Egerkingen
Fridau war vor vielen Jahren ein Kurhaus – wird sie nun zum Bikerhotel?

Ein Backpackerhotel oder ein Hotel für Biker? Die Möglichkeiten, was aus der Fridau werden soll, nachdem die Asylbewerber Ende 2017 ausgezogen sind, sind fast unbegrenzt. «Kreuz»-Wirt Louis Bischofberger ist überzeugt, dass eine touristische Nutzung Potenzial hat.

Philipp Felber
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Die Fridau oberhalb von Egerkingen: Künftig ein Backpackerhotel für Wanderer und Biker? Archiv

Die Fridau oberhalb von Egerkingen: Künftig ein Backpackerhotel für Wanderer und Biker? Archiv

Hansruedi Aeschbacher

1874 als Kurhaus eröffnet, wurde die Fridau ob Egerkingen immer wieder anders genutzt. In den Anfangszeiten war die Fridau bei Tuberkulosepatienten beliebt. 140 Jahre später wohnen Asylbewerber in der ehemaligen Luftkurresidenz. Doch Ende 2017 ist dies auch schon wieder Geschichte. Was danach kommt, ist unklar.

Der Chef des kantonalen Hochbauamts, Bernhard Mäusli, sieht unter anderem eine Möglichkeit: die Nutzung der Fridau als Demenzzentrum, wofür momentan in der Region ein Platz gesucht wird.

Die nächste Station des repräsentativen Baus also ein Demenzzentrum der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG)? Johanna Bartholdi, Präsidentin des Verwaltungsrats der GAG, sieht in der Fridau keinen guten Standort für die Genossenschaft, um ein Demenzzentrum zu bauen. «Die GAG will ein Demenzzentrum nach dem Vorbild von ‹de Hogeweyk› erstellen.

Das Konzept beruht auf dem Normalitätsprinzip: Menschen mit einer demenziellen Entwicklung wird ein Zuhause geboten, das eine grösstmögliche Normalität erlaubt», erklärt Bartholdi. «Menschen mit Demenz fühlen sich wohl an einem Ort, der ihrem früheren Daheim und Lebensstil ähnelt, dadurch wird ihre Lebensqualität gesteigert», so Bartholdi. Diese Alltagsgestaltung bedeute somit, dass das Demenzzentrum, wenn immer möglich, in einem Dorf oder einem Quartier eingebunden werden sollte. «Somit kommt die Fridau wegen ihrer Abgeschiedenheit für ein Demenzzentrum nach dem Vorbild von ‹de Hogeweyk› nicht infrage», zieht Bartholdi ein Fazit.

Da auch andere in Konkurrenz zu den Solothurner Spitäler stehenden Pflegeeinrichtungen auf der Fridau gemäss Mäusli nicht eingerichtet werden dürfen, ist in Bezug auf die künftige Nutzung also guter Rat teuer.

Ein Backpackerhotel?

Einer, welcher selber die Fridau für diverse Events nutzte, ist Louis Bischofberger, Wirt des regional bekannten Gasthofs Kreuz in Egerkingen. Er nennt etwa die Gärten von Schloss Trauttmansdorff im italienischen Meran als Beispiel, wie in Zukunft der Umschwung in ein regelrechtes Paradies umgestaltet werden und so zu einem Publikumsmagnet avancieren könnte. «Wichtig ist, dass die Fridau der Öffentlichkeit erhalten bleibt», so Bischofberger. Ein klassisches Hotel sieht er hingegen nicht. Aber etwa ein Erholungsheim für gestresste Geschäftsleute: «Die Fridau eignet sich optimal als Rückzugsort, um sich Zeit zu nehmen, sich zu erholen.»

Doch auch eine Umnutzung für aktivere Gäste sei durchaus möglich. So etwa als Biker- oder gar als Backpackerhotel. Der Jura biete genügend Möglichkeiten, um sich in unmittelbarer Nähe in wunderbarer Umgebung auszutoben. Die grösste Schwierigkeit sieht Bischofberger dabei nicht etwa in der Suche nach einem Investor. Sondern darin, jemanden Geeigneten zu finden, der den Betrieb führen kann und will. Er ist aber davon überzeugt, dass die Fridau als Ort für sanften Tourismus funktionieren könnte.

Von Kurgästen zu Asylbewerbern

Dass die Fridau eine neue Nutzung erhält und am besten gleich noch verkauft werden kann, ist die Hoffnung des Kantons. Nachdem im Zuge des Ersten Weltkriegs die Gäste aus aller Welt dem Luftkurhaus fernblieben, kaufte der Kanton Solothurn im Jahr 1921 die Fridau für 300'000 Franken. Und nutzte das Haus als Aussenstation der «Rosegg», der psychiatrischen Einrichtung des Kantons Solothurn.

Im kantonalen Pflegeheim Fridau wurden in der Folge «leichtere Gemütskrankheiten» und etwa auch «gebrechliche, ältere Personen» versorgt, wie es in einer Broschüre zum 150-Jahr-Jubiläum der Psychiatrie im Kanton Solothurn aus dem Jahr 2010 heisst. Über die Jahre wurde die Fridau nach und nach vergrössert und modernisiert, bis sie 2008 als Aussenstandort der Psychiatrischen Dienste des Kantons Solothurn geschlossen wurde.

In der Folge versuchte der Kanton damals bereits, das Haus zu veräussern. 2009 wollte die vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. das Haus kaufen. Doch der Kanton verkaufte nicht, weil die Bruderschaft in der Öffentlichkeit sehr umstritten war. Im Jahr 2012 trat die Stiftung Pro Integral auf den Plan, welche die Fridau zu einer Klinik für Hirnverletzte umnutzen wollte. Doch der Kanton verweigerte eine Betriebsbewilligung, weil er keinen Bedarf für ein zweites Hirnzentrum neben dem in Roggwil BE sah. Kurze Zeit später war bereits klar, dass der Kanton die Fridau als Asylzentrum vorsieht.