Franz Aebi ist seit 1. Juli der Bürgergemeindepräsident von Langendorf. Am Montag leitet er seine erste Gemeindeversammlung. Er will die Bürgergemeinde stärker bekannt machen.

Franz Aebi, wieso soll die Bürgergemeinde bekannter werden?

Franz Aebi: Tue Gutes und sprich darüber. Mein Vorgänger Christian Friedli kommt von der technischen Seite und verfügt über grosse Detailkenntnisse bezüglich Infrastruktur. Das Langendörfer Wasser beinhaltet Herzblut von Christian. Ich habe ihm mal gesagt, dass ich in dafür bewundere, dass er jeden Wasserhydranten persönlich kenne. Ich bin total anders. Als ich vor drei Jahren von unserem Verwalter André Hess angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, das Amt des Gemeindepräsidenten nach meiner Pensionierung anzunehmen, war ich noch nicht einmal Bürger von Langendorf.

Jetzt sind Sie Bürgerpräsident. Warum?

Ich war Bankangestellter. Ich wusste, ich kann nicht dasselbe machen, wie mein Vorgänger. Trotzdem hat mich dieses Amt gereizt.

Was hat Sie gereizt?

Als Bankangestellter habe ich mir nie dazu Gedanken gemacht, aber mit der Pensionierung kam der Wunsch auf, der Öffentlichkeit etwas zurück zu geben. Das tönt sehr idealistisch. Aber dem Staat, von dem ich profitierte und profitiere, will ich etwas zurück geben. Das habe ich bisher nie gemacht, ausser vielleicht in Form von kulturellen Anlässen.

Das tönt wirklich idealistisch.

Es gibt noch einen weiteren Grund. Bei der Bank war ich in einer Führungsposition. Dies hat sicher mit einer gewissen Eitelkeit zu tun, die mir immer noch zu eigen ist. Die Aufgabe bei der Bürgergemeinde gibt mir nach wie vor die Möglichkeit, Führungsaufgaben wahrzunehmen und in der Öffentlichkeit aufzutreten. Das ist etwas, was mir gefällt.

Warum soll nun die Bürgergemeinde bekannter werden?

Ich habe dies selber auch unterschätzt. Aber die Bürgergemeinden haben eine Bedeutung in der anonymisierten Gesellschaft. Sie geben den Menschen Wurzeln. Wir haben eine Anfrage von einem Bürger von Brunnenthal. Auf die Frage, warum er nun Bürger von Langendorf werden will, antwortet der junge Mann: seine Idee, dazuzugehören, beinhalte für ihn, Bürger zu sein.

Ist das nicht sehr ausgrenzend?

Bürgergemeinden sind im Kern sehr konservative Organisationen. Bürgergemeinden stehen, vielleicht nicht zu Unrecht, im Ruf, verknöchert zu sein. Ich erlebe in Langendorf die Bürgergemeinde auch als konservativ, aber auch als in sich gefestigt. Das empfinde ich als positiv.

Was ist denn daran positiv?

Das ist das, was schwierig zu beschreiben ist. Ein ideeller Wert, eine Gemeinschaft zu haben, die über eine Zweckgemeinschaft hinausgeht.

Bei den Einbürgerungen hat die Bürgergemeinde immer weniger zu sagen. Stört Sie das?

Ich habe mir die Frage auch schon gestellt. Hat das eine Zukunft, oder soll es der Kanton gleich selber machen. Schliesslich entscheidet er schon heute teilweise über den Kopf der Gemeinde hinweg.

Ist es nicht Zeit, die Einheitsgemeinde anzustreben?

Meine Kontakte zur Einwohnergemeinde haben sich rasch und intensiv entwickelt. Dabei habe ich Synergien gesucht, aber keine Gespräche zum Thema Fusion. Wir müssen alle Jahre zwei Prozent des Leitungsnetzes ersetzen. Da ist es klar, dass wir mit der Gemeinde koordinieren, den diese ist für die Stromleitungen zuständig. Da wird abgesprochen.

Welches ist Ihre Strategie?

Ich wurde oft darauf angesprochen, nun in der neuen Ära über die Einheitsgemeinde zu diskutieren. Das ist für mich klar keine Strategie. Ich will etwas, was gut funktioniert, Bestand hat und Qualität hat, weiterführen. Es gibt sicher Möglichkeiten der Zusammenarbeit, aber nicht mehr.

Warum keine Einheitsgemeinde.

Ich kenne den Wert und die Effizienz kleiner Einheiten im Vergleich mit grossen Einheiten. Die Bürgergemeinde Langendorf ist ein Wert. Das ist auch ein Bestandteil meiner Aufgabe, diesen Wert weiterzuentwickeln.