RCT Balsthal
Forderungen von 15 Millionen Franken: Konkurs der RCT hinterlässt riesiges Loch

Der ehemalige CEO Marco Marchetti sitzt in Untersuchungshaft. Auch die vom Konkurs betroffenen 75 Mitarbeitenden von RCT Balsthal müssen mit dem Schlimmsten rechnen.

Franz Schaible
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Bisher liegen Gläubiger-Forderungen im Umfang von 15 Mio. Franken vor. Archiv/Hanspeter Bärtschi

Bisher liegen Gläubiger-Forderungen im Umfang von 15 Mio. Franken vor. Archiv/Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Obwohl das Verfahren noch läuft, steht bereits heute fest: Der am 10. Mai verhängte Konkurs über die Industriefirma RCT in Balsthal hinterlässt ein Millionen-Schuldenloch. Bislang seien Gläubiger-Forderungen für rund 15 Mio. Franken eingegangen, erklärt Martin Schmalz, Leiter des kantonalen Konkursamtes.

Demgegenüber seien nur wenige Aktiven vorhanden. «Derzeit liegt uns ein verbindliches Angebot für das Inventar wie Maschinenpark, Mobiliar und Fahrzeuge, aber ohne geleaste Maschinen, von 196'000 Franken vor.» Bis zum 24. Oktober hätten andere Gläubiger oder Interessenten die Möglichkeit, der Konkursverwaltung ein höheres Angebot zu machen.

Mitarbeitende haben Nachsehen

Allerdings wird davon wohl kein Franken in die Konkursmasse fliessen. Der Grund liege, so Schmalz, darin, dass der Erlös aus den beweglichen Aktiven vorweg für die Forderung der Vermieterin der Fabrikliegenschaften hafte. Dieses Retentionsrecht des Vermieters sei gesetzlich vorgeschrieben.

Vermieterin ist die 1C Commercial Real Estate AG in Zug, die bis vor kurzem Marco Marchetti gehörte. Er war CEO und VR-Präsident der RCT und deren Mutterfirma Accu Holding. Die Drittklass-Gläubiger, vorab Lieferanten, werden also leer ausgehen.

Auch die vom Konkurs betroffenen 75 Mitarbeitenden müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Ihre Ansprüche als Erstklassgläubiger für Löhne und Lohnanteile können nicht gedeckt werden. «Wenn überhaupt, fällt die Konkursdividende für die Angestellten sehr gering aus», so Schmalz.

Ex-CEO im Visier der Justiz

Derweil strudelt die Mutterfirma. Für das erste Halbjahr 2016 wird wegen Wertberichtigungen ein Millionen-Verlust ausgewiesen. Ausschlaggebend dafür sei, so Accu, die von der Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete Strafuntersuchung gegen Marchetti.

Dieser sitzt seit April in Untersuchungshaft, heisst es bei der Staatsanwaltschaft. Es handle sich um «ein äusserst aufwendiges und komplexes Verfahren». Inzwischen hat auch Accu gegen Marchetti eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eingereicht.