Gut 300 Personen folgten am Samstagnachmittag dem Aufruf zu einer friedlichen Manifestation mit kriegsähnlicher Lärmbegleitung nach Gänsbrunnen. Der Verein «Festungswerke Solothurner Jura», welcher sich um die jetzt verlassenen Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg im Kanton Solothurn kümmert, liess zum ersten Mal eine Panzerabwehrkanone abfeuern.

Diese befindet sich oberhalb des Weissensteintunnelportals in Gänsbrunnen. Die zwei lauten Böllerschüsse sollten bis nach Bern zu hören sein, meinte der Präsident des Vereins «Festungswerke» Urban Fink-Wagner. Vor allem auch, weil diese Böller für die Kanone die Feuertaufe bedeuteten.

Auch wenn diesen Knallern eine kriegsähnliche Bedeutung zukommt, verlief die ganze Manifestation auf dem Bahnhof Gänsbrunnen äusserst friedlich. Es gab Musik von der Musikgesellschaft Herbetswil, Bratwurst, Bier und Nussgipfel. Grund also für die Knaller: Der Kampf der Region «vor» und «hinter» dem Weissenstein für den Erhalt des Weissensteintunnels.

«Wir Thaler sind ja ein friedfertiges Volk», meinte Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, der das Komitee «Weissensteintunnel erhalten» präsidiert. Er erinnerte, dass eine Schliessung dieses Tunnels, der die Gemeinde Gänsbrunnen mit Oberdorf SO verbindet, für eine ganze Region negative Auswirkungen hätte – und zwar in jeder Hinsicht: Pendlerverkehr, Wohnsituation, Schülertransporte, touristisches Angebot. Tatsächlich steht eine Schliessung des Tunnels im Raum, da eine Sanierung des gut 100-jährigen Bauwerks, welches heute der BLS gehört, zwischen 100 bis 170 Millionen Franken kosten würde.

Fluri ist optimistisch

Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn, Heimweh-Thaler und Nationalrat, zeigte die politischen Vorgaben auf. Nach der Verordnung von 2015, welche für die Konzession, Planung und Finanzierung der Bahninfrastruktur in Kraft gesetzt wurde, erfülle der Weissensteintunnel alle Kriterien, die es brauche.

Er sagte: «Die Solothurner Deputation im Bundesparlament in Bern wird sich mit grossem Engagement und entschlossen für die entsprechenden Kreditbeschlüsse einsetzen.» Er sei optimistisch, dass auch die Bundesversammlung und die Bundesbehörden das nötige Verständnis für dieses Anliegen aufbringen würden.

Tunnel auch nutzen

Urban Fink erinnerte als Historiker an die lange Geschichte der Bunkeranlagen in und um Gänsbrunnen, die übrigens 1995 aus der Geheimhaltung der Armee entlassen wurden. «Unsere Vorfahren bauten eben genau oberhalb des Tunnels einen Bunker, weil sie wussten, wie wichtig dieser Weissensteintunnel ist.»

Das Gleiche gelte heute noch, zwar unter anderen Gesichtspunkten, doch sei dies heute nicht mehr allen bewusst.

Alle Redner schlossen ihre Ansprachen mit dem gleichen Aufruf: «Das Beste, was es gibt, um den Weissensteintunnel zu erhalten, ist, ihn auch zu benutzen, sodass die Frequenzzahlen steigen.»