Vorhalte
Gärt es wirklich beim Personal des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu?

Vetternwirtschaft, Fehlinvestitionen, zunehmend schlechtere Arbeitsbedingungen, zurück- behaltene Boni: Dies und mehr wird der Leitung des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu vorgehalten; anonym, wohlverstanden.

Urs Huber
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Zug drin, auch wenns manchmal zu innerbetrieblichen Holprigkeiten kommt: Ein Flottenfahrzeug der BOGG zwischen Stüsslingen und Erlinsbach

Zug drin, auch wenns manchmal zu innerbetrieblichen Holprigkeiten kommt: Ein Flottenfahrzeug der BOGG zwischen Stüsslingen und Erlinsbach

Bruno Kissling

Die Vorhalte sind wenig schmeichelhaft und stammen aus Insiderkreisen des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu (BOGG). Die Rede ist von zunehmend schlechteren Arbeitsbedingungen, verweigerten Boni, mangelhafter Wartung der Flottenfahrzeuge oder der Begünstigung einzelner Chauffeure. «Die mangelhafte Wartung ist darauf zurückzuführen, dass die betriebseigene Werkstatt zwecks Gewinnoptimierung lieber Aufträge für andere Firmen ausführt», so eine Insiderstimme. Und bezüglich Vetternwirtschaft, so will eine andere wissen, sei anzumerken, dass fehlbares Verhalten von Chauffeuren völlig unterschiedlich geahndet werde. Gründe, welche die ebenfalls monierte hohe Personalfluktuation beim BOGG erklären würden. Die Insider sprechen – auf die letzten beiden Jahre bezogen – von einer solchen von rund 40 Prozent. «Unter diesem Regime ist das allerdings nicht verwunderlich.» Und: Mit ihrer Einschätzung würden sie ganz und gar nicht alleine dastehen. «Rund zwei Drittel der gut hundertköpfigen Belegschaft Fahrdienst teilen diese mit uns.»

Sind die angesprochenen Vorhalte für Betriebsleiter Toni von Arx neu? «Sie sind mir alle bekannt», meint er. In Gesprächen mit dem Personal, internen Mitteilungen und Besprechungen mit der Personalkommission wurden sie thematisiert. Dass zwei Drittel der Belegschaft effektiv diese Einschätzung des Betriebsklimas teilen, mag er allerdings nicht glauben, entspreche auch nicht den Rückmeldungen aus den Mitarbeitergesprächen. «Vielleicht sinds zehn Prozent, wenn überhaupt», sagt er. Bezüglich der hohen Fluktuation aber gibt er gerne zu verstehen, dass viele nach einem beruflichen Abstecher doch schon fast reumütig wieder in die Arme der BOGG zurückkehren würden. Denn die BOGG sei ein verantwortungsvoller und auch sozialer Arbeitgeber für seine 130 Angestellten. Die Entlöhnung sei sehr gut und leistungsgerecht. In den letzten beiden Jahren gabs total 27 Abgänge, die aber zum allergrössten Teil nicht auf das Arbeitsklima zurückzuführen waren, sondern auf die persönlich-private Situation. Aber von Arx gibt unumwunden zu, dass Kündigungen auch aus andern Gründen erfolgen: «Wenn ein Chauffeur ultimativ fordert, seine Ferien immer im Sommer beziehen zu können, dann ist der BOGG nicht der richtige Arbeitgeber für ihn. Ähnliches gilt für jemanden, der partout keinen Sonntagsdienst verrichten will.» Und: Der BOGG sei ein Unternehmen im Dienstleistungsbereich, sieben Tage die Woche.

Auch Die Behauptung, im BOGG würde eine gewisse Vetternwirtschaft betrieben, erkennbar daran, dass nicht alle Chauffeure im Schadensfall gleich behandelt würden, weist von Arx konsequent von sich. Zudem, so argumentiert der Betriebsleiter, sei just die Kundenorientiertheit des betreffenden Chauffeurs augenfällig. «Er gibt zu keinerlei Klagen Anlass.» Ein Schwerpunktthema beim BOGG? Der Betriebsleiter nickt. Eine Kundenbefragung hat gezeigt, dass im Umgang mit Fahrgästen gewisse Defizite bemerkt wurden, die sich scheinbar nicht so leicht eliminieren lassen. Die Tatsache übrigens, dass die Zahl der Kundenreklamationen innert Jahresfrist nicht verringert werden konnte, hat dazu geführt, dass Boni um zehn Prozent reduziert wurden, wie von Arx bestätigt. Keine Boni werden ausbezahlt bei selbst verschuldeten Unfällen. «Die Zielvorgaben, welche zur Auszahlung des Bonus geführt hätten, wurden den Mitarbeitenden klar kommuniziert.»

Den Vorhalt der Insider, wonach die betriebseigene Werkstatt mehr für auswärtige Kunden denn für den eigenen Fuhrpark arbeite, weist von Arx von sich. Für zehn Postautos aus dem Thal besorgt die BOGG-Werkstatt noch Unterhaltsarbeiten. Sonst würden keine Fremdaufträge erfüllt. «Wir sind, schon nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht, daran interessiert, dass unsere insgesamt 44 Wagen im Einsatz stehen. Mit denen verdienen wir unser Geld. Wenn sie wegen Mängel nicht einsatzfähig sind, schaden wir der BOGG», sagt von Arx, der auch die schlechter werdenden Arbeitsbedingungen in Abrede stellt. Im Gegenteil: Eine Arbeitsgruppe hat mit je zwei Vertretern der drei Depotstandorte Wangen, Lostorf und Kestenholz drei Varianten an Dienstplänen entworfen und diese zur Abstimmung gebracht. Eindeutig favorisiert wurde eine Variante, die weniger Sonntagseinsätze, längere Ruhezeiten und die flexiblere Handhabe von Einsatzplänen beziehungsweise den Abtausch von Einsätzen unter den Chauffeuren ermöglicht.

Auch den Vorwurf, Fehlinvestitionen ausgelöst zu haben, weist von Arx von sich. Die Insider hatten berichtet, die neue Funkanlage funktioniere schlechter als die alte. «Es gab bei der Einrichtung der neuen Anlage ein paar Schwierigkeiten, weil sich im Laufe der Implementierung herausstellte, dass am Standort der Antenne auf dem Engelberg noch Feuchtigkeit in einem Kabel festgestellt wurde, welche den Funkverkehr beeinträchtigte», so von Arx. Heute aber sei er überzeugt, dass die Übertragungsqualität spürbar besser sei als noch mit der alten Anlage, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatte. «Die neue Anlage ist bei weitem keine Fehlinvestition». Die aktuelle Version zeichne den Funkverkehr zur Qualitätssicherung auf, habe den Sender, der die Steuerung von Ampeln auf Baustellen ermögliche, integriert und müsse nicht mehr, wie früher, immer die Chauffeurhand wechseln. Dies habe hin und wieder auch zum Verlust dieser relativ teuren Steuergeräte geführt.

Natürlich sei der Chauffeurdienst heute nicht mehr mit jenem vor 30 Jahren zu vergleichen. Hektischer der Verkehr, anspruchsvoller der Umgang mit Kunden. Ein Umstand, der in Fahrerkreisen immer wieder erwähnt werde, weiss von Arx. Beim BOGG gelte gerade deshalb die Maxime des pfleglichen Umgangs mit dem Personal. «Wir wissen um die Belastungen.» So setze die Firmenleitung bei Konfliktpotenzial etwa auf externe Arbeitskräfte. «Unsere Chauffeure nehmen keine Billettkontrollaufgaben wahr», sagt von Arx, man wolle die Leute so aus der Schusslinie nehmen. Überzeugt, dass die Stimmung im Betrieb besser sei als von den anonymen Informanten geschildert, schiebt er nach: «Wesentlich besser.»