Egerkingen
Fast das ganze Leben nur «Mist» gebaut: Jetzt will er T-Shirts designen

Sein ganzes Leben verbrachte Marco Gugelmann in Heimen, Pflegefamilien oder im Gefängnis. Nun will sich der 22-Jährige aus Egerkingen selbst aus diesem Teufelskreis befreien. Er designed T-Shirts und eröffnet bald seinen eigenen Laden in Olten.

Erwin von Arb
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In diesem Einkaufszentrum in Olten eröffnet Marco Gugelmann Anfang April seinen eigenen T-Shirt-Laden.

In diesem Einkaufszentrum in Olten eröffnet Marco Gugelmann Anfang April seinen eigenen T-Shirt-Laden.

Erwin von Arb

Nein, kriminell will er nicht mehr werden und sein Geld in Zukunft auf ehrliche Art verdienen, wie Marco Gugelmann versichert. Das ist für den 22-jährigen Zürcher, der heute in Egerkingen lebt, nicht selbstverständlich, wie er freimütig einräumt. «Ich habe fast mein ganzes Leben lang einen Mist nach dem anderen gebaut.»

Gugelmann blickt auf eine schwierige Jugend zurück, welche er vorwiegend in Heimen oder Pflegefamilien verbrachte. Wirklich lange war er indessen nirgends, zu viele Probleme machte der Jugendliche, der sich bereits im Alter von 14 Jahren als Kleinkrimineller durchs Leben schlug. Statt zu arbeiten, versuchte er als Drogendealer zu Geld zu kommen oder ging schweizweit auf Diebestour. Auf sein Konto gingen auch Raubüberfälle sowie viele andere Delikte. «Ich habe damals davon gelebt», sagt Gugelmann.

«Viel Seich gemacht»

Eine Wende zum Besseren in seinem Leben erfolgte im Jahr 2007 in der Jugendstrafanstalt Aarburg, wo Gugelmann eine Lehre als Koch begann. Beenden konnte er diese Ausbildung indessen nicht auf der Festung. «Ich habe wieder mal so viel ‹Seich› gemacht, dass ich rausgeworfen wurde.» Die Lehre habe er glücklicherweise bei einem anderen Lehrmeister beenden können.

2010 war das nächste wichtige Jahr für Marco Gugelmann auf seinem Weg zurück in die Gesellschaft. Zur Kochlehre kam ein Handelsdiplom vom Feusi Bildungszentrum Solothurn. Während der Ausbildung in dieser Privatschule wohnte er bei einer Pflegefamilie in Gänsbrunnen.

Vor eineinhalb Jahren holte ihn seine Vergangenheit wieder ein. Er musste sich im Dezember 2011 als 20-Jähriger vor dem Richter für unzählige Delikte, wie Drogenhandel und Besitz von Drogen, dem Fälschen von Geldnoten, Diebstählen sowie anderem mehr verantworten. Zwei Jahre wurden Marco Gugelmann aufgebrummt, «auf Bewährung», wie der heute 22-Jährige betont. Dieses Urteil habe den Ausschlag gegeben, ein neues Leben anzufangen. «Ich wollte nicht mehr in den Bau und habe mich deshalb auf Jobsuche gemacht.»

Wirklich erfolgreich war er dabei aber nicht. Eher zufällig gestaltete er in dieser Zeit sein erstes T-Shirt mit einem von ihm entworfenen Sujet. Dieses liess er dann in einem darauf spezialisierten Geschäft bedrucken. Dass daraus eine Geschäftsidee mit Potenzial entstehen könnte, habe er damals nicht gedacht.

Motive nach Gusto

Das T-Shirt kam im Bekanntenkreis so gut an, dass Gugelmann fast jeden Tag in diesem Geschäft stand, um für Freunde und Bekannte T-Shirts nach deren Wünschen bedrucken zu lassen. Für Kunden, die selbst keine Ideen hatten, entwarf der Jungdesigner kurzerhand Motive nach deren Gusto. Inzwischen gibt es über 200 verschiedene Sujets, die er kreiert hat, wie Gugelmann nicht ohne Stolz erwähnt. Diese Arbeit gehe ihm leicht von der Hand. «Offenbar habe ich ein Flair für solche Dinge.»

Das Geschäft florierte so gut, dass Gugelmann am 2. April 2012 die Einzelfirma T-Shirt Time Store gründete. Über 1000 T-Shirts sind seither über den Ladentisch gegangen. Pro Stück fliessen aber lediglich Fr. 3.50 in Gugelmanns Taschen, den Rest kassiert das Fachgeschäft, wo er die T-Shirts noch immer bedrucken lässt. Das sei zu wenig, um davon wirklich leben zu können.

Vier T-Shirts pro Tag

Nun will der Jungunternehmer den nächsten Schritt wagen und sich abnabeln. Anfang April eröffnet er im Oltimo-Center in Olten seinen eigenen Laden. Einen Businessplan habe er schon. «Wie man so einen macht, weiss ich dank meinem Handelsdiplom.» Auch die Raiffeisenbank glaubt offenbar an Gugelmann, sie unterstützt den 22-Jährigen mit einem Kredit, mit welchem er die rund 20 000 Franken teure Maschine für die Bedruckung der T-Shirts beschaffen kann.

Marco Gugelmann ist optimistisch, dass sein Traum, selbstständig für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, mit dem neuen Geschäft in Olten in Erfüllung geht. Wenn er vier T-Shirts am Tag verkaufe, sei er bereits in den schwarzen Zahlen.

Dass er zwischenzeitlich wegen der aktuellen Geldnot wieder kriminell wird, schliesst Marco Gugelmann aus. «Für mich gibt es inzwischen genügend Gründe, für die es sich lohnt, draussen zu bleiben. Mein Geschäft und vor allem auch meine Freundin und Lebenspartnerin Jennifer Broggi, die immer an mich geglaubt und mir geschäftlich und privat zur Seite steht. Ich habe endlich wieder einen Platz in der Gesellschaft gefunden, den werde ich nicht mehr aufs Spiel setzen.» Ob Gugelmann seine hochgesteckten Ziele erreichen kann, wird sich in den kommenden Monaten weisen.