Kestenholz

Figur auf dem Kreisel: Grässlich. Geht so. Eigentlich ganz gut

Die Meinungen über die Figur im Kreisel beim Dorfeingang haben sich gewandelt. Am Anfang noch durchwegs schlecht, wird das Werk des St.Galler Künstlers Hans Thomann nun deutlich positiver wahrgenommen.

Er sei sich immer sicher gewesen, sagt der Künstler Hans Thomann, dass die Kestenholzer – wenn auch nicht alle – eines Tages ihre Freude haben werden an der Skulptur, die er geschaffen hat. Sie trägt den Namen «Wir sind Kestenholz, Punkt» und steht im Kreisel beim Westeingang des Dorfes. Ein halbes Jahr ist vergangen, seit sie aufgestellt wurde – und siehe da, Thomann scheint recht zu bekommen.

Geprüft und für gut befunden

Die Gemeinde Kestenholz hat die Figur von einem anonymen Spender angeboten bekommen. Eine extra eingesetzte Kommission hat das Angebot anhand von Zeichnungen und Recherchen geprüft und zur Annahme empfohlen.

Hans Thomann aus St. Gallen hat die Skulptur dann hergestellt, 3,18 Meter hoch, zusammengesetzt aus 1632 Kastanienbaumblättern aus Stahl, abgeleitet vom Kastanienbaum im Gemeindewappen von Kestenholz. Der Künstler sagt dazu: «Die Gesamtheit aller Blätter ergibt das Bild eines Menschen, Versinnbildlichung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Kestenholzerinnen und Kestenholzer.»

«Kein Alteisen, das ist Kunst»

Ende April wurde die Figur aufgestellt und von da an ging die Diskussion los. Von offizieller Seite her waren nur lobende Töne zu hören. Dafür lästerten jene, die keine Freude daran hatten, umso heftiger. «Fürchterlich ist sie, sieht ja aus wie eine Mumie.»

Gar abgeschreckt fühlt sich der Balsthaler Bildhauer und Künstler Norbert Eggenschwiler. In einer Kolumne im «Anzeiger» schrieb er: «Diese Figur sollte Fremde willkommen heissen, mich schreckt sie ab.» Das Thema «Wir», das ein familienfreundliches und aufgeschlossenes Dorf zeigen sollte, mit einem männlichen Korpus darzustellen, entspreche der Geisteshaltung aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts.

Unterdessen ist im Dorf die Diskussion abgeflaut. «Was will man? Die Figur steht nun mal da», heisst es. Oder: «Geht so. Ich verstehe halt nichts von Kunst.» Festzustellen ist aber, dass das Lager derjenigen Leute, welche die Figur gut finden, deutlich grösser geworden ist – vorausgesetzt, die Leute meinen es ehrlich. Eine Frau gibt zu, sie habe in der Anfangsphase gespottet und einmal zu einem Alteisenhändler gesagt: «Den dort auf dem Sockel darfst du nicht mitnehmen. Das ist Kunst.» Heute sehe sie es anders. Ein Mann berichtet, er fahre alle Tage daran vorbei und es sei bei ihm jetzt so weit, dass ihm etwas fehlen würde, wenn die Figur nicht mehr da wäre.

Mit Fahne geschmückt

Ja, und wäre sie nicht da, hätte sie am 1. August – zum Gaudi vieler – nicht mit einer Schweizer Fahne geschmückt werden können. Was hält der Künstler von solchem Tun? «Das stört mich gar nicht. Es freut mich sogar», antwortet Hans Thomann. «Denn das bedeutet für mich, die Kestenholzer lassen die Figur am Dorfleben teilhaben. Sie ist also Teil des Dorfes geworden. Was will ich mehr?»

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