Zibelimäret
Fürs grüne Gewissen: «Ich denke, dass das neue Abfallkonzept funktionieren wird»

Am 49. Zibelimäret werden erstmals Mehrwegbecher anstatt jener aus Plastik verwendet – der Schritt ist nicht ganz unumstritten.

Rahel Bühler
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Daniela Hunkeler vom Judo-Club Oensingen präsentiert die neuen Mehrwegbecher. Patrick Lüthy

Daniela Hunkeler vom Judo-Club Oensingen präsentiert die neuen Mehrwegbecher. Patrick Lüthy

PATRICK LUETHY

In hohen Bergen neben Kaffeemaschinen, Bierfässern und grossen Behältern mit heissem Wasser türmen sie sich: die Mehrwegbecher. Für alle möglichen Getränke gibt es sie: Bier, Kaffee fertig, Tee, Cola.

Für die diesjährige 49. Auflage des Oensinger Zibelimärets eingeführt wurden sie, um die Abfallberge zu verringern, die vor allem aus Plastik bestanden. Für jeden Becher wird eine Depotgebühr von zwei Franken verrechnet, die bei der Rückgabe des Bechers zurückerstattet wird.

Jetons als Depot

So läuft es am Stand des Judo-Clubs Oensingen, wo die Mehrwegbecher für Bier und Kaffee Luz gebraucht werden. «Ich denke schon, dass das neue Abfallkonzept funktionieren wird», zeigt sich Daniela Hunkeler überzeugt. «Für uns ist bereits jetzt klar, dass wir weniger Abfall haben.»

Die Mädchen am Stand des Jugendspiels Oensingen verkaufen nur PET-Flaschen. «Becher wären zu aufwendig», lautet die Begründung. Auch hier wird das neue Abfallkonzept angewendet: Jeder Kunde kriegt zusätzlich zur Flasche Cola oder Eistee einen kleinen blauen Jeton im Wert von zwei Franken. Dieser muss bei der Rückgabe der Flasche ebenfalls wieder abgegeben werden, sonst gibts den Zweifränkler nicht zurück.

Auch am Stand der Oensinger Guggenmusik Bächburgschränzer finden sie Verwendung, die Mehrwegbecher. «Zu sagen, wie es läuft, ist schwierig, so ohne Erfahrungswert», meint André Hug etwas zurückhaltend. Sein Kollege nickt und fügt an: «Wie das Ganze abgerechnet werden soll, sehen wir dann.»

«Brauchen Becher nicht»

Flächendeckend sollen die Mehrwegbecher zum Einsatz kommen. Dem ist aber nicht so, Zelte bilden die Ausnahme: «Wir haben eigenes Geschirr, das wir selber abwaschen. Dieses verlässt das Zelt nicht. Deshalb brauchen wir die Becher nicht», erklärt etwa Hans Abegger von der Musikgesellschaft Oensingen.

Ähnlich tönt es auch aus dem Zelt der Stampfeli-Zunft: «Wir verwenden unser eigenes Geschirr und waschen es selbst ab. Da der Bierlieferant in diesem Jahr keine Humpen bringen konnte, verwenden wir dafür Mehrwegbecher», erklärt Claudio Giorgi. Fan vom neuen Abfallkonzept ist er gar nicht: «Wir zahlen erstens Standgebühren, wo bereits Abfallgebühren enthalten sind, zweitens die gelben Oensinger Abfallsäcke, und jetzt neu noch die Entsorgung der Mehrwegbecher. Das dünkt mich etwas sonderbar.» Ebenfalls unglücklich ist er über die Kommunikation: «Nach einem Probelauf, von dem wir nichts wussten, wurden wir im vergangenen Frühling vor vollendete Tatsachen gestellt», erzählt Giorgi. «Selber abwaschen dürfen wir die Becher nicht», das würde Flecken geben, habe man ihnen gesagt. Ausserdem würden die Becher stinken, betont Claudio Giorgi. Sabrina Giorgi, die Präsidentin der Stampfeli-Zunft, hält das Ganze für ökologischen Nonsens: «Man will grün sein und bezieht die Mehrwegbecher von einer Firma aus dem Kanton St. Gallen.» Auch Brigitte Schwarzenbach vom Fischereiverein Thal-Gäu ist nicht zufrieden mit dem Abfallkonzept: «Ich sehe nicht ein, warum wir diese Becher verwenden sollten, wenn wir doch selber Geschirr haben.»

Für die Jubiläumsausgabe vom nächsten Jahr ist geplant, auch Mehrwegbesteck und -geschirr für den Zibelimäret zu verwenden. «Mehrweggeschirr ist eine gute Idee für die Zukunft, man muss aber abklären, wo es Sinn macht», resümiert Sabrina Giorgi.