Fotografie, Skulpturen, Malereien, Jazz, Volksmusik, gar Poetry Slam. In der Alten Kirche in Härkingen wird regionale Kunst gefördert, ungeachtet deren Form. Die Förderer selbst halten sich dabei stets im Hintergrund. Denn schliesslich geht es darum, Künstlern aus der Region oder mit einem besonderen Bezug zum Gäu eine Plattform zu bieten.

«Wir sind keine Galerie», sagt Judith Nussbaumer, Vizepräsidentin des Vereins Alte Kirche Härkingen. «Bei uns geht es nicht ums Geld, sondern um die Wirkung.» Trotzdem: Ohne Geld kann die Institution nicht funktionieren.

Der Kulturbetrieb läuft über das Winterhalbjahr, von Ende Oktober bis anfangs Mai. Während des Sommers kann das Gebäude für private Anlässe wie etwa Hochzeiten gemietet werden. Seit Kurzem erhalten Künstlerinnen und Künstler auch Gelegenheit, während des Sommers auf sich aufmerksam zu machen.

Und zwar mit Skulpturen und Installationen auf dem Gelände direkt neben der Alten Kirche. «Das ist natürlich auch grad gute Werbung», so Martin Heim. Er hält das Präsidium bereits seit der Gründung des Vereins 1991 inne. Dieser entstand aus dem Zusammenschluss der Kulturkommission Alte Kirche Härkingen und des Vereins Freunde Alte Kirche Härkingen.

«Übrigens hat das Oltner Tagblatt auch seinen Teil getan», bemerkt Heim mit einem Augenzwinkern. Der damalige Chefredaktor dieser Zeitung, Max Schnetzer, sei nämlich der Präsident des Vereins Freunde Alte Kirche Härkingen gewesen und habe massgebend zur Erhaltung der Kirche und zur Förderung als Kulturzentrum beigetragen.

Nicht so wie eine Galerie

Seit knapp 30 Jahren finden in der Alten Kirche Ausstellungen dieser Art statt. Verantwortlich für die Durchführung ist der Verein um Heim und Nussbaumer. Das zwölfköpfige Team besteht aus Persönlichkeiten aus Härkingen sowie aus der Region. «Wir entscheiden im Vorstand gemeinsam, welche Ausstellungen und welche Konzerte wir aufnehmen», erzählt der Präsident.

Oftmals kämen Inputs von Aussen, Künstler und Künstlerinnen, die anfragen, ob sie ausstellen dürften. Aber auch andersrum ergeben sich viele Kontakte. «Wir erfahren sehr viel Wertschätzung von den Künstlern», sagt Nussbaumer. «Bei uns können sie diejenigen Werke ausstellen, die sie in einer Galerie vielleicht nicht zeigen würden.» Denn der Verein lasse den Künstlern viel Freiraum.

«Wir haben auch schon kontroverse oder polarisierende Ausstellungen gehabt», so Heim. «Aber das macht unsere Institution eben aus.» Weil es zudem in der Region nicht mehr so viele Galerien wie früher gäbe, sei die Kirche in der Kunstszene wichtiger geworden.

«Wir kommen grad so durch»

«Wir haben schon beobachtet, wie sich die Ausstellungen verändert haben», bemerkt Nussbaumer. Früher, da sei alles noch einfacher gewesen. «Die Wirtschaft hat ganz anders funktioniert. Früher gab es viele Unternehmer, die Werke für ihre Kunden oder für ihre Büros kauften», so Heim. «Das gibt es heute nicht mehr.»

Der Erhalt der Institution sei deshalb schwieriger geworden. «Wir kommen grad so durch», sagt Heim mit einem Schulterzucken. Die Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Der Verein könne auf die finanzielle Unterstützung der Bürgergemeinde Härkingen sowie der Einwohner- und Kirchgemeinde zählen. Ausserdem erhaltet die Institution 30 Prozent der Einnahmen, wenn die Ausstellenden etwas verkaufen. «Deshalb ist wichtig, dass wir immer einen guten Mix anbieten», hält Heim fest.

In Zukunft genauso weiter

Für die Zukunft ist Heim trotz dieser Veränderungen nicht besorgt: Die Zukunft des Vereins hange von den Leuten ab, die ihn tragen. «Wichtig ist deshalb, dass wir junges Blut nachziehen konnten», sagt der Präsident.

Nun wünsche sich der Vorstand eigentlich einfach noch ein Mitglied mit Erfahrung im Marketing-Bereich. «Um um Sponsoring zu ermöglichen», erklärt Heim. Ausserdem ist der Verein immer wieder auf der Suche nach Aufsichtspersonen, die während den Ausstellungen anwesend seien. Die Arbeit des Vereins sei schliesslich wichtig: «Die Alte Kirche ist aus der Kunstszene nicht mehr wegzudenken», ist Heim überzeugt.

Momentan werden in der Alten Kirche die Werke vierer jungen Künstlerinnen aus dem Gäu ausgestellt. Auch für die weiteren Wochen und Monate steht das Programm. Das Zückerchen: Den Abschluss dieser Wintersaison bildet Slam-Poet Kilian Ziegler aus Trimbach mit Samuel Blatter. Die Komiker werden mit ihrem Programm «Ausbruch aus dem Strauchelzoo» am 5. Mai das diesjährige Ausstellungsjahr ausklingen lassen.