Petra M.*, die ehemalige Finanzchefin eines Gäuer Metallbau- sowie eines Glasbauunternehmens, wurde von zwei Polizeibeamten in den Gerichtssaal des Amtsgericht Thal-Gäu im Schmelzihof in Balsthal begleitet. Die 52-jährige Frau befindet sich seit 12. November 2014 im vorzeitigen Strafvollzug im Frauengefängnis Hindelbank BE. Sieben Monate zuvor war die im Raum Solothurn wohnhafte Frau wegen der Veruntreuung von Firmengeldern in der Höhe von 2,231 Mio. Franken in Untersuchungshaft genommen worden. Diese hohe Summe veruntreute die mit einer schlichten Baumwolljacke und grauer Kurzhaarfrisur zur Verhandlung erschienene Frau zwischen März 2007 und und Januar 2014.

Angeklagte bedauert Tat

Dazu gekommen sei es, weil sie ihrem todkranken Mann ein schönes Leben habe bieten wollen, meinte die Angeklagte auf Nachfrage von Amtsgerichtpräsident Guido Walser. «Er war meine grosse Liebe und es war mein Wunsch, ihn in Frieden gehen zu lassen», sagte die Frau mit leiser Stimme zum Richter. Sie wisse, dass das ein grosser Fehler gewesen sei, und bereue ihre Taten. Bei der Besitzerfamilie der Unternehmen habe sie sich entschuldigt. Sie sei von ihnen stets gut behandelt worden. Nun sei sie bereit, die Konsequenzen für ihr Verhalten zu tragen, sagte die Angeklagte zum Richtergremium.

In die von ihr geschädigte Firma eingetreten war Petra M. im Jahr 2006. Aufgrund ihrer Funktion als Finanzchefin erhielt sie 2007 als Mitglied der Geschäftsleitung die Einzelzeichungsberechtigung für PostFinance-Konten sowie etwas später die Kollektivprokura zu zweien. Über die PostFinance-Konten wurde üblicherweise die Firmenkasse mit flüssigen Mittel ausgestattet. Für die dafür notwendigen Bargeldbezüge zeichnete Petra M. verantwortlich.

Allerdings liess sie sich schon bald dazu hinreissen, Geld in die eigene Tasche abzuzweigen. Statt im handschriftlich geführten Kassabuch verbuchte Petra diese Beträge als Barzahlungen von Kunden. Dabei handelte es sich um Beträge zwischen 700 und 13 000 Franken. Mit dieser Art der Verbuchung erreichte sie, dass der Kassenbestand mit dem effektiven Saldo im Hauptbuchkonto der Kasse übereinstimmte. Später tätigte sie Stornobuchungen im selben Umfang.

Fiktive Materialeinkäufe getätigt

Abgezweigtes Geld «ersetzte» die Financhefin auch, indem sie im handschriftlichen Kassenbuch fiktive Ausgaben für Materialeinkäufe eintrug. So wanderten zum Beispiel zwischen Januar 2008 und Dezember 2008 rund 125 000 Franken für angebliches «Stangen-Aluminum» in die Tasche von Petra M, statt in die Lieferfirma. Mit fiktiven und inhaltlich falschen Angaben in der Buchhaltung schaffte es die Angeklagte fast sieben Jahre, die geschädigten Firmen und die Revisoren erfolgreich zu täuschen. Als der Betrug im April 2014 aufflog, betrug die veruntreute Summe 2,231 Mio. Franken.

Ein hoher Betrag, wie auch Amtsgerichtspräsident Guido Valser befand. Dennoch willigte das Gericht dem mit Staatsanwalt Mike Kindler ausgehandelten «Deal» zu, Petra M. im abgekürzten Verfahren wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsführung und mehrfacher Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten zu verurteilen. Auch der amtliche Verteidiger Reto Gasser erklärte sich im Namen seiner Mandantin mit dem Strafmass einverstanden.

* Name von der Redaktion geändert