Äussere Klus

Friedlich äsen die Gämsen — die vielbefahrene Strasse scheint sie nicht zu stören

Eine Herde Wildtiere ist täglich auf einer Wiese zwischen Balsthal und Oensingen zu beobachten. Die Tiere scheuen weder die Nähe zum Bahngeleis noch die vielbefahrene Strasse.

Wer von der Autobahnausfahrt Oensingen nach Balsthal fährt oder via OeBB von Oensingen nach Balsthal unterwegs ist, kann auf einer leicht erhöhten Wiese Richtung Roggenfelsen fast täglich ein Rudel Gämsen beim friedlichen fressen, respektive äsen beobachten.

Wahrscheinlich kann mancher Autofahrer fast nicht glauben, was er da sieht: Frei lebende Wildtiere, die sich in geringer Entfernung zu einer Autostrasse und dem Bahntrassee ohne Umzäunung aufhalten.

Ein Zaun nötig?

Ist das nicht gefährlich? Eine Nachfrage beim für die Tiere zuständigen Jagdrevier schafft Klärung. «Da muss man keine Angst haben, dass diese Tiere die Fahrbahn queren», ist sich Hanspeter Studer, Egerkingen, Präsident des betreffenden Jagdreviers 37 sicher.

Die Tiere finden auf dieser Wiese wahrscheinlich feines Futter, vor allem am frühen Morgen. Doch verziehen sie sich in der Regel während des hellen Tages zurück in den Wald. Studer erklärt: «Wenn es auf der anderen Gebietsseite noch unbebaute Wälder und Felsen hätte, in denen sich die Gämsen bewegen könnten, dann hätten wir sicher einen Wildwechsel. Doch das Gebiet Äussere Klus ist ja stark überbaut.

Ob es denn nicht sicherer wäre, einen Wildzaun entlang der Strasse zu bauen? «Nein, das braucht es nicht», sagt der Jäger. «Sonst müssten wir ja praktisch jede Strasse einzäunen.» Er jage jetzt schon seit 30 Jahren und habe erst eine tote Gämse wegen eines Unfalls auf der Strasse gesehen. Insgesamt belaufe sich der Bestand der Gämsen am Roggen auf 25 Tiere. «Pro Jahr erlegen wir sechs Tiere», sagt Studer zur Bejagung.

Nachzulesen ist, dass im Jahr 1954 auf dem Roggen oberhalb Oensingen fünf Gämsen ausgesetzt wurden. Diese stammten aus Weisstannen/SG und Pontresina. Bereits im Jahr 1964 wuchs der Bestand auf rund 80 Tiere an. Dadurch ergab sich eine Abwanderung der Tiere des stark besetzten Gebietes.

Heute können Gämsen in fast allen Revieren der erstem Jurakette festgestellt werden. Die kleine Herde auf der Roggenwiese beschert heute aber doch manchem im Stau stehenden Autofahrer eine kleine Freude. (frb)

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