Kunst

Galerie Rössli - Gegensätze, die sich anziehen

Ausstellung Galerie Rössli Verena Baumann Pavel Schmidt

Ausstellung Galerie Rössli Verena Baumann Pavel Schmidt

In der Galerie Rössli stellen Verena Baumann und Pavel Schmidt zum ersten Mal gemeinsam aus.

Hier sind zwei Kunstschaffende mit Arbeiten vereint, die man sich zusammen nie hat vorstellen können. Zu gross der Unterschied der Bildideen und erzählerischen Mittel, zu gegensätzlich ihre künstlerische Haltung. Aber: Gegensätze ziehen sich ja bekanntermassen an. Zudem hat sich Ueli Diener eine Ausstellung mit explizit diesen beiden Kunstschaffenden zum Abschied gewünscht, wenn er nach über 20 Jahren als engagierter und unermüdlicher Teamleiter der Galerie Rössli eine intensive Ära beendet. Und Kathrin Diener ist es wieder mit bewährter Hand gelungen, diese doch eher konträren Werke zu einem in sich geschlossenen Dialog zusammenzubringen. So brechen die kleinen farbigen anekdotischen Bildmomente Verena Baumanns mit subtiler Farb- und Bildironie beinahe ungezwungen die Radikalität der meist schwarz skizzierten Tuschezeichnungen Pavel Schmidts wieder auf.

Stillleben neu interpretiert

Verena Baumann aus Biberist bleibt sich mit ihren malerischen Stimmungen treu, auch wenn sie immer neue Themen und Absichten weiterentwickelt. Farben, Licht und Kompositionen des Alltägliches verwandeln sich in neue Beziehungen und Stimmungen. Jetzt ist es das klassische Stillleben, dessen traditionelle Sujets sie neu zitiert, dabei das Vertraute und Eindeutige in den fein austarierten Farbkompositionen in mehrdeutige Metaebenen verschiebt. Dazu bricht Verena Baumann mit der Tradition des Stilllebens, um sich gleichzeitig doch anzulehnen. Sie malt Gegenstände, die sie sammelt oder auf Flohmärkten zusammenträgt, in schöner Farb- und klarer Formgebung. Als zentralen Aspekt stellt sie Gläsernes in verschiedenen Formen und Stilrichtungen vor dekorativ gemusterten, ins räumliche verzerrte Textilien. Getrocknete Gräser, Stoffliches, Deko-Objekte und immer wieder die leuchtend gelbe Zitrone als allegorischer Farbfleck, wie als süffisantes Zitat eines ursprünglich vertrauten Stilllebenmotivs.
Harmonisch und unaufgeregt zeigt sie die Einzigartigkeit ihrer Sicht der Dinge, ihre Wahrnehmung und offenbart zugleich, dass dies eine Subjektive ist und dass nicht alles auf einer einzigen Wahrheit beruht. Denn die Transparenz der gläsernen Objekte verweist im malerischen Kontext – sinnbildlich wie visuell – auf die bildnerische Verzerrung des realen Blicks als eine gekrümmte räumliche Dimension.

Körperhafte Fragmente

Auch Pavel Schmidt ist in der Region kein Unbekannter. Kürzlich erst zeigte er opulente Installationen und allegorisch anmutende Zeichnungen im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn. Hier nun ist er mit markant wie auch filigran vernetzten schwarzen Zeichnungen vertreten, grosszügig bis leger und spontan mit verschiedenen Hilfsmitteln und Chinatusche skizziert. Und wie oft bei Pavel Schmidt finden auch hier Zitate das Bild als Sprachspielereien in Deutsch und Französisch, die – wie bei Verena Baumann – mit den unterschiedlichen Wortgeschlechtern beider Sprachen das Ambivalente im Gleichen suggerieren und doch alles offenlassen.

Das Zeichnerische und die zeichenhaften Figurationen wirken abstrahiert, informell und zwanglos, beinahe wie Filmsequenzen aufgereiht. Doch es offenbaren sich bald einmal gestisch lebhafte Variationen körperhafter Fragmente und körperartiger Haltungen und Posen. Manches scheint kryptisch, gerne auch ein wenig provokativ, anderes wiederum recht offensichtlich, ja pikant, ob als verdichtete Bewegung oder sich im gestischen Geflecht auflösend. Selten sinnlich, aber immer frei interpretierbar im dialogischen Wechsel mit Baumanns Stillleben. In den vier Gemeinschaftsarbeiten im Schaufenster verschmelzen auf wundersame Weise beide zeichnerischen Handschriften.

Bis 31. März. Offen: Do + Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr. Verena Baumann ist am 29./30. und 31. März anwesend, Pavel Schmidt am 16./24. und 31. März.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1