Mahlzeitendienst
Gäuer Senioren bekommen ihr Mittagessen neu aus Hägendorf

Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu hat der Spitex Gäu den Vertrag für den Mahlzeitendienst gekündigt. Jetzt hat die Spitex einen neuen Partner gefunden: Die Mahlzeiten kommen künftig vom Seniorenzentrum Untergäu in Hägendorf.

Erwin von Arb
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Küchenchef Willi Hürlimann bereitet mit Küchenhilfe Ranga ein Menü für die Auslieferung vor.

Küchenchef Willi Hürlimann bereitet mit Küchenhilfe Ranga ein Menü für die Auslieferung vor.

Bruno Kissling

Im Gäu wundern sich in jüngster Zeit Senioren darüber, dass sie ihr vom Mahlzeitendienst angeliefertes Mittagessen nicht mehr vom Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen bekommen, sondern vom Seniorenzentrum Untergäu in Hägerdorf. «Ja, das stimmt», sagt Yvonne Berner von der Spitex Gäu. Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) habe den Vertrag aus Kapazitätsgründen mit der Spitex Gäu für den Malzeitendienst per Ende Juni dieses Jahres gekündigt, so die Spitex-Präsidentin.

Schwierige Suche nach Ersatz

Ob die Kündigung der GAG als Reaktion auf den Auszug der Spitex Gäu aus dem Alterszentren Sunnepark in Egerkingen respektive den Nichteinzug in den Roggenpark in Oensingen erfolgt sein könnte, mochte Berner nicht kommentieren. Zum Eklat zwischen der Spitex Gäu und der GAG war es Juli 2013 gekommen, weil die GAG beschlossen hatte, in ihren Alterszentren die Dienstleistungen der Spitex in eigener Regie auszuführen. Seither sind die Beziehungen zwischen GAG und Spitex belastet (wir berichteten). Die Vergangenheit will Berner hinter sich lassen, wie sie betont. «Für uns steht die Betreuung der Kunden im Vordergrund, wir wollen unsere Arbeit gut machen.»

Die Suche nach einem neuen Lieferanten habe sich schwierig gestaltet, schliesslich müssten die Mahlzeiten an 365 Tagen im Jahr geliefert und auch spezielle Diäten angeboten werden, so Berner weiter. Mit dem Seniorenzentrum Untergäu habe rechtzeitig ein Partner gefunden und so diese Dienstleistung nahtlos weitergeführt werden können.

Weil das Hägendörfer Seniorenzentrum die Mahlzeiten in eigener Regie verteilt, musste die Spitex Gäu den Mahlzeitendienst auslagern und die Arbeitsverhältnisse mit den 19 Fahrerinnen und Fahrern auflösen. Die Senioren im Gäu müssen sich aber nicht auf neue Leute gefasst machen, die ihnen das Essen bringen. 16 der ehemaligen Spitex-Mitarbeitenden wurden vom Seniorenzentrum Untergäu zu praktisch denselben Bedingungen angestellt. Zwei der nicht übernommenen Personen hätten ohnehin aufgehört, wie Berner erwähnt.

Kapazitätsgrenze ist erreicht

Für die Spitex Gäu werden in Hägendorf seit Anfang Juli täglich rund 40 warme Mahlzeiten zubereitet, wie Zentrumsleiter Ralph Wicki bestätigt. Im ersten Monat wurden von den Fahrerinnen und Fahrern des Mahlzeitendienstes in den Gäuer Gemeinden Oensingen, Oberbuchsiten, Niederbuchsiten, Härkingen und Egerkingen 1240 Warmhalteboxen mit Essen verteilt.

In Hägendorf wurden im Juli insgesamt 3560 Mahlzeiten für Senioren zwischen Oensingen und Olten zubereitet. Nicht eingerechnet sind die 80 bis 90 Menüs, die täglich intern für die Senioren und das Personal benötigt werden. «Nun stossen wir an unsere Kapazitätsgrenzen», sagt Wicki. Deshalb werde im kommenden Jahr auch die Küche erneuert und technisch aufgerüstet.

«Wirtschaftliche Überlegungen gaben den Ausschlag»

Die Kündigung des Vertrags für den Mahlzeitendienst zwischen der Spitex Gäu und der Genossenschaft für Alter und Pflege Gäu (GAG) habe klar wirtschaftliche Gründe, sagt GAG-Geschäftsführer Rüdiger Niederer. «Unser Küchenchef hat uns schon länger darauf aufmerksam gemacht, dass der Mahlzeitendienst für die Spitex Gäu Kapazitäts- und Handlingsprobleme verursacht.» Die vielen Warmhalteboxen brauchten derart viel Platz, dass die Abläufe in der Küche nicht mehr gewährleistet seien. Diesen brauche man aber, um täglich über 150 Menschen in den Alterszentren in Egerkingen und Oensingen zu versorgen. Kapazitäten brauche man ferner für die den beiden Alterszentren angegliederten Bonacasa-Mehrfamilienhäuser für begleitetes Wohnen im Alter. In Egerkingen seien das rund 72 Wohnungen, in Oensingen um die 50. Dazu komme schon bald das Pflegeheim Stapfenmatt in Niederbuchsiten, dass künftig als Demenzzentrum dienen soll. «Bei einem solch hohen Bedarf an Pflegeplätzen stossen wir einfach an unsere Grenzen», sagt Niederer. Die einzige Alternative, um die Spitex weiter beliefern zu können, wären Investitionen in die Infrastruktur und das Personal gewesen, was derzeit nicht möglich sei. «Wir mussten also nach einer Lösung suchen», argumentiert Niederer. Andere Hintergedanken habe es bei der Vertragskündigung nicht gegeben, schon im Interesse der betroffenen Menschen. Mit der Spitex strebe die GAG ein gutes Einvernehmen an. Das Verhältnis zwischen der GAG und der Spitex Gäu hat sich seit dem Zwist im Juli 2013 etwas verbessert, auch wenn noch gewisse Friktionen spürbar seien, sagt der von der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu (GPG) als Moderator und Studienleiter eingesetzte Christoph Minnig. Er skizziert für die GPG einen sogenannten Organisationsentwicklungsprozess auf. Dieser soll die wichtigsten Aufgabenfelder im Bereich der Betreuung und Pflege von Senioren beinhalten und aufzeigen, welchen Platz darin Organisationen wie die GAG, die Spitex oder die Pro Senectute einnehmen sollen. «Hier sind zwei starke Player bei der Ausübung ihrer Tätigkeit aufeinander getroffen», sagt der Professor in Organizational Behavor von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ob die beiden Organisationen künftig miteinander oder nebeneinander agierten, sei nicht entscheidend. Beide Formen könnten erfolgreich sein, wie Beispiele in anderen Kantonen zeigten. Momentan sei er zusammen mit der GPG daran, eine Auslegeordnung zu machen, so Minnig. (eva)