Amtsgericht Thal-Gäu
Für Kriminaltouristen solls Strafe mit Signalwirkung geben

Eine Mazedonierin und ein Serbe liessen bei einem Einbruch in Oberbuchsiten Beute im Wert von 12'000 Franken mitgehen. Jetzt mussten sich die Kriminaltouristen vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert unüblich hohe Strafen.

Erwin von arb
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Einbrecher sind nicht selten auch bei Tageslicht unterwegs.

Einbrecher sind nicht selten auch bei Tageslicht unterwegs.

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Eine 28-jährige Mazedonierin und ein 48-jähriger Serbe mit Roma-Wurzeln mussten sich am Donnerstag vor Amtsgericht Thal-Gäu für einen am 1. April verübten Einbruch in ein Einfamilienhaus in Oberbuchsiten verantworten.

Dass es bei den beiden Angeklagten um sogenannte Kriminaltouristen handelt, machte der von Amtsgerichtspräsident Guido Walser via Dolmetscher befragte Serbe klar: «Ich bin in die Schweiz gereist, um zu Geld zu kommen», meinte er ohne Umschweife. Kennen gelernt habe er seine Mittäterin in Deutschland über deren Neffe. Dort hätten sie auch Pläne geschmiedet für den Einbruch in der Schweiz. Das Haus hätten sie rein zufällig ausgewählt.

Am Vormittag unterwegs

Die junge Mazedonierin betätigte die Aussagen des Mannes. Auch sie habe kein Geld gehabt und mit dem Einbruch zu solchem kommen wollen. Die 28-Jährige bildete beim zwischen 8 und 10.15 Uhr morgens verübten Einbruch quasi die Vorhut, indem sie an der Türe klingelte, um sicherzustellen, dass niemand zu Hause war.

Als die Luft rein schien, benachrichtige sie mittels Handy den Mitangeklagten sowie ihren ebenfalls am Einbruch beteiligten minderjährigen Neffen. Während sich die zwei Männer gewaltsam über den Wintergarten Zugang ins Haus verschafften, stand die Frau draussen Schmiere.

Die Einbrecher packten ein, was ihnen wertvoll oder sonst nützlich erschien. Zur Beute gehörten zwei Damenhosen, eine Damenjacke, eine Bluse, drei Herrenhemden, ein Paar Socken, ein Schirm, eine Herrenjacke und zwei Ohrstecker sowie eine Halskette.

Dazu kam der Inhalt eines Kleintresors, den die Einbrecher aus der Bodenverankerung im Vorratsraum herausbrachen. Im Safe befanden sich acht Goldvreneli, sechs Silbermünzen, zwei Eheringe, ein Goldbarren, eine Taschenuhr, knapp 1000 Euro und 150 Franken Bargeld sowie Reka-Checks im Wert von 400 Franken. Der angerichtete Sachschaden im Haus wird mit 1500 Franken beziffert.

In Neuendorf verhaftet

Die Freude des Trios an der auf rund 12 000 Franken geschätzten Beute währte allerdings nicht lange. Kurz nachdem die Mazedonierin ihre zwei Einbrecherkollegen mit einem Fiat Punto vor dem Haus samt Beute abgeholt und das Weite gesucht hatte, wurde das Auto mit deutschen Kennzeichen von der Polizei in Neuendorf angehalten. Dabei konnte die gesamte Beute sichergestellt werden.

Der 48-jährige Serbe wurde danach in Polizeigewahrsam genommen und befindet sich seit 16. Juni im vorzeitigen Strafvollzug im Untersuchungsgefängnis in Solothurn. Ebenfalls dem vorzeitigen Strafvollzug zugeführt wurde die junge Mazedonierin. Sie befindet sich derzeit in der Strafanstalt Hindelbank in Kanton Bern. Dort hat sie in der Zwischenzeit eine Tochter zur Welt gebracht.

«Eine Wiederholungstäterin»

Für Staatsanwältin Petra Grogg ist das allerdings kein Grund, um die Frau mit Samthandschuhen anzufassen. In Hindelbank gebe es für solche Fälle eine Mutter-Kind-Abteilung. Grogg beschrieb die Angeklagte als uneinsichtige Wiederholungstäterin. Sie sei trotz Einreisesperre mehrfach vorsätzlich in die Schweiz gereist und deshalb auch verhaftet worden. Dazu komme eine Verurteilung im Kanton Zug im Januar dieses Jahres für das selbe Vergehen wie in Oberbuchsiten.

Der Einbruch in das Einfamilienhaus im Gäu habe die Grenze eines mittelschweren Vergehens überschritten, wie Grogg weiter ausführte. Als Hauptgrund erwähnte die Staatsanwältin den schweren Eingriff in die Privatsphäre von Menschen in ihrem eigenen Haus. Dies könne bei Betroffenen dazu führen, dass sich diese in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlten.

Um zu verhindern, dass die Angeklagte nicht schon in kurzer Zeit wieder in der Schweiz als Kriminaltouristein unterwegs sei, müsse der jüngsten Praxis des Bundesgerichts folgend eine Strafe mit Signalwirkung ausgesprochen werden. Als angemessen befand die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 31 Monaten wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, rechtswidriger Einreise und rechtswidrigem Aufenthalt und wegen Führen eines Fahrzeugs ohne Führerausweis.

Hohe kriminelle Energie

Für den Serben beantragte Grogg wegen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch eine unbedingte Haftstrafe von 28 Monaten. Auch ihn bezeichnete sie als unverbesserlich, mit dem Verweis, dass der Mann einschlägig vorbestraft sei und wohl auch in Zukunft als Kriminaltourist aktiv sein werde. Dem Mann wie auch der Frau attestierte Grogg eine hohe kriminelle Energie.

Rechtsanwalt Daniel Gehrig erachtete das hohe Strafmass für seinen Mandanten als unangemessen hoch. Der amtliche Verteidiger sprach dabei gar von Willkür. Üblich sei in solchen Fällen bisher gewesen: Strafbefehl mit Geldstrafe und anschliessende Abschiebung. Er warnte: Gefängnisse würden für eine solche Praxisänderung nicht ausreichen. Gehrig verlangte, das Strafmass auf eine vertretbare Höhe zu reduzieren.

Auch die amtliche Verteidigerin der angeklagten Frau sah den Sinn einer solchen hohen Bestrafung nicht ein. Sie beantragte deren umgehende Freilassung. Der minderjährige Neffe wurde übrigens der Jugendanwaltschaft übergeben.

Das Urteil wird heute Freitag eröffnet.

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