Balsthal
Gebirgslandschaft als Ereignis – Marie-Theres Amici zeigt Arbeiten

Zum zweiten Mal zeigt Marie-Theres Amici eine Auswahl von ihren Arbeiten in der Galerie Rössli in Balsthal. Die Austellung ist bis am 16. September geöffnet.

Eva Buhrfeind
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Landschaften, vor Ort gemalt.

Landschaften, vor Ort gemalt.

Eva Buhrfeind

Die Landschaft ist seit langem das Leitmotiv im Schaffen von Marie-Theres Amici, die, 1943 im luzernischen Neuenkirch geboren und in Solothurn aufgewachsen, sich an den Kunstgewerbeschulen Basel und Luzern sowie an der Kunstakademie Krakau ausbilden liess.

Im ersten Raum ist es das Gebirge in all seinen Formationen, Stimmungen, jahreszeitlichen Metamorphosen und wandelnden Naturstimmungen. Es sind mehr als Zeichnungen. Es sind kontemplative Prozesse, um das Gesehene und Wahrgenommene, das Erlebte und das Reflektierte. Es geht um die Wirkung und Einflüsse von Licht, Schatten, Natur und Farbe, Atmosphäre und Moment als immer neu zu begreifende Projektion zeichnerischer Selbstfindung zu beschreiben.

Amici’s in die Bergwelt

Oder ganz einfach mit den Worten der Künstlerin «jede Landschaft, die ich auswähle, ist ein Ereignis», sei es in der Verdichtung der Linien, sei als im Zusammenwirken von Kontur und Geste, Kontrast und Farbe. Mit ihrem unverkennbaren Strich mit farbigen Pastellkreiden transformiert Marie-Theres Amici immer wieder neu diese topografischen Zeichen und landschaftlichen Gesichter, klimatischen Verhältnisse, eine unmittelbare Flora oder eine landschaftliche Fernsicht auf Gebirge und Bergseen. Es ist nicht das Spektakuläre, das Marie-Therese Amici sucht und zeichnet, denn manchmal kommen die Orte und Ausblicke auf sie zu, und dann wird das meist Unspektakuläre in der Zeichnung zu einem besonderen Moment.

Jede Arbeit wird rückseitig mit Entstehungsmonat und -jahr gekennzeichnet, Notationen wandelbarer Ereignisse als eine Art Agenda fixiert. Diese Momente des Erlebens verewigen sich als immer neu zu begreifender zeichnerischer Akt zwischen Schichten und Strukturieren, Nähe und Distanz, freier und nachvollziehbarer Bildfindung: Sei es als winterliche Waldwege, goldgelbes Herbstleuchten, ausgeleuchteter Bergsee oder als klar konturierter, malerisch wirkender Blick in die Bergwelt. Unterwegs mit Zeichenmappe und Pastellkreide entstehen sie «plein air», direkt vor Ort: Schweizer Pässe wie Kleine Scheidegg, Bernina, Gotthard, Grimsel, Susten, Sils Maria.

In den feinen Bleistiftzeichnungen dann im zweiten Ausstellungsraum skizziert Marie-Theres Amici einmal geologisch-steinerne Strukturen zu verwunschenen Vexierbildern und autonomen Netzwerken der Natur, welche die Fantasie und Assoziationsfreude der Betrachtenden anregen. Um in den Museumszeichnungen die Malerei – reduziert auf Form, Linie, Tiefe – wieder in die Bildstudie zurückzuführen und in den schwarz-weissen Tuschezeichnungen die malerische Wirkung von Wolken, Schatten, Licht und Landschaft beinahe holzschnittartig zu sichten. Im Kellergewölbe zeigt die Künstlerin kleine, auf dem Bernina-Pass entstandenen Einblicke, die mit farbigen Pastellkreiden weich verdichtet aus dem weissen Papier herauswachsen. Kleine Ausschnitte dessen, was letztendlich in der Erinnerung bleibt und doch für das Ganze des Erlebten steht.

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