Neuendorf
Feuerwehr weist ein – und die Polizei verteilt hinterher Bussen

460 Personen besuchten das Konzert von Nubya in der Pfarrkirche in Neuendorf. Jene, die mit dem Auto angereist kamen, wurden von der Feuerwehr eingewiesen. Doch dann kam eine Polizeipatrouille und verteilte Parkbussen.

Erwin von Arb
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Autos, die an der Bifangstrasse abgestellt waren, wurden während des Konzerts mit Parkbussen belegt.

Autos, die an der Bifangstrasse abgestellt waren, wurden während des Konzerts mit Parkbussen belegt.

Bruno Kissling

Alljährlich lädt die Migros Verteilbetrieb Neuendorf AG (MVN) in der Vorweihnachtszeit zu einem besinnlichen Konzert in die Pfarrkirche ein. Dieses Jahr war die Sängerin Nubya in der Gäuer Gemeinde zu Gast. Dass die MVN einmal mehr eine gute Wahl getroffen hat, machte der Publikumsaufmarsch am 7. Dezember deutlich: 460 Personen zwängten sich in die bis auf den letzten Platz besetzte Kirche, um beim Konzert dabei zu sein.

Gefordert war an diesem Abend auch die örtliche Feuerwehr, die für den Verkehrsdienst verantwortlich zeichnete. Keine leichte Aufgabe beim Grossandrang mit mehreren hundert Fahrzeugen, wie dies bei MVN-Konzerten in den letzten zehn Jahren meist der Fall war. Wie bei Grossanlässen in der Neuendörfer Kirche üblich, wurden für die Parkierung der Fahrzeuge beide Strassenseiten des Chilchwegs benutzt, und als das nicht mehr ausreichte, weitere Autos auf der Nordseite der Bifangstrasse abgestellt.

Dieses «Gewohnheitsrecht», bei Grossanlässen Autos auch an der Bifangstrasse abzustellen, wurde an diesem Abend völlig überraschend von einer Patrouille der Kantonspolizei ausgehebelt. Die Beamten belegten sämtliche der 13 Fahrzeuge mit einer Ordnungsbusse von 120 Franken wegen Parkieren auf dem Trottoir.

Feuerwehr sammelte Bussen ein

Davon merkten die betroffenen Automobilisten nach dem Konzert allerdings nichts. Die Bussen waren nämlich nach Absprache mit der Polizei von Angehörigen der Feuerwehr eingesammelt und am Folgetag auf den Polizeiposten in Egerkingen gebracht worden. «Meine Kollegen waren nach dem Gespräch mit der Polizei der Auffassung, dass die Sache damit erledigt ist», erklärt Feuerwehrkommandant Christian Studer auf Anfrage. Er selbst sei am fraglichen Tag nicht vor Ort gewesen.

Irritiert zeigt sich der Kommandant darüber, dass die Polizei ein seit Jahrzehnten von der Feuerwehr praktiziertes und geduldetes Parkplatzregime ohne Ankündigung ignoriere und plötzlich Bussen verteile. Die Beamten hätten nicht einmal das Gespräch mit dem Verkehrsdienst der Feuerwehr gesucht. «Die Bussen sind von der Gesetzgebung her gerechtfertigt, trotzdem finde ich es nicht richtig, dass uns die Polizei ins offene Messer laufen liess», moniert der Kommandant.

Dass die Sache mit den Parkbussen keineswegs ausgestanden ist, erfuhren die betroffen Automobilisten zwei Tage nach dem Konzert. Ihnen flatterte mit der Briefpost die erwähnte Busse ins Haus. Sie fiel mit 120 Franken so hoch aus, weil durch die halb auf dem Trottoir parkierten Autos weniger als ein 1,5 Meter Platz für die Fussgänger verblieb.

«Polizei hat zu Recht gebüsst»

Ob die «Parksünder» diese Busse bezahlen müssen, stand bis gestern noch nicht fest. Vonseiten der Polizei wurde nämlich auch der mit einer Busse belegte Berichterstatter dieser Zeitung telefonisch dazu aufgefordert, bei der Kantonspolizei dagegen Einsprache zu erheben. Ihm wurde in Aussicht gestellt, er müsse die Busse nicht bezahlen. Nötig sei die Einsprache, weil sich die Busse bereits im System der Kapo befinde.

Die Kantonspolizei bestätigte auf Anfrage, dass an besagtem Abend an der Bifangstrasse Bussen verteilt wurden. Allerdings sei dies völlig zu Recht erfolgt, weil dafür von der Feuerwehr keine Bewilligung eingeholt worden sei. Eine solche habe nur für die Neustrasse, eine Kantonsstrasse, vorgelegen. Eingeholt wurde diese Bewilligung wie jedes Jahr von der MVN.

Alle Bussen werden annulliert

Als der Parkraum an der Neustrasse ausgeschöpft gewesen sei, habe die Feuerwehr weitere Fahrzeuge zum Einparken auf dem Trottoir in die Bifangstrasse dirigiert, was nicht dem Strassenverkehrsgesetz entspreche, hält Kapo-Mediensprecher Bruno Gribi auf Anfrage fest. Die Bussen seien auch nicht aus heiterem Himmel ausgesprochen worden. Wären schon in früheren Jahren parkierende Autos auf dem Trottoir der Bifangstrasse bemerkt worden, hätte es auch eine Busse abgesetzt, so Gribi.

Weil die betroffenen Fahrzeuglenker aber beim Einparken in den zugewiesenen Parkraum von einer rechtmässigen behördlichen Anordnung ausgehen konnten, wie Gribi bemerkt, werden sämtliche Bussen zurückgezogen. Dies sei auch so entschieden worden, weil die Kommunikation mit den betroffenen Fahrzeuglenkern widersprüchlich gewesen sei. Die administrativen Schritte für die Annullierung der Bussen wurden bereits eingeleitet, wie Gribi erwähnte. Um künftig solchen Missverständnissen zwischen Feuerwehr und Polizei vorzubeugen, sei das Gespräch mit der Neuendörfer Feuerwehr bereits aufgenommen worden.

Feuerwehrkommandant Christian Studer ist erleichtert, dass nun die gebüssten Autofahrer nicht die Fehler der Neuendörfer Feuerwehr ausbaden müssen. Die ganze Sache habe aber einen Einfluss auf das künftige Parkplatzregime bei Grossanlässen in Neuendorf. Strassen mit Trottoirs kämen dafür nun nicht mehr infrage.

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