenschaft etwa ein bis eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen wird. Der in Aktien umgewandelte Erlös aus dem Verkauf des Kabelnetzes will der Vorstand der Einwohnergemeinde Kestenholz übergeben.

«Schliesslich ist die Genossenschaft auch für die Einwohner da», so Steiner. Zudem möchte die Genossenschaft ihr Vermögen ebenso der Gemeinde übergeben. Steiner spricht von 100 000 Franken, die so an Kestenholz gelangen könnten. Eine allfällige Auszahlung an die einzelnen Genossenschafter sei sehr komplex, sagt Steiner. So müsste etwa geklärt werden, wer denn überhaupt noch als Genossenschafter gilt und wer nicht. Deshalb will man davon absehen.

Da die Gemeinde sozusagen wie die Jungfrau zum Kinde zu einem Anteil an der ggs netz AG kommen würden, wurde laut Gemeindepräsident Arno Bürgi nun eine gemeinsame Arbeitsgruppe einberufen. In die Karten blicken möchte er sich jedoch noch nicht. «Die Einwohnergemeinde möchte sich da aber noch einbringen», sagt er und ergänzt, dass die besagte Arbeitsgruppe das weitere Vorgehen beraten soll.

Für die Endkunden soll wegen des geplanten Verkaufs wie erwähnt nichts ändern. Auch die Tarife würden in den nächsten drei Jahren gleich bleiben, wie Steiner sagt. Es sei denn, im Zusammenhang mit schweizweit höheren Urheberabgaben steige der Preis. Dies habe aber nichts mit dem Verkauf zu tun.

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