Ökostrom
Für 20 000 Franken gibt es in Oensingen Solarstrom aus dem Kellerlager

Dank zwei Hightech-Batterien kann Suissetec-Technikleiter Christoph Schaer Ökostrom speichern. Er möchte auch andere zum Ökohausbau bewegen.

Lucien Rahm
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Je 10 000 Franken wert: Christoph Schaer mit seinen beiden Solarstrombatterien.

Je 10 000 Franken wert: Christoph Schaer mit seinen beiden Solarstrombatterien.

Lucien Rahm

Geräte im Wert von 20 000 Franken hat Christoph Schaer im Keller seines Hauses in Oensingen stehen. So viel haben seine zwei Lithium-Ionen-Batterien insgesamt gekostet. «Aber wenn sie nie jemand kauft, kommt der Preis auch nicht runter», begründet Schaer seinen pionierhaften Kaufentscheid.

Zudem gehe es ihm nicht nur ums Geld: «Ich möchte meinen Beitrag zu einer saubereren Umwelt leisten und zeigen, was mit Gebäudetechnik alles dafür getan werden kann.»

Er sei derzeit der Einzige in der Schweiz, der Batterien in dieser Form besitze. Sie sind imstande, mit den angeschlossenen Solarzellen auf Hausdach und Autounterstand zu kommunizieren, um den erzeugten Strom stets dorthin zu leiten, wo er gerade benötigt wird.

Wenn die Energie nicht direkt im Haushalt Verwendung findet, speichert sie die Anlage somit in den beiden 10-kWh-Batterien, die bei späterem Bedarf jederzeit angezapft werden können.

«So können wir uns auch während geringer Stromerzeugung weitgehend eigenversorgen.» Ein weiterer Vorteil sei, dass das Stromnetz somit weniger belastet werde, da er den selbstproduzierten Stromüberschuss nicht gleich einspeise, sondern zunächst in seine beiden Batterien leite.

«Erst wenn diese voll sind, geben wir unseren Überschuss ans allgemeine Stromnetz ab.» Von den 20 000 Kilowattstunden, die er jährlich mit seiner Anlage produziert, würden so 10'000–12'000 Kilowattstunden ins Netz fliessen.

Dafür werde er vom zuständigen Energiewerk AEK mit etwa 10 Rappen pro kWh entschädigt. «Die Produktion einer Kilowattstunde kostet mich aber rund 20 Rappen.» Um diesen Produktionspreis dennoch erreichen zu können, verkauft Schaer den Mehrwert seiner sauberen Energie künftig über eine Internetbörse.

Wärme aus 260 Metern Tiefe

Auch den Rest des Hauses haben Schaer und seine Frau umweltfreundlich umgerüstet: Sämtliche Lampen liefern LED-Licht und ein Teil der Heizwärme kommt aus rund 260 Metern Tiefe.

«Wir mussten sowieso einige Sanierungen vornehmen», sagt Schaer, der bei der Umrüstung seines Hauses vom eigenen Fachwissen profitieren konnte. Seit sieben Jahren ist der gelernte Elektriker und studierte Wirtschaftsingenieur als technischer Leiter beim Gebäudetechnikverband Suissetec tätig.

Statt die alte Ölheizung durch eine neue zu ersetzen, habe er die Umbaugelegenheit unter anderem dazu genutzt, eine umweltfreundliche Erdsonde installieren zu lassen. «In 260 Metern Tiefe herrscht das ganze Jahr über eine Temperatur von 16–17 °C.» Diesen Umstand macht er sich nun zunutze.

Die Erdwärme wird durch eine elektrisch betriebene Wärmepumpe in seinen Keller befördert und auf eine höhere Temperatur hochkomprimiert. Die resultierende Wärme dient zur Warmwasseraufbereitung und Raumbeheizung.

Das Ehepaar hatte Glück, sich mit seinem Haus auf dafür geeignetem Grund zu befinden, denn «für eine Erdwärmenutzung muss die Geologie stimmen», erklärt Schaer. Ob das eigene Grundstück eine Erdwärmesonde erlaubt, kann auf der Website des Kantons anhand einer Geothermiekarte abgeklärt werden.

Starthilfe durch den Kanton

Mit seinem Ökohaus möchte Christoph Schaer andere Hausbesitzer dazu ermuntern, es ihm gleichzutun. Gewisse Mindeststandards seien bei einer Sanierung sowieso bereits heute zwingend zu berücksichtigen.

Auch sieht er für in der Gebäudetechnik tätige Firmen grosse Chancen in der umweltfreundlichen Umrüstung. «Ich kann nicht verstehen, wie man da als Unternehmer nicht dafür sein kann», sagt Schaer, der sich mit seinem Verband Suissetec für die Energiestrategie 2050 des Bundes starkmacht. Er selbst habe für den Umbau seines Hauses mehrere lokale Unternehmen berücksichtigt.

Zudem erhöhe sich die Versorgungssicherheit, wenn jeder Hausbesitzer sein eigener Stromproduzent sei und nicht alle von der gleichen Quelle abhingen. Zwar seien je nachdem hohe Investitionen nötig, die einige vielleicht abschrecken würden.

«Nach einigen Jahren sind diese aber oftmals amortisiert.» Ausserdem kann beim Kanton für gewisse Sanierungsmassnahmen eine einmalige finanzielle Unterstützung angefordert werden. Und nicht zuletzt tue man mit einem derartigen Umbau etwas für die Umwelt.

Hier geht es zur Geothermiekarte...

...und hier zum Förderprogramm

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