Verkehrsanbindungs-Projekt
«Ganzes Thal leidet unter unsinniger Umfahrung»: Komitee ergreift das Referendum

Im Dezember sprach der Kantonsrat einen Kredit von 74 Millionen Franken für die Verkehrsanbindung Thal. Nun ergreift ein Thaler Komitee das Referendum gegen das Umfahrungsprojekt.

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In diesem Modell ist die geplante Streckenführung durch die Klus via Viadukt und Tunnel gut erkennbar. Das Städtchen Klus wird vom grossen Verkehr befreit.
12 Bilder
Hier das Modell des Projektes...
...und hier die Verkehrsführung wie sie heutzutage geregelt ist.
Das Trassee Nord: Am linken Bildrand beginnt in der Mitte die neue Strecke, führt am Augstbach entlang, vorbei an den Mehrfamilienhäusern und mündet in den neuen Kreisel bei der «Thalstation».
Der Viadukt über Parkplatz, Geleise und Dünnern wird so schlank wie möglich in Stahl und Beton konstruiert.
Das Tunnel-Nordportal mit der Unterführung Lebernweg
Südportal des Tunnels
So soll der Fahrradverkehr geführt werden
Der sanierungsbedürftige Geschiebesammler des Mümliswilerbaches im Gebiet St. Wolfgang wird renaturiert.

In diesem Modell ist die geplante Streckenführung durch die Klus via Viadukt und Tunnel gut erkennbar. Das Städtchen Klus wird vom grossen Verkehr befreit.

zvg

Der Solothurner Kantonsrat hat Mitte Dezember 2020 für das Projekt Verkehrsanbindung Thal einen Kredit von 74 Millionen Franken genehmigt. Der Entscheid fiel mit 63 : 26 Stimmen und zwei Enthaltungen.

Dass das «überholte Luxusprojekt» die Durchfahrt für Lastwagen durch das Gebiet noch attraktiver. mache, kritisierte damals schon die Bürgerinitiative «Läbigi Klus». Nun hat sich daraus ein Komitee gebildet, welches das Referendum gegen den Kantonsratsentscheid ergreift, wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht. Die Bevölkerung soll also die Möglichkeit erhalten, über das «Mammutprojekt» abstimmen zu können.

Bereits sind über 40 Personen dem «Thaler Komitee NEIN zur überrissenen 81-Millionen-Luxusstrasse» beigetreten. Gerechnet wird da mit einer bei Kreditvorlagen üblichen plus oder minus 10 Prozent-Abweichung der Summe.

Gemäss Regierungsrat reduziere eine Umfahrung die Fahrzeit im Feierabendverkehr zwischen Oensingen und Balsthal von 8,5 auf rund 4 Minuten. Wegen 4.5 Minuten wolle der Kanton insgesamt bis zu 81 Millionen Franken für eine neue Umfahrungsstrasse inklusive Tunnel und Viadukt bezahlen. «Das sind auf alle Einwohnerinnen und Einwohner im Thal gerechnet über 5'000 Franken pro Person», rechnet das Komitee aus. Es ist überzeugt, «dass ein solcher Betrag für die Thaler Bevölkerung und Wirtschaft wesentlich wirksamer und zielführender investiert werden kann».

Steuererhöhung und Mehrverkehr für die Gemeinde Balsthal

Auch das Zentrum von Balsthal leide unter viel Verkehr. «Doch daran ändert sich mit der Umfahrung nichts – im Gegenteil», schreibt das Komitee weiter. «Durch die Öffnung des Nadelöhrs Klus muss sogar mit mehr Verkehr und damit mit mehr Lärm und Abgasen gerechnet werden», wird Fabian Müller, Alt-Kantonsrat und Mitglied des Referendumskomitees zitiert. Er hat schon mit der Bürgerinitiative «Läbigi Klus» gegen die Umfahrung gekämpft. Dass Balsthal über 6 Millionen Franken beisteuern soll, wäre ohne Steuererhöhungen kaum machbar, sagt Müller.

Zudem würde das bestehende Guntenfluh- und Neumattquartier massiv belastet. «Rund 150 Bewohnerinnen und Bewohner müssen mit viel mehr Lärm und Luftschadstoffen rechnen», schreibt das Komitee weiter. Einige Wohnhäuser würden sogar abgerissen. Trotzdem würde die Lebensqualität im Städtchen Klus nicht wie gewünscht steigen. Denn auch mit der neuen Strasse würden gemäss Kanton weiterhin rund 5000 Fahrzeuge pro Tag auf der bisherigen Strasse durch die Klus fahren. «Die Gemeinde Balsthal wäre also beim Bau der Umfahrung Klus die mehrfache Verliererin.»

«Zusätzliche Belastung des Thals»

Das ganze Thal werde unter der «unsinnigen Umfahrungsstrasse» leiden, heisst es von Seiten des Komitees. Mit der Kapazitätserweiterung sei eine verstärkte Zunahme des LKW-Transitverkehrs zu befürchten. «Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung des Thals», gibt Fabian Müller zu bedenken. Die Folge davon seien mehr Lärm, schlechtere Luft und weniger Lebensqualität.

In den Dörfern werde der Schulweg über die Hauptstrasse noch gefährlicher, wird prophezeit. Zudem würde die Umfahrungsstrasse mitten durch den Naturpark Thal zu stehen kommen. «Dies kann nicht im Interesse der Region und der Thaler Bevölkerung sein», so das Komitee.