«Komische Typen» seien bei ihm an der Haustür aufgetaucht, schreibt der Oensinger Bruno Heiniger in der Facebook-Gruppe «Du bisch von Oensingen wenn...». Die Männer hätten sich Anfang Woche an einem Abend als Handwerker ausgegeben und gefragt, ob sie die Fassade seines Hauses reinigen könnten. Zwei andere Männer seien offenbar im Auto geblieben.

Heiniger erklärt auf Nachfrage: «Der Mann hatte bereits den Fuss in der Tür.» Als Heiniger die Männer trotzdem abwies mit den Worten, er werde sonst die Polizei rufen, seien diese fast ein wenig aggressiv geworden. Die drei Männer seien in einem grauen, älteren Nissan mit Kontrollschildern aus dem Kanton Freiburg unterwegs gewesen. Heiniger weiter: «Dabei fiel mir auch auf, dass sie im Freizeitlook daher kamen, keineswegs in Arbeitskleidern.» Zunächst hatte Heiniger das Auto samt Kontrollschild und zwei erkennbaren Personen öffentlich auf Facebook gepostet. Nach Kritik eines Kollegen habe er das Bild jedoch wieder gelöscht.

«Vorsicht bei Schnäppchen»

Die Reaktionen auf den Facebook-Eintrag Heinigers kamen prompt: «Auch bei uns haben sie geklingelt», kommentiert ein weiterer Oensinger. Allerdings sei der Mann an der Tür diesmal freundlich geblieben, obschon dieser erneut abgewiesen wurde. Ein anderer mutmasst, ob die Männer vielleicht etwas auskundschaften. Auch wird darüber diskutiert, was für Leute dies sein könnten. Einer verdächtigt «Fahrende». Ein anderer geht nicht darauf ein und rät hingegen, man solle es doch einfach der Polizei melden.

Doch bei der Polizei hat bis gestern Abend niemand angerufen, wie auf Anfrage dieser Zeitung beim zuständigen Mediendienst zu erfahren war. Dennoch sind solche Fälle der Polizei bekannt: «Das kommt immer wieder vor, durchs Jahr hindurch», so Thomas Kummer, Meidensprecher. Über die Herkunft dieser Verdächtigen konnte sich Kummer nicht äussern: «Wir wissen nicht, was das für Leute sind.» Doch das Muster sei praktisch immer dasselbe: Sie geben vor, Arbeiten zum günstigen Preis verrichten zu wollen, so im Stil: «Wir haben noch Teer oder Beton übrig und würden dies Ihnen jetzt gerne billig anbieten.» Bei solchen «Schnäppchen» sei allerdings Vorsicht geboten, zumal es laut anderen Medienberichten vorkommt, dass die «Handwerker» dann doch überhöhte Rechnungen stellen. Zudem sei die Qualität solcher Arbeiten nicht zwingend einwandfrei und man könne danach bei Mängeln niemanden mehr belangen, wie dies bei regulärer Handwerksarbeit der Fall sei.

Dass die Verdächtigen bei einer Ablehnung auch mal ungeduldig werden können, ist Thomas Kummer bekannt: «Sie versuchen, die Leute unter Druck zu setzen, werden unfreundlich oder gar unverschämt.» Aber welcher seriöse Handwerker hat schon ein solches Auftreten? Allein daran könne man schon erkennen, dass das Angebot unlauter sein könnte. Man müsse einfach hart bleiben, sich nicht auf Diskussionen einlassen und die Türe wieder schliessen. Viele Betroffene würden es nicht wagen, die unerwünschten Besucher abzuweisen, aus Angst, unfreundlich zu wirken. «Es ist nicht unfreundlich, wenn man energisch reagiert», so Kummer.

Die Lage kann sich zuspitzen, wenn die «Handwerker» ins Haus gelassen werden, etwa um Arbeiten auszuführen oder zu diskutieren. Im schlimmsten Fall können solche Täter nicht einmal strafrechtlich belangt werden. So berichtete die «Aargauer Zeitung» im Sommer des letzten Jahres über einen Fall am Bezirksgericht Lenzburg-Aarau. Damals wurden zwei Männer, es waren Fahrende, der Wucher beschuldigt. Sie hatten betagte Menschen im Raum Aarau «abgezockt».

Ihre Masche war es, unter einem gefälschten Firmennamen aufzutreten und günstige Malerarbeiten an den Fensterläden erledigen zu können. Ein 87-jähriger Rentner fiel darauf herein und liess sich 29 Fensterläden seines Hauses für 6000 Franken streichen.
Doch die Männer wurden vom Gericht freigesprochen, da der Tatbestand der Wucher nicht erfüllt war. Hierzu hätte die Rechnung den marktüblichen Preis um mehr als 35 Prozent überschreiten müssen, was nicht der Fall gewesen war, konnte doch der Verteidiger damals beweisen, dass der marktübliche Preis für solche Arbeiten zwischen 1500 und 5000 Franken liegt. Dies konnte er mit entsprechenden Offerten beweisen.

Druckmittel Einschüchterung

Ein weiterer Fall handelte von einer 89 jährigen Frau, die sich für 3500 Franken die Risse in ihrem Haus reparieren liess. Zwar wurde auch dieser Verdächtige, ein Cousin des Beschuldigten im ersten Fall, freigesprochen. Aber zumindest wird hier der Hergang eines solchen «Handwerkergeschäfts» aufgezeigt. Wie aus dem damaligen Strafbefehl hervorgeht, soll die alte Frau leicht beeinflussbar gewesen sein. Zudem sei sie vom Verhalten des «Handwerkers» so eingeschüchtert gewesen, dass sie sich nicht getraut habe, die Arbeit nachträglich zu kontrollieren, schrieb die zuständige Staatsanwaltschaft damals.