Nachhilfe

«Fünf Wochen Ferien sind sehr viel» – Kurse für Schüler sollen Start erleichtern

Silvia Stettler, Präsidentin Aaregäuer Nachhilfe

Silvia Stettler, Präsidentin Aaregäuer Nachhilfe

Erstmals bietet der Verein Aaregäuer Nachhilfe einen Sommerkurs für Schulkinder an. Ein Angebot, das den Schulstart erleichtern soll.

Der Verein Aaregäuer Nachhilfe führt erstmals einen Sommerkurs durch. Weshalb?

Silvia Stettler: Wir haben auf das Bedürfnis der Eltern hin reagiert. Viele sagten uns, sie würden gerne ihre Kinder in Sommer-Intensivkurse schicken. Nun bieten wir diese Kurse an, um Schulkindern den Start ins neue Schuljahr zu erleichtern. Fünf Wochen sind eine lange Ferienzeit. Vor allem auf Primarschulstufe ist es ein Problem, wenn die Kinder so lange nichts mehr machen.

Wie ist das Echo im ersten Jahr ausgefallen?

Wir lancierten die Kursausschreibung, hatten vorerst aber sehr wenige Anmeldungen und waren darob etwas überrascht. Insgesamt haben sich nun doch gut 40 Schulkinder für unsere Kurse eingeschrieben. Wir haben gemerkt, dass es teilweise die Kinder waren, die Schulunterricht vor allem in Französisch wenig reizvoll fanden. Es waren die Eltern, die hier Überzeugungsarbeit leisten mussten. Zum Beispiel, wollte eine Mutter ihre Tochter überzeugen, neben dem Französischkurs der 6. Klasse auch gleich jenen der 1. Sek zu besuchen. Die Tochter sagte, sie wolle Bedenkzeit, nahm dann vermutlich nach gutem Zureden am Folgetag auch am zweiten Kurs teil.

Gab es weitere Gründe für die geringe Zahl der Anmeldungen?

Wir bieten keine Betreuung über die Mittagszeit. Verpflegung und Betreuung müssen also die Eltern sicherstellen. Wir haben gemerkt, dass ein grosses Bedürfnis nach Tagesstruktur besteht. Für diesen Preis konnten wir dies nicht bieten. Wenn wir im nächsten Jahr wieder Sommer-Kurse anbieten, müssten wir diese anders gestalten und auch die Mittagszeit abdecken.

Sie bieten den Sommer-Kurs für Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse und der 1. Sekundarstufe an. Weshalb diese Eingrenzung?

Wir haben uns versuchsweise für diese Stufe entschieden. Für jüngere Schulkinder wäre der Betreuungsaufwand zu gross. Der Kurs müsste ganz anders gestaltet sein. Jetzt sind Schulkinder aus dem ganzen Kanton – vereinzelt sogar aus dem Aargau – zu uns gekommen.

Kommt die Erholung nicht zu kurz, wenn Kinder zu früh wieder die Schulbank drücken?

Das glaube ich nicht. Mit eineinhalb oder drei Stunden Unterricht pro Tag ist die Belastung gering. Fünf Wochen Ferien sind sehr viel, wenn man in einem Lernprozess ist. Wenn die Kinder den Stoff in die Schublade legen und nichts mehr tun, haben sie einen schwierigen Start. Auch für die Lehrer ist es schwieriger, die Schüler abzuholen. Für jene Kinder, die daheim sind, wird es oft langweilig, wenn die Eltern arbeiten. Viele Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, müssen sich die Ferien einteilen. Ein Sommerkurs entlastet also auch die Eltern.

Es gibt Forderungen, die Sommerferien zu verlängern, weil es sich an Hitzetagen schlechter lernt.

Das ist absolut nicht sinnvoll. Elf Wochen Ferien wie im Tessin oder acht Wochen wie in Genf ist undenkbar lange. Wenn es kein Angebot für die Schüler gibt – auch schulische Angebote, dann vergessen sie vieles wieder. Wenn man ein gewisses Schulniveau halten will, sollten die Ferien keinesfalls verlängert werden. Bei längeren Ferien drohte eine Rückkehr in das klassische Rollenbild. Für die Eltern ist dies nicht machbar. Ein Arbeitnehmender kann sich bei Hitze nicht rausnehmen. Auch der Schulunterricht muss sich dem Klimawandel anpassen.

Nur in wenigen Schweizer Grossstädten besteht auch in der Ferienzeit Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Sollte dieser ihrer Ansicht nach schweizweit gegeben sein?

Ich finde ja. Für Eltern, die 100 Prozent arbeiten, braucht es Angebote, damit ihr Kind sinnvoll betreut ist. Ein Vater aus dem Niederamt brachte seinen älteren Sohn zu uns in den Kurs. Mit dem jüngeren Sohn verbrachte er den ganzen Tag in Fulenbach und wartete auf seinen Sohn, um nicht hin- und zurückfahren zu müssen. Wegen Beispielen wie diesem befürworte ich Tagesstrukturen. Um diese bieten zu können, müssten wir den Kursbeitrag anpassen.

Ihr Angebot in diesem Sommer ist sehr preiswert. Wie ist es Ihnen möglich, so wenig zu verlangen?

Wir legen möglicherweise Geld drauf – die Kurskosten können wir durch die Gebühren nicht vollständig decken. Der Verein Aaregäuer Nachhilfe ist auf unentgeltliche Freiwilligenarbeit angewiesen und die Nachhilfelehrer arbeiten für diesen Kurs zu einem reduzierten Tarif. Die Kursgebühren sollten die externen Kosten decken können, deshalb danken wir der Schule Fulenbach, die uns die Räume gratis zur Verfügung stellt. Ohne Freiwilligenarbeit, das Entgegenkommen der Nachhilfelehrer sowie die Unterstützung der Gemeinde Fulenbach wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1