Dullikens Bürgerpräsident Matthias Weidmann konnte am Mittwochabend 39 der gesamthaft 476 stimmberechtigten Ortsbürgerinnen und Ortsbürger im Mehrzweckraum der Liegenschaft Lehmgrube 6 willkommen heissen. Im Zentrum des Abends stand die neue Betriebsform für den Revierforstbetrieb Werderamt vom 1. Januar 2014 an.

Wie alt Bürgerpräsident Eduard Hofer einleitend schilderte, haben die sechs Bürgergemeinden des Revierforstvertrags von 1994 diesen per Ende 2012 gekündigt, weil die hohen Defizite bei der Waldbewirtschaftung – nicht zuletzt wegen des Zerfalls der Holzpreise – nicht mehr hätten verantwortet werden können. Die Bürgerpräsidenten haben in diesem Jahr Forstingenieur Lorenz Bader, Solothurn, beauftragt, Lösungsvorschläge auszuarbeiten.

Die Organisation des Forstbetriebs Werderamt als öffentlich-rechtliches Unternehmen mit 250 Stellenprozenten hatte Bader bereits anlässlich der Info-Veranstaltung vom 17. Oktober in der Bühlhalle in Däniken vorgestellt (wir berichteten ausführlich; siehe OT vom Samstag, 19. Oktober).

Mit Unternehmen zusammenarbeiten

Im Businessplan mit Ausgaben und Einnahmen von je 800 000 Franken ist unter anderem vorgesehen, den Förster und einen Forstwart fest anzustellen sowie Arbeitskräfte von privaten Waldunternehmen für die restlichen 50 Stellenprozente einzusetzen.

Der grosse Teil der Holzernte soll an Unternehmen vergeben werden, welche «über die nötigen Hilfsmittel und Maschinen verfügen». Die Waldpflege solle aber nicht vernachlässigt, sondern «auf ein vernünftiges Mass reduziert werden», denn hier liege auch die Möglichkeit, mit verminderter Pflege eine ausgeglichene Rechnung zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit anderen Forstbetrieben könne dabei helfen, die Abhängigkeit vom Holzpreis abzufedern.

Für das Minimum des Betriebskapitals von 250 000 Franken beträgt der Dulliker Anteil eine einmalige Zahlung von 53 000 Franken. Das Waldwegnetz in Dulliken müsse zudem vor der Übergabe an den Forstbetrieb teilweise saniert werden (Fluhesterweg zwischen Verbindungsweg und Grenze Starrkirch-Wil; Kirchweg zwischen Fluhesterweg und Zollingerweg und Surpeterweg in der grossen Kurve auf der Ostseite). Hierfür sei mit zusätzlichen Kosten von rund 20 000 Franken zu rechnen. Daran erhalte die Bürgergemeinde Dulliken einen Kantonsanteil von 9800 Franken; dieser Betrag werde direkt dem Forstbetrieb Werderamt zugeschrieben.

«Es kann nicht funktionieren»

In der Folge entbrannte eine rund zwei Stunden dauernde Diskussion um das Für und Wider der neuen Betriebsorganisation. Alt Bürgerpräsident Josef Frey etwa fand, es sei für ihn «schwierig zu verstehen, wie ein Betrieb funktionieren soll, der nur aus einem Chef und einem Gesellen besteht». Zudem könnte der «Geselle» ja auch einmal ausfallen. Dulliken habe stets ein Defizit zwischen 30 000 und 70 000 Franken in der Forstrechnung gehabt, und seiner Meinung nach sei dieses neue Modell «ein Konstrukt, das wirtschaftlich nicht funktionieren kann». Er stellte den Antrag, dass Dulliken den Alleingang wagen und einen Förster im Auftragsverhältnis anstellen solle.

Guido Bärtschi entgegnete, Oftringen bewirtschafte seinen Wald auf diese Weise, und man sei gar nicht zufrieden. Ausserdem könne man in Notsituationen – etwa bei umgestürzten Bäumen nach einem Sturm – nicht reagieren. – Auch das Budget gab zu reden. Einwohnergemeindeverwalter Andreas Gervasoni fehlte die Zuversicht, wonach das neue Modell plötzlich bessere Zahlen ergeben könne. Forstingenieur Lorenz Bader, der als Auskunftsperson an die Versammlung eingeladen worden war, meinte, das Budget sei klar ergebnisorientiert. Es werde inskünftig keine Handlungen mehr vorgenommen, welche nicht mindestens kostenneutral seien. Ziel sei, den Aufwand um ein Drittel zu reduzieren. «Jede einzelne dieser Kennzahlen im Businessplan ist erreichbar», zeigte er sich überzeugt.

Martin Studinger schliesslich meinte: «Man sollte der neuen Betriebsform eine Chance geben». Das tat die Versammlung denn auch. Sie stimmte der neuen Betriebsform, den Statuten sowie den finanziellen Auswirkungen mit 33:3 Stimmen zu und nahm zudem Kenntnis vom Businessplan. Schon zuvor hatte sie den Antrag auf Nichteintreten und einen Alleingang Dullikens von Josef Frey mit 28:4 Stimmen abgelehnt.