Am Wirtschaftsstandort Egerkingen weht definitiv ein globaler Wind. Mit der Übernahme der traditionsreichen Spirig Pharma durch den Milliardenkonzern Galderma ist das drittgrösste schweizerische Pharmaunternehmen entstanden. Gestern wurde am Standort im Gäu der offizielle Markteintritt der neuen Galderma Spirig gefeiert.

Dabei herrschte nach der Bekanntgabe der Übernahme im Dezember 2012 zuerst Verunsicherung über die Zukunft des Standortes und der Arbeitsplätze. Schon einige Monate später gab es aber Entwarnung. «Der Standort Egerkingen wird durch die Übernahme gestärkt», versicherte Standort- und Werksleiter Beat Sägesser gegenüber dieser Zeitung.

Neue Absatzkanäle für Daylong und Co.

Gestern doppelte Humberto Antunes, Verwaltungsratspräsident und CEO der Galderma, nach und sprach von einer Win-Win-Situation. «Galderma profitiert vom Wissen von Spirig im Retail- und im Selbstmedikationsgeschäft. Gleichzeitig erhalten die Spirig-Produkte wie Daylong dank der globalen Präsenz von Galderma neue Marktchancen weltweit.»

So hätten erste Spirig-Produkte bereits den Weg auf den australischen Markt gefunden. Weitere würden folgen. Für ihn ist deshalb klar: «Der Kauf von Spirig durch Galderma ist eine Hochzeit und keine Übernahme.» Es sei ein Bekenntnis zum Pharmastandort Schweiz.

Umsatz mehr als verdoppeln

Was die neuen Absatzkanäle bedeuten, erläuterte Sägesser am Rande der Veranstaltung. «Der budgetierte Absatz der Daylong-Produkte wurde für 2014 um 50 Prozent erhöht.» Das neu formierte Unternehmen verfolge «ambitionierte Ziele», ergänzte Marc Wannhoff, General Manager Schweiz von Galderma Spirig.

Der Standort Egerkingen soll als Schweizer Hauptsitz, Vertriebsgesellschaft und Produktionswerk von Galderma in allen drei Geschäftsbereichen - verschreibungspflichtige Medikamente, Selbstmedikation und Produkte für ästhetische und korrigierende Medizin - «kräftig wachsen».

«Unser Ziel ist es, den heutigen Umsatz auf dem Schweizer Markt von aktuell 40 Millionen Franken innert drei Jahren auf 100 Millionen Franken mehr als zu verdoppeln.» Das wirkt sich positiv auf die Beschäftigung aus. «Ende Jahr werden wir 280 Angestellte beschäftigen. 42 mehr als vor der Übernahme», blickt Wannhoff nach vorne.

Gassler: «Ein erfreulicher Gegentrend»

Dementsprechend erfreut äusserte sich Frau Landammann Esther Gassler am Anlass: «Der Kanton freut sich sehr über das klare Bekenntnis von Galderma Spirig zum Standort Egerkingen. In Zeiten, wo viele Firmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, ist das ein erfreulicher Gegentrend», erklärte die Volkswirtschaftsdirektorin in ihrer Kurzansprache.

Offensichtlich habe Galderma mit Spirig den «Traumprinzen« gefunden. Durch den Zusammenschluss sei ein starker Marktführer im Bereich der Dermatologie entstanden. Die Arbeitsplätze blieben erhalten, ja gar neue würden geschaffen und auch das Know-How bliebe erhalten.

Schweizer Hauptsitz in Egerkingen

Von Egerkingen aus führt das neue Unternehmen den gesamten Vertrieb aller Galderma-Spirig-Produkte. Die Produktion der angestammten Spirig-Produkte wie das Sonnenschutzmittel Daylong sowie Excipial für die Behandlung trockener Haut wird ausgebaut. Künftig sollen auch Galderma-Produkte im Gäu hergestellt werden.

Zusätzlich baute Galderma ein weltweites Kompetenzzentrum für den Bereich «Self medication», also für rezeptfreie Produkte, auf. Das Zentrum umfasse Spezialisten für das Marketing, für Forschung und Entwicklung sowie für Fragen rund um gesetzliche Verordnungen. Insgesamt arbeiten aktuell 251 Angestellte in Egerkingen, davon etwa 150 in der Produktion.