Aedermannsdorf
Gasthaus zum Schlüssel: «Aus Fiasko wurde doch noch ein Glücksfall»

Nach drei Monaten hat sich das neue Team des Gasthauses zum Schlüssel in Aedermannsdorf gut eingelebt. Auch wenn es am Anfang noch einige Turbulenzen gab.

Sarah Kunz
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Im Schöpfli des «Schlüssels» werden im Sommer die WM-Spiele übertragen. Aufs Foto wollten die neue Pächterin Céline Comte und Koch Ruedi Odermatt nicht.

Im Schöpfli des «Schlüssels» werden im Sommer die WM-Spiele übertragen. Aufs Foto wollten die neue Pächterin Céline Comte und Koch Ruedi Odermatt nicht.

Bruno Kissling

Vier Gäste sitzen am Freitagmorgen im Gasthaus zum Schlüssel in Aedermannsdorf. Zwei davon unterhalten sich, die anderen zwei trinken in aller Ruhe ihren Kaffee. Einer winkt, bezahlt sein Getränk, wünscht einen schönen Tag und geht. Es ist eine alltägliche Szene, wie man sie eigentlich aus jedem Restaurant kennt. Doch im «Schlüssel» zeigt sie, dass nun endlich Ruhe eingekehrt ist.

Nach einem Hin und Her im Dezember hat anfangs Januar Céline Comte das Gasthaus von Margrith Nideröst übernommen (wir berichteten). Dieser war es aus gesundheitlichen Gründen bereits nach einer Woche nicht mehr möglich, die Pacht weiterzuführen, konnte aber glücklicherweise auf die Unterstützung von Comte und deren Lebenspartner Ruedi Odermatt, langjähriger erfahrener Koch, zählen.

Zweieinhalb Jahre lang bewirtschaftete das Paar nämlich das Restaurant Taverna in Emmetten, Nidwalden, wo sie den Vertrag im November nicht mehr verlängerten. Nach langer vergeblicher Suche zum Kauf eines idealen Kleinhotels in der Innerschweiz, waren die beiden im Kanton Solothurn in Verhandlungen, um einen Betrieb käuflich zu erwerben. «Das Angebot mit dem Gasthaus zum Schlüssel hat sich da als glücklicher Zufall ergeben», erzählt Odermatt.

Hals über Kopf-Aktion

Der Verein Freunde Gasthaus Schlüssel hatte das Restaurant im Jahr 2017 aufgekauft und nach interessierten Pächtern gesucht, um den Fortbestand der einzigen Beiz im Dorf gewähren zu können. Präsident Bruno Born ist begeistert vom Ausgang der Dinge. «Aus dem Fiasko wurde nun doch noch ein Glücksfall.» Die Erleichterung nach dem unglücklichen Verlauf im Dezember ist aber noch immer spürbar. «Wir waren damals alle ein wenig blauäugig», sagt Born. Die vorherige Pächterin habe die Aufgaben wohl unterschätzt.

Am 7. Dezember übernahm Niederöst den «Schlüssel». Bereits eine Woche später sprangen Comte und Odermatt als Unterstützung ein. An Weihnachten verabschiedete sich Nideröst aus dem Vertrag, das Paar packte seine sieben Sachen, zog von der Innerschweiz ins Thal und eröffnete am 2. Januar die Beiz unter neuer Führung. «Es war eine Hals-über-Kopf-Aktion», sagt Born und lacht.

Nach etwas mehr als 100 Tagen ist zwar noch immer nicht alles ausgepackt, dafür hat sich das Team gut eingelebt, zur grossen Zufriedenheit aller Beteiligten. «Wir sind positiv überrascht über den Zusammenhalt der Leute hier», erzählt Odermatt. «Aedermannsdorf hat ein sehr intaktes Dorfleben, hier hilft jeder jedem und die Menschen gehen aufeinander zu.» Die Pächterin und ihr Partner sind dankbar, dass sie auf die Unterstützung der Aedermannsdörfer und vor allem der hiesigen Vereine zählen dürfen. «Wir spüren, dass wir hier willkommen sind», ergänzt Comte. «So macht das Arbeiten eben Spass.»

Im Gasthaus steckt viel Herzblut

Die Rollen innerhalb des Betriebs sind klar verteilt: Comte ist die Wirtin des Betriebs, Odermatt unterstützt seine Freundin im Hintergrund und verwöhnt die Gäste kulinarisch. Comte wird ausserdem bald noch ihr eigenes Wirtepatent machen und aus diesem Grund im Sommer den Wirtekurs besuchen.

Am Gebäude hat das Paar kaum etwas verändert. «Man merkt, dass die früheren Pächter, die Familie Bieli, sehr viel Herzblut in das Gasthaus gesteckt haben», sagt Odermatt. Das Gebäude sei zwar alt, doch immer noch sehr gepflegt. Auch die Küche ist nach wie vor gutbürgerlich.

Im Sommer wird das Paar seine Gäste zusätzlich mit frischen Salaten verwöhnen. Ausserdem planen die beiden einzelne Events: So werden an der Fussball-WM alle Spiele im Schöpfli übertragen und die entsprechenden Pausensnacks aus der Schlüsselküche angeboten. An drei Sommerwochenenden wird eine hausgemachte «Paella Valençiana» angeboten, eine von Odermatts Spezialitäten. Auch Born freut sich auf die kommende Zeit. Der Betrieb laufe nun wieder genau so gut, wie zuvor. Zudem lobt er Odermatts Kochkünste: «Du Ruedi, Dein Osterlamm musst du mir unbedingt wieder einmal machen.»

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