Musikfesttage

Finale im Dreivierteltakt: Die Mümliswiler Classionata geht in die 10. und letzte Runde

Die Classionata-Premiere der Strauss-Operette «Wiener Blut» war sowohl Anfang als auch Ende. Die Internationalen Classionata-Musikfesttage finden heuer zum letzten Mal im Guldental statt. Nächstes Jahr wird in Solothurn gesungen.

Die 10. Internationalen Classionata-Musikfesttage werden als «Mümliswiler Finale im Dreivierteltakt» in die Annalen eingehen. Als Wendepunkt vor dem Umzug; getragen von einer beschwingten Produktion der Strauss-Operette «Wiener Blut», welche das Publikum in die goldene Ära der Wiener Operette entführt.

Geprägt auch vom Abschiednehmen vom Classionata Symphonie Orchester, einem sehr guten Sinfonieorchester, jedoch nicht wirklich spritzigen Operetten-Ensemble sowie der Option, die Classionata in Solothurn zu einem «Schweizer Mörbisch» positionieren zu können.

Operette mit sinnlichem Flair

Das Potenzial dazu ist durchaus vorhanden, wie Spiritus Rector Andreas Spörri mit der Zweitauflage von «Wiener Blut» einmal mehr beweist. Als Intendant, künstlerischer Leiter, Dirigent und Regisseur in Personalunion gibt er dem Operetten-Genre das oft vermisste sinnliche Flair zurück.

Classionata in Mümliswil: Ausschnitt aus der Strauss-Operette «Wiener Blut»

Ausschnitt aus der Strauss-Operette «Wiener Blut»

Operetten-Liebhaber sind Menschen, die sich von guter Musik und schönen Bühnenbildern verzaubern lassen, die geniessen und schweben wollen. Entgegen der Oper und dem Sprechtheater lebt die Operette von Sentiment, Walzerseligkeit und einer augenzwinkernden Portion Nostalgie und Opulenz. Ingredienzen, die Andreas Spörri gekonnt einsetzt, um eine Libretto-treue Operetten-Enklave zu schaffen. Wo auf gutem Niveau gesungen und musiziert sowie auf die Kraft des Originals vertraut wird.

Die in der Zeit des Wiener Kongresses angesiedelte Verwechslungskomödie, wo jede mit jedem anbändelt, wirkt so selbst in Biedermeier-Kostümen zeitlos. Das hat Charme: Michael Kurz gibt den Grafen Zedlau mit gut fokussiertem Tenor und umwerfend komisch, wenn er einer Geliebten gesteht: «Dann und wann muss man auch bei seiner Frau sein.»

Tänzerin Franziska alias Verena the Best als exzentrischer Vamp, Fauke Schäfer mit der Grandezza einer Gräfin und Katrin Fuchs als burschikos-naive Kammerzofe Pepi sind nämlich Rivalinnen um die Gunst des adeligen Casanova. Auch der händeküssende mit ungarischem Akzent einnehmende Graf Bitowski (Imre Ürmössy) lässt sich von den Damen bezirzen, während der herrlich sächselnde Bassbuffo Olaf Plassa als Fürst die Gräfin begehrt, jedoch die Tänzerin erobert. Richard Klein zeichnet den Diener Josef mit Wiener Schmäh und Wendigkeit, bekommt am Schluss seine Pepi.

In der Maske - Hinter den Kulissen der Classionata Mümliswil

In der Maske - Hinter den Kulissen der Classionata Mümliswil

«Wiener Blut»

Einen echten Volkstyp verkörpert Josef Krenmair alias Kagler, stimmt während des Kulissenumbaus das bekannte Lied «Ich trag in meinem Herzen drin a Stückerl altes Wien» an. Kein Stilbruch, denn «Wiener Blut» ist ein von Kapellmeister Adolf Müller 1899 aus den beschwingtesten Strauss-Melodien zusammengestelltes Werk, welches mit der Fülle an zündender Musik und fröhlichen Tanzgeistern zu einer vollgültigen Strauss-Operette wurde.

In Mümliswil setzte das Tanzpaar Natalia Bolzer und Daniel Greaben von der Bühne Baden bei Wien in der tollen Choreografie von Evelyn Téri ein Glanzlicht. Erkennt das Grafenpaar, dass das «Wiener Blut» an allem schuld ist, löst sich alles in Minne auf. Zu Vater Strauss’ Radetzkymarsch dürfen sich Dirigent, Solisten, Chor, Orchester – das ganze Team von stehenden Ovationen feiern lassen.

Weitere Aufführungen bis 7. Mai, jeweils 19.30 Uhr. Sonntags, 17 Uhr, Aula Brühl. 1. Mai, 19.30 Uhr, Kirche St. Martin, Mümliswil, Mozart/Rossini-Gala mit Dimitri Ashkenazy, Klarinette.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1