Thal
Für die Wahlen ist Klinken putzen notwendig

Die Gemeinden Holderbank, Aedermannsdorf und Herbetswil müssen kreativ werden, wollen sie alle ihre Ämter besetzen.

Philipp Felber
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Herbetswil (im Vordergrund) und Aedermannsdorf (etwas oberhalb) müssen aktiv werden, um alle Gemeindeposten zu besetzen. Bruno Kissling/Archiv

Herbetswil (im Vordergrund) und Aedermannsdorf (etwas oberhalb) müssen aktiv werden, um alle Gemeindeposten zu besetzen. Bruno Kissling/Archiv

Bruno Kissling

Kleine Gemeinden haben es nicht leicht, eine Binsenwahrheit in der Tat. Aber gerade auf die Wahlen 2017 hin ist die Suche nach Gemeindefunktionären eine nicht zu vernachlässigende Schwierigkeit. Nicht nur für den Gemeinderat, auch für die zahlreichen Kommissionen, die teilweise mit neuem Personal aufgefüllt werden müssen.

Findungskommission auf Suche

Während man im Bezirkshauptort Balsthal Schwierigkeiten hat, einen Nachfolger für den Gemeindepräsidentenposten zu finden, ist dies in den Gemeinden Holderbank, Herbetswil und Aedermannsdorf für die nächste Wahl geregelt.

Diese Gemeinden haben alle um die 600 Einwohner und sind, mit Ausnahme von Gänsbrunnen, die Gemeinden mit den wenigsten Einwohnern im Thal. In Holderbank fühlt sich Urs Hubler, seit 2009 Gemeindepräsident, berufen, noch einmal zur Wahl anzutreten.

Ebenso Nationalrat Stefan Müller, welcher in Herbetswil weitere vier Jahre als Gemeindepräsident amten möchte. Und auch Bruno Born, Gemeindepräsident von Aedermannsdorf, tritt noch mal an. So weit also alles klar in den drei Kleingemeinden?

Mitnichten. So hat etwa der Gemeinderat in Aedermannsdorf gerade beschlossen, dass er eine Findungskommission mit der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für politische Ämter betrauen möchte.

«Viele Leute können sich heute nicht mehr mit politischen Parteien identifizieren», schreibt Bruno Born im aktuellen Infoblatt der Gemeinde. Zusätzlich sei es auf Gemeindeebene nicht nötig, Parteipolitik zu betreiben. Vielmehr stünden die Sachgeschäfte im Vordergrund.

Aus diesen Gründen hat sich der fünfköpfige Gemeinderat dazu entschieden, die Findungskommission ins Leben zu rufen. Zwar seien die Ämter bis heute immer besetzt worden, doch dies solle auch in Zukunft so sein, wie Born auf Anfrage mitteilte.

Der Vorteil von Aedermannsdorf ist, dass nur noch drei Kommissionen existieren. Aber trotzdem sind dafür, neben den gewählten Gemeinderäten, noch elf Einwohnerinnen und Einwohner zu finden. Dazu kommen noch die zahlreichen Posten als Delegierte in regionalen Zusammenkünften wie etwa dem Verein Region Thal.

Persönlich anfragen wichtig

Weit mehr Ressourcen brauchen die Kommissionen in Herbetswil. Dort sind 6 Kommissionen zu bestücken. In Holderbank sind es deren 5. Bei durchschnittlich fünf zu besetzenden Posten eine beträchtliche Anzahl an Einwohnerinnen und Einwohnern, die sich in den Dienst der Gemeinde stellen müssen. Dazu kommt in allen drei Gemeinden noch ein Wahlbüro, welches ebenso Ressourcen braucht.

In Holderbank geht Gemeindepräsident Urs Hubler von einer Vakanz im Gemeinderat aus. Die Kommissionen seien zum Teil während der letzten Legislatur neu besetzt worden, für die neue Legislatur sei Hubler noch kein Abgang bekannt.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Deshalb will der Gemeinderat proaktiv vorgehen und voraussichtlich im Januar eine Infoveranstaltung abhalten. Dort soll über die kommende Legislatur informiert werden.

Dies ist vor allem nötig, weil in Holderbank keine aktiven Parteien mehr die Rekrutierungsarbeiten übernehmen. «Doch wir haben bis jetzt immer wieder geeignete Leute gefunden», sagt Urs Hubler.

Herbetswils Gemeindepräsident Stefan Müller sieht grundsätzliche Probleme beim Finden von möglichen Amtsträgern: «Das ist aber kein Phänomen, welches nur die Gemeinde betrifft. Auch in den Vereinen, in der Kirchgemeinde und in den verschiedensten Chargen vom Friedensrichter bis zum Brunnenmeister braucht es immer wieder Leute, die mithelfen.

Und wenn ein Dorf nur 550 Einwohner hat, ist es logischerweise schwierig, alle diese Leute zu finden.» Die Neuzugezogenen und die Jungbürger bilden die Hauptzielgruppe bei den Leuten, welche in Herbetswil für die Kommissionen angefragt werden.

Denn: «In Herbetswil ist es demografisch bedingt nämlich etwas schwierig, in der mittleren Generation Leute zu finden. Diese Generation ist zahlenmässig einfach enorm schwach», so Stefan Müller. Im Dorf würde der Gemeinderat selber als eine Arte Findungskommission amten.

An der vorletzten Gemeinderatssitzung sei das Thema «Vakanzen Kommissionen» traktandiert worden, damit Einwohnerinnen und Einwohner aufgelistet werden konnten, welche nun angefragt werden sollen.