Oensingen

FDP «besiegt»: Fabian Gloor kehrt die Kräfteverhältnisse

Fabian Gloor (CVP) geht gestärkt in den Wahlkampf um das Gemeindepräsidium.

Fabian Gloor (CVP) geht gestärkt in den Wahlkampf um das Gemeindepräsidium.

Dank 1100 Stimmen, die in Oensingen bei den Kantonsratswahlen allein für CVP-Kandidat Fabian Gloor abgegeben wurden, erreichte die Liste der CVP Thal-Gäu im Dorf einem Wähleranteil von 31,1 Prozent. Die sonst dominierende FDP kam lediglich auf 23,45 Prozent.

Verkehrte Welt in Oensingen: Statt wie sonst üblich bei Wahlen lag am Sonntag nach den Kantonsratswahlen nicht die Liste der FDP in Front, sondern jene der CVP. Dank 1100 Stimmen, die in Oensingen allein für CVP-Kandidat Fabian Gloor abgegeben wurden, kam die Liste der CVP Thal-Gäu auf 4735 Stimmen, was einem Wähleranteil von 31,1 Prozent entspricht. Die FDP kam lediglich auf 3571 Stimmen und einen Wähleranteil von 23,45 Prozent. Normalerweise ist das Kräfteverhältnis der beiden Parteien genau umgekehrt. Bei den Gemeinderatswahlen 2013 erreichte die FDP einen Wähleranteil von 36,6 Prozent, die CVP einen solchen von 24,5 Prozent.

Gloor bleibt auf dem Boden

Bedeutet dieses Glanzresultat der CVP das Ende der jahrzehntelangen FDP-Dominanz in Oensingen und damit auch gleich den Sieg von Fabian Gloor bei der Gemeindepräsidentenwahl vom 23. April? Gloor winkt ab. Der Zähler werde nach der aus seiner Sicht sehr erfolgreich verlaufenen Kantonsratswahl wieder auf Null stehen. Der 27-jährige Präsident der CVP-Amteipartei Thal-Gäu schaffte am Wochenende mit einem überraschend guten Resultat den Sprung in den Kantonsrat.

Seine Chancen hätten sich damit sicher nicht verschlechtert, meint Gloor betont zurückhaltend. Natürlich könne diese Vernetzung in den Kantonsrat ein Grund mehr sein, als Gemeindepräsident gewählt zu werden und ihm damit die Chance eröffnen, die Nachfolge von FDP-Gemeindepräsident Markus Flury anzutreten. Ein Durchmarsch werde das aber sicher nicht, auch wenn ihn der Vertrauensbeweis der Oensinger Bevölkerung sehr freue. «Wir werden trotzdem seriös weiterarbeiten und am formulierten Ziel festhalten, die zwei Sitze der CVP im Gemeinderat zu verteidigen», betont Gloor. Dazu gehöre auch seine Wahl zum Gemeindepräsidenten. «Ich bin angetreten, um zu gewinnen», meint er zu seiner persönlichen Zielsetzung.

Nicht im Vordergrund steht für Gloor hingegen, ob die CVP die FDP bei den Gemeinderatswahlen als stärkste Partei im Dorf ablösen könnte. Wichtig sei, dass die Gemeinde eine gute Führung bekomme, wofür er mit seiner Person stehe. Wahlchancen rechnet sich Gloor auch aus, weil er neben Georg Schellenberg der einzige der sieben Gemeinderäte ist, der wieder zur Wahl antritt. Diese Erfahrung sei natürlich von Vorteil, auch mit Blick auf die neue Leiterin Verwaltung, welche ihr Amt im August antreten werde. Den durch die Wahl in den Kantonsrat spürbaren Schub will Gloor nutzen, um für die CVP und in eigener Sache Werbung zu machen.

Hafner will mit Erfahrung punkten

Vollgas geben will in den verbleibenden sechs Wochen bis zu den Gemeinderats- und Beamtenwahlen auch FDP-Kandidat Theodor Hafner. Allerdings stärkten ihm die Oensinger FDP-Wähler bei der Kantonsratwahl nicht in dem Mass den Rücken, wie er sich das gewünscht hätte. Auf der Liste der FDP belegte er in Oensingen nach Johanna Bartholdi (Egerkingen) und Karin Büttler-Spielmann (Laupersdorf) den dritten Platz. Normalerweise erzielen Einheimische in ihrem Dorf meist das beste Resultat, so wie das Gloor auf der CVP-Liste schaffte. Hafner, der über alle Gemeinden hinweg den zweitletzten Platz auf der FDP-Liste belegte, hat für sein schlechtes Abschneiden eine Erklärung: «Es wurde erst spät publik gemacht, dass ich für den Gemeinderat und als Gemeindepräsident von Oensingen kandidieren werde.» Trotzdem finde er es aber enttäuschend, dass in Oensingen nur 392 Stimmen für ihn abgegeben worden seien. Immerhin habe er im gemeindeinternen Duell 53 mehr als Georg Schellenberg von der SVP erzielt, versucht sich Hafner in Optimismus.

Eine seiner Stärken sei, sich rasch auf neue Situationen einzustellen, sagt Hafner in Bezug auf seine Kandidatur als Gemeindepräsident. Seine Chancen beurteile er als intakt. Nun gelte es die FDP-Wählerschaft zu mobilisieren. Tun will dies Hafner auch mithilfe von bekannten Persönlichkeiten, sogenannten Göttis, die für ihn Werbung machen sollen. Die Führung der Gemeinde sei bei ihm in guten Händen, insbesondere wegen seiner grossen und breit gefächerten Erfahrung, so der 64-Jährige. Eine solche sei nötig, um auf der Gemeindeverwaltung die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.
Schellenberg reagiert nicht

Nicht erreichbar war am Montag Georg Schellenberg von der SVP, der wie Hafner ebenfalls nicht in den Kantonsrat gewählt wurde, aber auch für das Gemeindepräsidium kandidiert. Immerhin erreichte er in Oensingen nach Beat Künzli (Laupersdorf) das zweitbeste Resultat auf der SVP-Liste. Innerhalb der Amtei landete er aber abgeschlagen auf dem zweitletzten Platz. Wie sich diese Resultate auf seine Kandidatur als Gemeindepräsident auswirken, wird sich am 23. April zeigen.

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