Im Herbst 2017 gestaltete die Künstlergruppe Kunstbalkon aus dem deutschen Kassel eine sehenswerte Ausstellung in der Alten Kirche Härkingen. Diesen Sommer war nun der Gegenbesuch in Kassel angesagt. Judith Nussbaumer, Sabina Schwaar, Kurt Baumann und Martin Heim konnten die Räume der experimentellen Galerie desu:d in Beschlag nehmen.

Die Vorbereitungen dazu begannen bereits vor einem Jahr mit einem Besuch der Documenta, der weltweit wohl bedeutendsten Schau für Gegenwartskunst. Die Documenta war denn auch Ausgangspunkt und Einstieg für die Ausstellung in Kassel. Das Grundkonzept, sich eine Woche lang von der Stadt inspirieren zu lassen und die daraus entstandenen Ideen an Ort und Stelle umzusetzen, konnte vollumfänglich realisiert werden.

Ideale Arbeitsbedingungen fand die Künstlergruppe in den Räumen der Galerie sowie in der benachbarten Kunstwerkstatt vor. Zudem entpuppten sich die Mitglieder des Kunstbalkons als hervorragende Gastgeber, die abends für das leibliche Wohl sorgten, aber auch sonst unterstützend wirkten.

Künstler bei der Arbeit

Mehrmals wurden am Ende des Arbeitstages die Räume der Galerie geöffnet, um so dem interessierten Publikum einen Einblick in den künstlerischen Prozess der Gäuer Künstler zu gewähren. Die Lokalpresse unterstützte das Vorhaben und publizierte die entsprechenden Hinweise.

Am Freitag, 13. Juli, wurde dann zur Vernissage geladen, die von einer Vielzahl von Gästen besucht wurde. Judith Nussbaumer zeigte unter anderem eine Installation aus Fotografie, einem blau bemalten Ast und einem Spiegel mit verwirrenden räumlichen Wirkungen. Die Inspiration dazu erhielt sie auf einem Spaziergang durch den Kasseler Bergpark.

Josef Beuys hatte vor Jahrzehnten die Stadt Kassel mit 7000 Eichen beschenkt. Sabina Schwaar befasste sich, davon inspiriert, mit Beuys-Eichenblättern. Ihr Hauptwerk zeigte zerfallende herbstliche Blätter, durch unterlegte Rottöne in eine neue Wirklichkeit gehoben. Kurt Baumanns Installation aus Bleiplättchen nimmt Abdrücke auf, die er auf seinen Stadtrundgängen anfertigte. So entstand ein eindrückliches, filigranes Relief-Vlies. In Gips eingearbeitet Fundgegenstände nehmen Bezug auf den Kasseler Alltag.

Ausgangspunkt der Farbzeichnungen von Martin Heim ist die an der Documenta verhüllte Torwache. In einer Skizze fliegen die Jutesäcke wie Geister. Und die übrigen Zeichnungen zeigen sein Thema: Gespenstisch anmutet die gegenwärtige Entwicklung der Welt.
Die Ausstellungen in Kassel und zuvor in Härkingen waren für die beteiligten Kunstschaffenden ein auf allen Ebenen bereichernder, gelungener Austausch mit Fortsetzungspotenzial. (mhn)