Däniken
Forstrevier Werderamt wird eine eigene Körperschaft mit Vorstand

Die Bürgerinnen und Bürger der sechs Gemeinden Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Schönenwerd, Starrkirch-Wil und Walterswil wurden über die geplante Reorganisation des Forstreviers Werderamt informiert, die per 1. Januar 2014 in Kraft treten soll.

Beat Wyttenbach
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Forstingenieur Lorenz Bader stellt die geplante Reorganisation vor, die Bürgerpräsidenten Edgar Meier (Schönenwerd), Frank Leuenberger (Däniken), Stefan Scherer (Gretzenbach), Horst Gschwind (Starrkirch-Wil) und Matthias Weidmann (Dulliken, v.l.) hören aufmerksam zu. Es fehlt: Marcel Schenker (Walterswil).

Forstingenieur Lorenz Bader stellt die geplante Reorganisation vor, die Bürgerpräsidenten Edgar Meier (Schönenwerd), Frank Leuenberger (Däniken), Stefan Scherer (Gretzenbach), Horst Gschwind (Starrkirch-Wil) und Matthias Weidmann (Dulliken, v.l.) hören aufmerksam zu. Es fehlt: Marcel Schenker (Walterswil).

Beat Wyttenbach

An der Orientierungsversammlung zur Reorganisation des Forstreviers Werderamt in der Däniker Bühlhalle vom Donnerstagabend nahmen gegen 90 Personen teil. Es waren Vertreterinnen und Vertretern der sechs Bürgergemeinden Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Schönenwerd, Starrkirch-Wil und Walterswil, die zusammen das Forstrevier Werderamt bilden. Edgar Meier, Präsident der Bürgergemeinde Schönenwerd, rollte einleitend die Geschichte des bald 20-jährigen Forstreviers auf, die wesentlich geprägt war durch den stetigen Preiszerfall beim Rohholz.

Darüber hinaus entspreche die heutige Struktur nicht mehr den Vorgaben des Kantons, weshalb sich eine Neuorganisation aufdränge. «Ziel ist, ein kostengünstiges Revier auf die Beine zu stellen», erklärte Meier. Ein Ausschuss und später die sechs Bürgerpräsidenten hätten die Vorarbeit geleistet, begleitet durch Forstingenieur Lorenz Bader vom Büro Kaufmann + Bader, Solothurn, der auch schon das Forstrevier Thal und das Kloster Einsiedeln SZ entsprechend beraten habe.

Leistungsfähige Betriebsstrukturen

Lorenz Bader erklärte den Anwesenden, wie die Reorganisation des Forstreviers Werderamt aussehen könnte. Projektziele seien eine klare strategische Zielsetzung, eine realistische Leistungsplanung, leistungsfähige Betriebsstrukturen sowie ein konkreter Umsetzungsplan. Die Leitziele hierfür seien Wirtschaftlichkeit, eine einfache Betriebsorganisation mit schlanken Strukturen sowie die Wahl der optimalen Mittel und Verfahren, aber auch Marktorientierung, Nachhaltigkeit (Werterhaltung des Waldes) und Sicherheit.

Die Handlungsschwerpunkte sieht Bader folgendermassen: Anzustreben sei ein Einheitsbetrieb mit zentraler Verwaltung, angepassten Qualitätsstandards, konsequenter Leistungsplanung und wirksamem Controlling, eine sorgfältige Planung der Ressourcen, eine angemessene Entschädigung für gemeinwirtschaftliche Leistungen sowie Kostendeckung in den Nebenbetrieben und den Leistungserbringungen für die Partnergemeinden.

Dienstleister oder Bewirtschafter?

Heute, mit einem Forstrevier als Dienstleistungsbetrieb, so der Forstingenieur, liege zwar eine maximale Unabhängigkeit der Waldeigentümer vor; die Bewirtschaftung sei auf jeden Partner abgestimmt. Jedoch würden gemeinsame Investitionsentscheide erschwert, da stets nach Kompromissen gesucht werden müsse. Die Rationalisierungsmöglichkeiten seien beschränkt, die Arbeitsorganisation erschwert (viele Entscheidungsträger und «Baustellen») und die Verwaltung sowie die Verrechnung aufwendig (mehrere Finanzbuchhaltungen, Forstrevier muss den Gemeinden Mehrwertsteuer verrechnen).

Wenn der Forstbetrieb hingegen als Waldbewirtschafter in Erscheinung trete, sei zwar der Einfluss der einzelnen Waldeigentümer «beim eigenen Wald etwas eingeschränkt, dafür kann er Einfluss auf die ganze Region nehmen». Zusatzleistungen müssten separat verrechnet sowie Kompetenzen gebündelt und delegiert werden. Jedoch würden gemeinsame Investitionsentscheide vereinfacht, die Rationalisierungsmöglichkeiten erweitert, die Arbeitsorganisation und die Administration «wesentlich vereinfacht», und die Verrechnung der Mehrwertsteuer würde wegfallen.

Öffentlich-rechtliches Unternehmen

Konkret ändern würde sich, dass der Forstbetrieb Werderamt ein öffentlich-rechtliches Unternehmen würde. Die Betriebskommission wird zum Vorstand, der etliche Aufgaben der Forstkommissionen übernimmt und abschliessend über das Budget entscheidet. Die Waldbewirtschaftung erfolgt auf gemeinsame Rechnung. Einzelne Bürgergemeinden würden zudem mehr Einfluss auf die Waldentwicklung im ganzen Revier gewinnen.

Der Forstbetrieb seinerseits übernimmt alle Rechte und Pflichten, die mit der Waldpflege verbunden sind. Er beschafft das Personal und die Betriebsmittel, betreibt die gemeinsamen Geschäfte auf eigene Rechnung und trägt die damit verbundenen Risiken und erbringt gegen Verrechnung jederzeit Dienstleistungen für die beteiligten Gemeinden. Der Wald bleibt in deren Eigentum, und die Waldeigentümer leisten einen Pauschalbeitrag an die ungedeckten Kosten der gemeinwirtschaftlichen Leistungen.

Vorstand statt Kommission

Der sich selbst konstituierende Vorstand, bestehend aus je einem Mitglied der sechs Bürgergemeinden, ist verantwortlich für die strategische Führung, genehmigt die strategischen Ziele inklusive Betriebsplan, erlässt das Personal- und Geschäftsreglement, genehmigt das jährliche Betriebsprogramm und das Budget, berät Jahresbericht und -rechnung zu Handen der Bürgergemeindeversammlungen, entscheidet über die Ausschüttung einer «Dividende» und beantragt, wenn erforderlich, Kapitalnachzahlungen.

Da es sich beim Forstbetrieb um eine eigene Rechtspersönlichkeit handelt, ist auch nebst dem Führen einer gemeinsamen Rechnung die Bildung von ausreichendem Eigenkapital (zwischen 250 000 Franken als Startkapital und maximal einer Mio. Franken) notwendig. Die Bildung von Eigenkapital und die Aufnahme von Fremdkapital sind begrenzt. Investitionen müssen aus dem Eigenkapital finanziert werden. Kapitalerhöhungen und Investitionsbeiträge erfolgen nach Waldfläche und nur mit Zustimmung der Bürgergemeinden. Der Forstbetrieb haftet nur mit dem Unternehmervermögen und wird von den Bürgerräten beaufsichtigt.

Start am 1. Januar 2014

Zuletzt stellte Bader noch den entsprechenden «Businessplan 2014+» vor, der, Holzproduktion und Nebenbetriebe zusammengerechnet, eine ausgeglichene Rechnung vorsieht. Zum Terminplan: Die Bürgerräte haben im Sommer der Reorganisation zugestimmt, die Bürgerversammlungen der sechs Gemeinden müssen dies noch diesen Herbst tun. Vorgesehen ist der operative Start des reorganisierten Forstbetriebes Werderamt per 1. Januar 2014.

Dänikens Bürgerpräsident und «Hausherr» Frank Leuenberger würdigte zum Schluss das Interesse der Erschienenen und meinte: «Ziel ist, dass das Forstrevier Werderamt mit diesem Businessplan weitergeführt wird». Lorenz Bader würde das Projekt im Übrigen begleiten und so sicherstellen, «dass wir Bürgergemeinden unsere Kontrollpflicht wahrnehmen können».