Wolfwil

Freie Plätze in Unterkünften: Wie mit der Abnahme an Asylsuchenden umgegangen wird

2017 baute Wolfwil eine neue Asylunterkunft am Gerstenacker.

2017 baute Wolfwil eine neue Asylunterkunft am Gerstenacker.

Der markante Rückgang an Asylgesuchen ist in Gemeinden wie Wolfwil spürbar und stellt die Gemeinden vor neue Herausforderungen. Flexibilität von den Beteiligten ist gefragt.

«Schwankungstauglichkeit» ist im Schweizer Asylwesen derzeit das grosse Wort. Realitäten gibt es nämlich verschiedene: An der türkisch-griechischen Grenze herrscht eine humanitäre Notlage, die an die Migrationskrise aus dem Jahr 2015 erinnert. In der Schweiz hat derweil die Zahl der asylsuchenden Menschen stark abgenommen. Das spürt der Bund, das spürt der Kanton, das spürt die Sozialregion. Und das spürt eine Kleingemeinde wie Wolfwil. Das aufgebaute Sozialgefüge ist zurzeit auf allen Ebenen nicht ausgelastet.

«Es ist ein ziemlich ausgeklügeltes System», sagt Anne Birk. Die Abteilungsleiterin vom Amt für soziale Sicherheit spricht vom Verteilschlüssel, anhand welchem der Kanton asylsuchende Menschen den Sozialregionen zuteilt. Von dieser Behörde werden sie in die Gemeinden entsandt. Die in die Schweiz migrierten Flüchtlinge kommen dabei in das Handorgel-System, das vom Bund runter in die Gemeinden auffächert.

Einmal pro Jahr wird anhand der Verteilschlüssel für jede Ebene berechnet, wie viele Menschen der jeweilige Kanton und die untergegliederten Gemeinden aufnehmen müssen. Eben erst teilte der Kanton Solothurn das sogenannte Aufnahmesoll den Sozialregionen mit. Am Ende der Kette sind die Gemeinden, die gemäss Regierungsratsbeschluss verpflichtet sind Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge aufzunehmen.

Gemeinderat will «nicht überstürzt handeln»

Wolfwil müsste derzeit sieben zusätzliche Menschen aufnehmen. Viele Gemeinden befinden sich in einer ähnlichen Situation. Innerhalb von 12 Monaten müssten sie das Aufnahmesoll erfüllen. «Das besagt das technisch-mathematische Modell, aber dann haben wir die Praxis», sagt Birk. Wenn der Kanton in diesem Jahr nur wenig Flüchtlinge zugewiesen erhält, werden nicht alle Gemeinden das Aufnahmesoll erfüllen.

Während an der griechischen Grenze Flüchtlinge ausharren, sind in der Schweiz viele Betten frei. Der Bund hat sich deshalb darauf eingestellt, Schwankungen im Bereich von jährlich 15000 bis 29000 Asylgesuchen auffangen zu können. «Das Asylwesen ist nun mal extrem dynamisch, wir müssen die Entscheide des Bundes jeweils abwarten», sagt Birk. Diese fussen auf den regelmässigen Berechnungen des Staatssekretariats für Migration.

Auch Gemeinden wie Wolfwil müssen daher eine gewisse Schwankungstauglichkeit aufweisen. «Wir haben momentan eine sehr tiefe Belegung», sagt Gemeindepräsident Georg Lindemann. Im März 2017 weihte die Gemeinde ihre neu gebaute Asylunterkunft ein. Auf zwei Stockwerken bieten die beiden Wohnungen Platz für je zehn Personen, welche die Bewohner als Wohngemeinschaften nutzen. Mit dem 887000 Franken teuren Neubau nahm Wolfwil eine Vorbildfunktion ein, die Akzeptanz war bei der Bevölkerung gross, als die Gemeinde den Kredit sprach. Auch heute nehme das Dorf das Asylzentrum sehr gut auf, sagt Lindemann. Nach der Einweihung war jedes Zimmer im Haus belegt.

Nun spürt Wolfwil den markanten Rückgang an Asyl-Anträgen. Der Gemeinderat befasste sich daher mit der Frage: Was mit der Unterkunft tun, wenn die Zahl der Asylbewerber nicht wieder zunimmt? Der Rat habe zwar erwogen, eine Wohnung fremdzuvermieten, sich aber dagegen entschieden. Auch stand zur Debatte, den frei verfügbaren Raum allenfalls für den Kindergarten zu nutzen. «Wir sind der Meinung nicht überstürzt handeln zu wollen», sagt Lindemann. Im Wissen um die grossen Schwankungen und die angespannte Situation an der türkisch-griechischen Grenze.

Bisher nahm Wolfwil ausschliesslich Frauen auf, weil es in der ehemaligen Unterkunft zu Spannungen kam, wie Lindemann erklärt. Diese Praxis will die Gemeinde nun ändern, da sie zwei separate Haushaltungen betreibt. «Wir würden auch eine Familie aufnehmen, die ins Gefüge passt», sagt Lindemann. Die Unterkapazität – also die vielen freien Plätze – seien nichts Beunruhigendes, so Lindemann. Wolfwil spürt den Rückgang finanziell durch die sinkenden Mietkosten, die der Staat pro asylsuchende Person leistet. «Das Haus belastet uns nicht», sagt jedoch Lindemann. Die Gemeinde profitiert etwa vom Stauraum im Keller. Würde die Zahl der Menschen in der Schweiz wieder zunehmen, so stünde in Wolfwil die Infrastruktur bereit. Die Gemeinde bleibt auf Schwankungen vorbereitet.

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