Oensingen
Frauen lernen, was zu tun ist, wenn Wut und Trauer zu stark werden

Zweimal im Jahr findet ein «Frühstückstreffen von Frauen für Frauen» statt. An diesem überkonfessionellen Treffen wird über Themen gesprochen, welche die Frauen im Alltag beschäftigen. Am Samstag wurde in Oensingen über Trauer und Wut diskutiert.

Silvana Grellmann
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Sie organisierten den Anlass (v.l.): Elsbeth Lanz, Rösli Meister, Käthi Friedli, Esther Schneider, MarianneBalzarini und Mirjam Fisch.

Sie organisierten den Anlass (v.l.): Elsbeth Lanz, Rösli Meister, Käthi Friedli, Esther Schneider, MarianneBalzarini und Mirjam Fisch.

Silvana Grellmann

Stimmengewirr erfüllt am Samstagvormittag das Vebo-Restaurant in Oensingen. Während sich einige Frauen vom reichhaltigen Buffet bedienen, haben sich andere bereits eingedeckt: Sie trinken Orangensaft und essen frisches Müesli.

Gläser klirren und es wird Kaffee eingeschenkt. Schliesslich wird das Geplauder immer leiser, verstummt ganz und Elsbeth Lanz ergreift das Wort: «Guten Morgen! Es ist jedes Mal ein Erlebnis, so viele unterschiedliche Frauen willkommen zu heissen.»

Mehr als 120 Frauen sind es dieses Mal. Lanz ist eine der fünf Organisatorinnen des «Frauenfrühstücks» in dieser Region, bei dem heute ein Vortrag mit dem Titel «Trauer und Wut tun gut» ansteht.

«Aggressiv, verärgert, zornig: Dies sind Begriffe, die im Duden unter dem Eintrag Wut zu finden sind», erläutert Elsbeth Lanz, «und von Trauer, davon verstehen wir doch alle etwas.»

Die Trauer zulassen

Referentin ist Mirjam Fisch-Köhler, Katechetin, Journalistin und Mutter dreier Kinder. Zu Beginn stellt sie eines klar: «Ich bin der Meinung, dass man aus Trauer und Wut Kraft gewinnen kann.»

Zum Thema Trauer fesselt Fisch anhand eigener Beispiele und Beispielen von Bekannten das Publikum. Sie spricht von Träumen, die nicht in Erfüllung gingen, von Todesfällen, aber auch von Beziehungen, die kaputtgehen können, und davon, dass bei Freundschaften plötzlich Funkstille entstehen kann.

Ihre Beispiele, bei denen sie auch die vier Phasen der Trauer miteinbezieht, ziehen die Zuhörerinnen in ihren Bann . Mirjam Fischs Geschichten berührten die Zuhörerinnen und sorgten bei einigen sogar für Tränen, die leise mit einem Taschentuch weggewischt werden.

«Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen. Man darf und soll trauern, denn dieses Trauern hilft der Seele nach einem Verlust, wieder gesund zu werden», legt die Referentin den Zuhörerinnen immer wieder ans Herz.

Zopf kneten gegen Wutanfall

Doch nicht nur die Trauer habe ihre positiven Seiten. Auch Wut könne positiv genutzt werden. Um spontane Wutanfälle zu vermeiden, könne auch hier manchmal helfen, das auszusprechen, was einen bewegt.

Doch wichtig sei, dass jeder seinen eigenen Weg finde, mit der Wut umzugehen. Auch Putzen, jäten oder das Kneten eines Zopfteigs könne helfen, zählte die Referentin auf. «Ich hoffe, dass sie nun vielleicht einige Hinweise bekommen haben, wie man mit Trauer oder Wut umgehen kann», schliesst Mirjam Fisch ihr einstündiges Referat, das mit kräftigem Applaus gewürdigt wird.

Extra aus dem Baselbiet angereist

«Der Vortrag war echt super, die Referentin hat das Ganze auf eine tolle Weise und lebendige Art erzählt» lautet so schliesslich auch das positive Feedback von Veronika Eckert aus Olten, die nicht nur aufgrund des Referats ans Frühstückstreffen gekommen ist, sondern auch um Freundinnen wiederzusehen.

Auch Monika Nufer, die extra aus dem Baselbiet angereist ist, kam zum Anlass wegen eines Tipps einer Freundin, die bei der Organisation des Anlasses mitgeholfen hat. «Das Thema ist bei mir auf grosses Interesse gestossen, weil es eines ist, das Jung und Alt gleichermassen betrifft.»