Was gibt es Schöneres, als einfach in den Zug, Bus, ins Tram oder Schiff einsteigen zu können, ohne sich vorher in eine lange Reihe vor dem Billettschalter stellen zu müssen? Ein Generalabonnement (GA) ist eine tolle Sache – gleichzeitig aber auch ein teurer Spass. Abhilfe können hier die «Tageskarten Gemeinde» schaffen, die bei den SBB bezogen werden können: Viele Gemeinden bieten der Bevölkerung für jeden Tag eine beschränkte Anzahl solcher Karten an, die dem Besitzer einen Tag lang freie Fahrt ermöglichen.

Mit Blick auf die vier solothurnischen Bezirke Olten, Gösgen, Thal und Gäu wird deutlich, dass Anzahl, Preis und Bedingungen alles andere als einheitlich sind. Die SBB hingegen haben für den Verkauf identische Bestimmungen. 365 Karten kosten eine Gemeinde insgesamt 12 900 Franken. Die Bezugsmengen wiederum hängen von der Einwohnerzahl ab.

«Auslastung von 80 Prozent nötig»

Die Mehrheit stellen diejenigen zwanzig Gemeinden, welche zwei Tageskarten zur Verfügung stellen. Bis jetzt habe man in seiner Gemeinde immer diese Anzahl angeboten, gibt der Gemeindeverwalter von Laupersdorf, Stefan Schaad, Auskunft. Was die Kosten angeht, wird es aber wegen eines SBB-Preisaufschlags eine Veränderung geben: «Die Gemeinde hat im November des vergangenen Jahres beschlossen, beim Preis neu zwischen Einwohnern und Auswärtigen zu unterscheiden.»

Konkret müssen ab 1. Mai dieses Jahres Auswärtige anstatt der bisherigen 40 Franken deren 45 für eine Karte bezahlen; bei den Einwohnern aber bleibe der Preis unverändert bei 40 Franken, so Schaad. Lohnt sich denn überhaupt das Geschäft? «Damit die Kosten der Gemeinde gedeckt sind, muss es eine Auslastung von 80 Prozent geben – was auch der Fall ist.» Trotzdem sei die Vergabe von Tageskarten für die Gemeinde seit letztem Jahr ein Nullsummen-Spiel, betont er.

Etwas teurer im Vergleich

Gerade die Kosten decken kann auch Kappel, obwohl die Gemeinde die Preisliste anführt. Die 45 Franken für Kappeler und 50 Franken für Auswärtige sind im Vergleich zu den anderen Gemeinden nämlich höher. Stören tuts die Leute offenbar nicht, wofür auch die Auslastung von beinahe 89 Prozent spricht: «Wegen des Preises hat sich bis jetzt noch niemand beschwert», bestätigt auch Anja Jeker, Leiterin der Kanzlei.

Diese Zahlen kommen jedoch nicht von ungefähr: Man passe die Preise dem Einkaufspreis der SBB an, um kein Minus zu machen, erklärt Jeker weiter. Eine solche Anpassung wurde im April 2013 vorgenommen, als die Gemeinde den Preis um fünf Franken auf die jetzigen 45 beziehungsweise 50 Franken sowie auf die 35 Franken für das sogenannte «Last-Minute-GA» erhöhte.

Nicht alle machen mit

Mit Kostendeckungen oder Preiserhöhungen müssen sich 17 Gemeinden hingegen nicht befassen, da sie solche Tageskarten gar nicht erst anbieten. Zu dieser Gruppe gehört etwa Kestenholz, wo die Beschaffung momentan kein Thema sei, obwohl immer wieder Leute aus der Bevölkerung danach fragen würden, so Gemeindeschreiber Marco Bürgi.

Gegenstand von Diskussionen des Gemeinderats waren die GA hingegen schon zweimal; dies war im 2006 und zuletzt vor drei Jahren der Fall. Dabei haben unterschiedliche Gründe für das Nein gesorgt. «Im 2006 hat die niedrige Tageskartenauslastung in anderen Gemeinden den Ausschlag für den Verzicht gegeben.» Vor drei Jahren wiederum seien Kosten- und Spargründe im Vordergrund gestanden, erinnert sich Bürgi.

Von einer geringen Auslastung konnte Däniken wiederum nie sprechen. «Aufgrund der grossen Nachfrage stockten wir am 1. Februar 2013 von zwei auf vier Karten auf», erklärt Gemeindeschreiberin Andrea Widmer. Früher seien Dauerausbuchungen an der Tagesordnung gewesen, was sich aber mit der grösseren Anzahl an Karten gelegt habe.

Es bleibt bei sechs Karten

In der Stadt Olten indes war in letzter Zeit keine Rede von Aufstockung – im Zuge des Budgetreferendums kündete die Stadt sogar an, ab 1. April dieses Jahres das Angebot von sechs auf vier Karten zu reduzieren. Damit aber noch nicht genug: Vom 1. Mai an hätte Olten nur noch über zwei GA verfügt. Da der Voranschlag 2014 vom Volk kürzlich angenommen wurde, ist die Ausgangslage nun eine völlig andere: «Es können weiterhin sechs Karten bezogen werden», verkündet Stadtschreiber Markus Dietler. Die geplante Reduktion ist somit vom Tisch. Alles andere wäre in Anbetracht der sehr hohen Auslastung von knapp über 96 Prozent auch schade gewesen.

Für die nahe Zukunft kann Dietler ebenfalls Entwarnung geben. «Eine Senkung der Anzahl im 2015 ist nicht geplant.» Hingegen kann er eine Preiserhöhung nicht ausschliessen – diesbezüglich gebe es Prüfungen. «Eine Verteuerung ist aber nicht unbedingt nötig», relativiert der Stadtschreiber. Wie stehts mit einer Heraufsetzung der Menge? Schliesslich könnte die Dreitannenstadt, gemessen an der Einwohnerzahl, bis zu zehn Karten von den SBB beziehen. Man müsse darauf achten, dass das Ganze nicht «kippt» und man bei einer grösseren Anzahl schliesslich auf den Karten sitzen bleibe, winkt Dietler ab.