Härkingen
Faszination für Farne in allen Farben und Formen

Maria und Michael Schneider züchten und verkaufen in der alten Gärtnerei in Härkingen über 700 verschiedene Arten von Farnen. Darunter befinden sich Exemplare aus Japan, Neuseeland und Chile sowie auch aus den heimischen Wäldern.

Sarah Kunz
Drucken
Teilen
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Maria und Michael Schneider betreiben seit rund einem Jahr in der Alten Gärtnerei in Härkingen mit Farmwerk eine auf heimische und tropische Farne spezialisierte Farngärterei.
17 Bilder
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Michael und Maria Schneider inmitten ihres eigenen kleinen Urwalds.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Im Gewächshaus haben sie unter Michaels Lieblingsfarn, dem Hirschgeweihfarn, eine Leseecke eingerichtet.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Im Aussenbereich begrüsst ein Garten aus einheimischen Farnen. Im Sommer blüht alles grün.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider «Mittlerweile können wir aufgrund der Anordnung der Sori und der Grösse, Form und Farbe der Wedel Rückschlüsse auf die Familienzugehörigkeit und damit auch auf die Pflegeansprüche des jeweiligen Farns ziehen.»
Farnwerk Härkingen
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.
Farnwerk - Maria und Michael Schneider Eindrücke aus der Gärtnerei.

Farnwerk - Maria und Michael Schneider Maria und Michael Schneider betreiben seit rund einem Jahr in der Alten Gärtnerei in Härkingen mit Farmwerk eine auf heimische und tropische Farne spezialisierte Farngärterei.

Bruno Kissling

Wer in eines der Gewächshäuser in der alten Gärtnerei in Härkingen eintritt, hat sofort das Gefühl, sich in einem Urwald zu befinden: sattes Grün wohin das Auge blickt, trotz der eisigen Kälte draussen herrscht drinnen eine angenehme, fast schon tropische Wärme, die Luft ist wegen der hohen Luftfeuchtigkeit schwummrig.

«Hier haben wir unsere Exoten», erklärt Michael Schneider. «Für diese beheizen wir das eine Gewächshaus auf mindestens 16 Grad», fügt Ehefrau Maria an. Die Rede ist von Farnen: Cheilanthes argentea, Dryopteris purpurella, Phegopteris hexagonoptera oder wie sie auch alle in der Fachsprache heissen. Sie kommen aus Japan, Neuseeland, Chile oder aus dem heimischen Wald. In zwei Gewächshäusern züchten und verkaufen die Härkinger das Sporengewächs seit April dieses Jahres.

Härkinger bieten Marktnische

Farnwerk nennt sich ihr Geschäft. Über den Online-Shop können Interessierte die verschiedenen Farne anschauen und europaweit direkt über die Internet-Seite beziehen. «Viele kommen aber auch persönlich vorbei», sagt Michael Schneider. «Wenn jemand ein schattiges Plätzchen im Garten hat, eignet sich ein Farn hervorragend dafür», so Maria Schneider.

Die einheimischen Arten kosten zwischen 8 und 16 Franken. Die grossen und exotischen Farne können sich schnell im dreistelligen Bereich bewegen. Ihre Kundschaft bestünde hauptsächlich aus Privatkunden, aber auch Firmen oder Sammler haben schon ihre Stauden gekauft.

Schliesslich bietet das Ehepaar ein Nischenprodukt an: «Klar kriegt man in den meisten Gärtnereien auch Farne», sagt der 28-Jährige. «Aber die haben dann meistens nur die handelsüblichen Arten.»

Verkauft boomt wieder ab April

Von weltweit rund 12 000 bekannten Arten besitzen Michael und Maria Schneider über 700. Die gelernten Industriedesigner wollen aber noch mehr: «Unser Ziel ist es, das Geschäft hauptberuflich zu betreiben», sagt Michael Schneider. Er konzentriere sich bereits vollumfänglich auf die Farne. Ehefrau Maria arbeitet nebenbei noch im Marketingbereich.

Jetzt im Winter halte sich der Verkauf in Grenzen, da viele der Farne aufgrund der klimatischen Bedingungen gerade nicht treiben. «Im Moment geht es darum, die Arten zu beschreiben und die Aussaaten zu pikieren», erklärt die 29-Jährige. Das heisst, im Moment beschäftigt sich das Paar mit dem Erhalt der Zucht.

Im Frühling rücke der Verkauf wieder in den Vordergrund. «Ab April sind wir wieder jeden Samstag hier», fügt Ehemann Michael an. Aber auf Vereinbarung könne man so oder so jederzeit vorbeikommen.

Die Zucht der Farne ist gar nicht einmal so einfach: «Für eine Staude dauert die Vermehrung relativ lange», erklärt Michael Schneider. Platzen die Sori an der Unterseite des Blattes auf, kommen die Sporen zum Vorschein. Bis aus diesen zuerst Prothallium, also Vorkeime, und dann Jungpflanzen wachsen, braucht es bis zu drei Jahren.

Von Sibirien bis zur Wüste

Genau wie Pilze, Moos und Moosfarn gehören Farne zu den Sporengewächsen. Die Sporen seien aber auch bereits die einzige Gemeinsamkeit zwischen den verschiedenen Arten.

«Entgegen der allgemeinen Annahme, wachsen Farne nicht nur in feuchten Gebieten», sagt Maria Schneider. Von der sibirischen Hochebene bis zum Wüstenrand fände man die Pflanzen beinahe überall auf der Welt.

Viele der Gewächse würde das ungeschulte Auge überhaupt nicht als Farn erkennen, so wie er in unseren heimischen Wäldern wächst. So gibt es etwa den Hirschgeweihfarn, der tatsächlich einem Hirschgeweih ähnelt. Er ist zugleich Michaels Lieblingsfarn.

"Ich war schon immer ein Waldkind"

Die Faszination für Farne teilen die Härkinger bereits seit Jahren: «Ich war schon immer ein Waldkind», sagt Maria Schneider. «In der Natur habe ich mich von klein auf zu Hause gefühlt.» Im Studium haben die Züchter wegen verschiedener Projekte für Innenbegrünung mit Farnen zu tun gehabt und gemerkt, wie vielfältig das Gewächs sein kann.

«Es gibt Farne in allen Farben und Formen», schwärmt Michael Schneider. «Mittlerweile können wir aufgrund der Anordnung der Sori und der Grösse, Form und Farbe der Wedel Rückschlüsse auf die Familienzugehörigkeit und damit auch auf die Pflegeansprüche des jeweiligen Farns ziehen», ergänzt Maria Schneider.

Vieles über ihre Schützlinge bringt sich das Ehepaar im Selbststudium bei. «Über ganz seltene Arten gibt es aber kaum Angaben in der Literatur», sagt sie. «Da gilt es einfach: Aus Fehlern lernt man.»

Aktuelle Nachrichten