Seilerei Berger

Firma aus Neuendorf stellt «Weg vom Hanfseil zur Spitzentechnologie» vor

Oswald Berger, Mitinhaber der Seilerei Berger.

Oswald Berger, Mitinhaber der Seilerei Berger.

Ein Betrieb, der seine Wurzeln in Neuendorf hat und Gewinner des Solothurner Unternehmerpreises 2015 ist, war Gast beim Gewerbetreff der Neuendörfer Industrie- und Gewerbekommission: die Seilerei Berger.

Die Wiege der Seilerei Berger stand in Neuendorf. Der 1917 geborene Ernst Schneider machte sich 1951 selbstständig. An der Roggenfeldstrasse betrieb er in einem 2-Mann-Unternehmen eine 45 Meter lange Seilerbahn. Aus Naturfasern wie Hanf, Jute oder Sisal spann und verdrillte er Seile hauptsächlich für die Landwirtschaft. Mit dem Veloanhänger reiste Schneider an Jahrmärkte, um seine Ware zu vertreiben.

Damals kostete 1 Kilo Rohhanf 8 Franken, der Stundenlohn betrug Fr. 1.20. Ab den 1970er-Jahren produzierte Schneider – immer in Handarbeit – auch Seile für das Militär, die Post und die Bahn. Typische Artikel waren Endlosschlingen aus Hanf für Hebekräne, beispielsweise für die Eisengiesserei von Roll in der Klus.

Zuerst Koch gelernt

Für Ernst Schneider löste sich das Nachfolgeproblem, als Oswald Berger aus Niederbuchsiten in die Firma eintrat. Oswald Berger war eigentlich gelernter Koch, doch nach der RS machte er noch eine zweite Lehre als Seiler – bei seinem Schwiegervater Ernst Schneider. 1983 übernahmen Oswald Berger, seine Frau Elisabeth Schneider und sein Bruder Simon gemeinsam die Firma. Das Startkapital betrug zwei Mal 8000 Franken.

Ernst und Rosemarie Schneider.

Ernst und Rosemarie Schneider.

1984 wagte die Seilerei Berger den Schritt in die moderne Technik. Für 100 000 Franken beschaffte sie ein vollautomatisches Abseilgerät. Die Investition lohnte sich, innert dreier Jahre war das Gerät amortisiert. Damit liess sich beispielsweise ein Strick in 45 Sekunden herstellen, so entstanden im ersten Jahr 300 000 Stricke. 1985 begann ein erster Lehrling seine Ausbildung.

Polyester hielt Einzug

Nach und nach hielten auch neue Materialien Einzug. Ab 1986 fabrizierten die Bergers Einlagegarn für Polyesterrundschlingen. Daneben wurde jedoch stets das traditionelle Handwerk gepflegt. Sich in der Dicke verjüngende Schnürleinen für das Militär wurden nach wie vor von Hand hergestellt; dabei spezialisierte sich Simon Berger auf das Spinnen, Oswald drehte die Seile. Und nach wie vor bestehen die 50 000 Laufmeter Turnhallenseile, welche die Firma Berger produziert, aus Hanf.

In den 1990er-Jahren kam der Geschäftsbereich Spielplätze dazu mit Schaukeln («Ritiseili») oder Kletternetzen. Da war der Weg nicht weit zu Sportnetzen, Bau- und Industrienetzen und Fallschutznetzen.

Eine Spezialität ist heute die Konfektionierung der Netze für die Literaturtaschen aus unbrennbarem Material, wie sie an der Rücklehne der Flugzeugsitze zu finden sind. Weitere Marksteine in der Firmengeschichte waren 1996 der Kauf der 120 Meter langen Reeperbahn im Mühletal bei Zofingen, wo alle Taue gedreht werden, die dicker als 25 Millimeter sind.

2003 erfolgte der Wechsel des Firmenstandortes nach Laupersdorf. Bereits ist mit Nicole, Stephanie und Simon Berger die dritte Generation im Betrieb aktiv. Beschäftigt werden insgesamt 26 Personen. Oswald Berger und sein Bruder Simon sind Inhaber und bilden zusammen mit Elisabeth Berger die Geschäftsführung.

Seil für Matterhorn-Film

Im Jahre 2007 erhielt die Berger GmbH den Auftrag, für einen Dokumentarfilm das Seil der Matterhorn-Erstbesteiger nachzubauen. Es war damals kein Kletterseil, das die Männer um Edward Whymper benutzten, sondern ein Materialseil von 9 Millimeter Durchmesser, das den Absturz nicht aushalten konnte und riss.

Zukunftsgerichtet dagegen ist ein Seil, das im Dunkeln leuchtet. Ein solches Produkt, das beispielsweise in Tunnel-Notausgängen eingesetzt werden kann, will das Familienunternehmen Berger entwickeln mit einem Check aus dem Forschungs- und Innovationsfond des Bundes.

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