Als der Gemeinderat Oensingen im letzten Frühling das Projekt Unterdorf lancierte, war man guten Mutes. Endlich sollte es vorangehen auf den Parzellen 708 bis 710 im Dorfkern an der Hauptstrasse gegenüber des Restaurants Cartier. Bereits im Februar 2011 war vom Gemeinderat eine fünf Jahre geltende Planungszone festgelegt worden.

Die Befindlichkeiten rund um die ungünstig verlaufende Parzelle mit diversen Eigentümern sind nicht einfach zu erfassen. Der Immobilienentwickler Nüesch Development AG, der bereits seit Beginn des Projektes dabei war, hatte den Eigentümern empfohlen, zusammenzuarbeiten. Schliesslich entschied sich der Rat für das Modell, bei dem die Nüesch AG als Investitionspartner mit Kaufoption fungiert. Der Vorteil bei diesem Modell sei für die Gemeinde, dass keine Kosten anfallen. Das Finanzielle, verbunden mit dem Risiko, werde vom Investor getragen. Eine gangbare Lösung, wie die Behörden Oensingens der Meinung sind.

Der Widerstand regt sich

Doch dies passt nicht allen. Zumal sich auf der genannten Parzelle das historische Kronenkellergebäude befindet. Zwei Oensinger, der ehemalige Sekundarlehrer Kuno Blaser und sein Kollege Tom Hug, wehren sich gegen das Vorhaben. Unter dem Namen Pro Unterdorf sind sie auf ortspolitischer Mission. «Wir werden alle Leute hinter uns scharren, die das Kronenkellergebäude und damit ein Stück des Dorfbildes Unterdorf bewahren wollen», erklärt Blaser, der in Oensingen aufgewachsen ist. Das Unterdorf sei das Herz der Gemeinde. Besonders sauer stösst ihm auf, dass die Behörden es laut seiner Meinung nach einzig den Investoren recht machen wollen: «Alte und durchaus noch gute Wohneinheiten bleiben leer und verrotten, bis angeblich der Abriss die letzte Lösung ist», moniert Blaser. In Oensingen könne schon lange nicht mehr von einem natürlichen Wachstum gesprochen werden. Blaser nennt es gar eine «krankhafte Entwicklung».

Oensingens Gemeindepräsident Fabian Gloor ist sich bewusst, dass es bei diesem Projekt leidenschaftliche Gegner gibt. Doch er kann dem Votum von Kuno Blaser überhaupt nicht zustimmen: «Wir sehen das Projekt als eine einmalige Chance für das Quartier wie auch die ganze Gemeinde.» Die Behörden wollten ein Wachstum von hoher Qualität und gerade dies versuchten sie nun im Unterdorf zu erreichen. Das will Kuno Blaser nicht glauben, deshalb tat er seinen Unmut bereits mehrmals auf den sozialen Medien kund. Die Reaktion seitens der Gemeinde blieb nicht aus, und sie lud die beiden Skeptiker in eine Arbeitsgruppe ein. Als während eines Workshopverfahrens Verhandlungen zur fraglichen Parzelle geführt wurden, konnten Blaser und Hug dabei sein. Doch es kam zum Eklat: Die beiden standen noch während des Gesprächs auf, verabschiedeten sich und verliessen die Arbeitsgruppe. Dies, nachdem ihnen auf die Frage hin vom Gremium bestätigt worden sei, dass ein geplanter Abriss unumgänglich sei. Der Erhalt des Gebäudes sei zudem als unrentabel bezeichnet worden.

Gloor hingegen findet es schade, dass die beiden gegangen sind: «Mir wäre es lieber gewesen, sie hätten sich an der Diskussion beteiligt und ihre Ansichten direkt eingebracht.» Doch Kuno Blaser will nichts davon wissen. Er, der 34 Jahre Sekundarlehrer in Olten war, stört sich daran, dass immer alles rentieren muss und somit der Dorfteil an Investoren «verscherbelt» werde. Zudem regt er sich darüber auf, dass bereits Planungskredite in Höhe von 450'000 Franken gutgeheissen wurden. Er ist der Meinung, dies sei «zum Fenster hinausgeworfenes Geld, um das Ortsbild zu zerstören».

Doch Gemeindepräsident Gloor relativiert und erwidert auf den Vorwurf: «Sämtliche Entscheide zur Planung wurden demokratisch gefällt, was auch weiterhin der Fall sein wird. Die angesprochenen Planungskredite brachten bereits viele Erkenntnisse und haben Anpassungen ermöglicht.» Es sei schon jetzt gesichert, dass auf das sensible Ortsbild Rücksicht genommen werde. Zudem werde das «weitgehende Mitspracherecht der Bevölkerung und der Gemeinde gewahrt». Gegenwärtig sind die letzten Abklärungen im Gang. Etwa, wie mit den Gebäuden umgegangen werden soll. Die Verhandlungen im Gemeinderat für entsprechende Anträge seien noch heuer geplant. Die Gemeindeversammlung werde im Frühling entscheiden. Kuno Blaser gibt sich indes kämpferisch: «Wir werden sämtliche Mittel der Demokratie ausschöpfen. Auch wenn die Sache an der Urne entschieden werden muss.»