Im Training

Fussball als Integrationshilfe: Fünf Asylsuchende spielen beim FC Oensingen

Die fussballspielenden Flüchtlinge des FC Oensingen: (von links) Ecbali Aziz Ullah, Moben Mosawi, Ahmad Jawid, Ahmadi Mahdi, Alireza Karimi, Hydari Mohammad Baqer.

Die fussballspielenden Flüchtlinge des FC Oensingen: (von links) Ecbali Aziz Ullah, Moben Mosawi, Ahmad Jawid, Ahmadi Mahdi, Alireza Karimi, Hydari Mohammad Baqer.

Fünf junge Flüchtlinge spielen seit einigen Wochen beim FC Oensingen, einer von ihnen sogar in der 1. Mannschaft.

Es ist ein Novum für den FC Oensingen: Seit einigen Wochen spielen fünf junge Afghanen im Verein. Sie heissen Alireza Karimi, Ahmad Jawid, Moben Mosawi, Hydari Mohammad Baqer und Ahmadi Mahdi. Sind 16, 17, 18, 21 und 22 Jahre alt. Ihr Status: Asylsuchende mit N-Ausweis.

Gleich in die 1. Mannschaft

«Wir hatten vorher nie Flüchtlinge im Klub», sagt Ernst Frei, Trainer der 1. Mannschaft. FC-Präsident Thanh Dao relativiert: «Doch, letztes Jahr. Drei Eritreer, aber sie kamen nur zwei- bis dreimal ins Training.» Einer der jungen Afghanen, der 17-jährige Ahmad Jawid, schaffte es quasi auf Anhieb in die 1. Mannschaft des Klubs, welche im letzten Jahr den Aufstieg in die 3. Liga schaffte. «Ich sah ihn vor etwa fünf Wochen in der 2. Mannschaft zum ersten Mal spielen, er war neu im Klub. Ich holte ihn dann zu mir in die 1. Mannschaft, er ist sehr talentiert», sagt Ernst Frei.

Auch die anderen vier würden gerne in der 1. Mannschaft spielen, wie sie sagen. «Sie sind deshalb ein bisschen böse auf mich», lacht Ernst Frei. «Ganz flotte ‹Kerlis›. Aber das Niveau reicht halt noch nicht.» Ahmad Jawid habe bereits in Afghanistan Meisterschaften gespielt, wie Frei erzählt. Für ihn und den 16-jährigen Alireza Kalimi, die gemeinsam wohnen und gleichzeitig in den Klub eintraten, habe der FC Oensingen vor einigen Wochen beim Schweizerischen Fussballverband in Bern Spielerpässe beantragt. Damit die beiden auch an der Meisterschaft teilnehmen können. «Die sollten schon längst hier sein. Ich weiss auch nicht, was los ist», so Frei. Der Verein werde in Bern anrufen und nachfragen.

Tragische Geschichte

Als Trainer der 1. Mannschaft hat Frei, was die jungen Afghanen betrifft, hauptsächlich mit Ahmad Jawid zu tun. Und diesen scheint er unter die Fittiche genommen zu haben. «Er taut langsam auf. Es brauchte Zeit, um das Vertrauen aufzubauen. Aber jetzt ist so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung entstanden», sagt der 67-Jährige. Gemeinsam mit Freund Alireza sei der junge Afghane ohne Eltern in die Schweiz geflüchtet, erzählt Frei. Eine tragische Geschichte, die ihn sehr berührt habe, sagt der Trainer. Er möchte jedoch nicht weiter ins Detail gehen.

Der Verbleib der jungen Afghanen im FC ist Frei zur «Herzensangelegenheit» geworden. «Wenn ich helfen kann, ist das für mich keine Frage. Ich werde mich total einsetzen für sie», sagt Frei. Und FC-Präsident Thanh Dao doppelt nach: «Ich kam 1979 selber als Flüchtling aus Vietnam in die Schweiz. Ich möchte auch anderen Flüchtlingen zeigen, dass sie etwas bewegen können.» Dennoch ist die Situation für den FC Oensingen neu. Der FC könne zwar noch weitere Flüchtlinge aufnehmen. «Aber nicht 15 bis 20, die Teams würden sonst zu gross», wie Frei sagt. Dao ergänzt: «Sie zahlen keine Jahresbeiträge. Wenn viele kämen, müssten wir uns natürlich Gedanken machen.» Die Angelegenheit sei im Verein noch nicht diskutiert worden. Dies werde nun, nach den Ferien, bald geschehen. Bisher sei allerdings alles sehr gut gegangen, so Frei.

Than Dao, der während der Ferien aushilfsweise die 2. Mannschaft trainierte, bemerkt: «Sie kommen gerne, und sie sind gut integriert im Team.» Und die jungen Männer sagen selbst: Es gefalle ihnen im Klub, alle seien sehr freundlich. «Das Training ist gut, und ich habe Kontakt mit den Leuten im Klub», meint der zurückhaltende Ahmad. Und der etwas forschere Alireza erklärt: «Ich habe im FC Freunde gefunden.»

Vielleicht schon bald einer mehr

Die beiden jüngeren der fünf Asylsuchenden, Alireza und Ahmad, wohnen gemeinsam mit zwei weiteren Afghanen in einer Wohnung in Oensingen. Unter der Woche besuchen sie die Schule in Zuchwil, wo sie unter anderem Deutsch lernen. Beide können sich bereits auf Hochdeutsch verständigen. Die drei Älteren wohnen seit Ende Juli ebenfalls in einer Asylunterkunft in Oensingen. Sie haben erst an drei der zweimal wöchentlich stattfindenden Trainings teilgenommen.

Die Asylbetreuerin der Gemeinde Oensingen zeigte ihnen auf einem Rundgang durchs Dorf den Fussballplatz. Die jungen Männer machten dann selbst ausfindig, wann die Trainings stattfinden. Ihr Deutsch ist noch rudimentär. Zum Fototermin haben sie einen afghanischen Freund mitgebracht, der sich mittels Youtube-Videos selbst Deutsch beigebracht hat. Er heisst Ecbali Aziz Ullah, ist 19, – und auch er möchte gerne Fussball spielen.

Meistgesehen

Artboard 1