Balsthal
«Fliehende Tage» – die flüchtigen Bilder des Erinnerns

Die Galerie Rössli in Balsthal präsentiert die neuesten Arbeiten der Oltnerin Andrea Nottaris. Als Ausgang für die Arbeiten in Acryl auf Leinwand dienten 8mm- und Super-8-Filme, die sie aus privater Hand erhalten hat.

Eva Buhrfeind
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Augenblicke, die poetische Stimmungen transportieren, malt Andrea Nottaris.

Augenblicke, die poetische Stimmungen transportieren, malt Andrea Nottaris.

Eva Buhrfeind

«Fliehende Tage» hat Andrea Nottaris diese Ausstellung in Balsthal benannt, und das, was literarisch klingt, ist die bildhafte Umsetzung von Erinnerungen. Das Festhalten der Flüchtigkeit vergangener Momente.

Die Poesie erinnerter Bilder, die Vergänglichkeit beiläufiger Augenblicke. Sie alle werden bei der Oltnerin zu poetischen Stimmungen, in die der Betrachter eintaucht, sich selbst an eigene vergangene Bildmomente erinnern kann.

Als Ausgang für die Arbeiten in Acryl auf Leinwand dienten 8mm- und Super-8-Filme, die sie aus privater Hand erhalten hat. Die daraus erstellten fotografierten Bildan- und -ausschnitte stupft sie mit dem Pinsel auf die Leinwand.

So provoziert sie eine seltsame Gegenständlichkeit, die mit ihrer leichten Unschärfe wie in flüchtiger Bewegung bleibt. Und so verweben sich verschiedene Ebenen und Eindrücke zu einer anmutigen Bildstimmung, die präsent wie vertraut ist.

Wie ein Blick in ferne Vergangenheiten eigener Geschichten. Das Erzählerische und Lebendige des Films werden durch diesen speziellen Farbauftrag, im weich fliessenden Wechselspiel von Farbe, Form, Licht zu zeitlosen Erinnerungsfragmenten.

Für die kleinformatigen Arbeiten hat Andrea Nottaris – sie gewann letztes Jahr den Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der Neu- und Umbauten der Justizvollzugsanstalt Solothurn – ebenfalls auf 8mm-Filme zurückgegriffen.

Auch hier fotografierte sie Ausschnitte, hat diese teilweise minimal bearbeitet, im Pigmentdruck auf Papier gedruckt und auf MDF-Platten aufgezogen. Hier nun hat die Künstlerin ausgewählte Filmausschnitte so subtil übereinandergelegt, dass verschiedene Erinnerungsebenen ineinander übergehen und sich aus den filmischen Rückblicken neue flüchtige Augenblicksbilder des Erinnerns formen. Abschliessend samtigweich gewachst, wirken diese speziellen Bildmomente künstlerisch konserviert.

Auch im Kellergewölbe lädt Andrea Nottaris mit der Videoarbeit in die Vergangenheit ein: Ein alter Schwarz-Weiss-Film über eine Hochzeit Ende 1940er- Jahre. Zu einem Endlos-Loop geschnitten, mit malerischen Elementen dezent überlagert, dazu zeitlupenartig verlangsamt, entwickelt diese historische Begebenheit eine eigenwillig choreografierte Spannung.

Die Flüchtigkeit des Moments der freudig vorbei marschierenden Hochzeitsgäste, die diffuse Bewegungsunschärfe und die subtile Zeitdehnung lassen die Vergangenheit neu aufleben, der Betrachter wird unmerklich in den Bann dieser fröhlichen Gesellschaft gezogen.

Bis 15. November. Do + Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr.

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