Sechs Jahre musste sich das Narrenvolk in Welschenrohr gedulden, bis endlich eine Nachfolge für Obernarr Frank Bielmeier gefunden werden konnte. Glücklichweise erbarmte sich Anfang Jahr aus derselben Fasnächtler-Familie Jessica Bielmeier. Sie ist inzwischen nicht nur Obernärrin, sondern auch Präsidentin des Narrenkomitees Schnapsloch (wir berichteten).

Eine Durststrecke von zwei Jahren zu überstehen hatte die Fasnachtshochburg Mümliswil-Ramiswil, bis wieder ein Obernarr präsentiert werden kann. Zur Verfügung gestellt hat sich Roger Walter, der als Rüschu I. der Fasnacht seinen Stempel aufdrücken will. Froh darüber ist Nadia Roth, die Präsidentin des Guldentaler Fasnachtskomitees (GFK).

Walter sei letztes Jahr angefragt worden, habe aber erst für 2017 zugesagt. Dass Walter jetzt sein Versprechen eingelöst hat, freut die 32-jährige GFK-Präsidentin umso mehr. «Es ist nicht mehr so einfach, jemanden für dieses zeitintensive Amt zu gewinnen.» Wer Obernarr werden wolle, müsse mindestens eine Woche Ferien investieren.

Fasnacht soll neu belebt werden

Einen Zustupf vom GFK bekommt der Obernarr übrigens nicht. «Das Komitee gibt auch so schon viel Geld für die Fasnacht im Dorf aus», erwähnt Roth. Beschafft werden diese Mittel mittels Sponsoringbeiträgen und Spenden. Um die etwas eingeschlafene Fasnachtskultur neu zu beleben, werden praktisch alle närrischen Aktivitäten in die Schulanlage Brühl verlegt. Dort findet nun auch der Maskenball statt. Welche neuen Kosten das verursache, etwa wegen Absperrungen oder dem Sicherheitsdienst, sei noch nicht klar. Roth hofft, dass die Rechnung wie in der Vergangenheit aufgehen wird.

Ohne Obernarr auskommen muss dieses Jahr die Gemeinde Matzendorf. Ein Nachfolger für Hugo Jakob alias Hugo The Best konnte nicht gefunden werden, wie Hans Kaufmann, Vorsitzender des Fasnachtskomitees, erklärt. Dieses Amt hat Kaufmann seit rund 45 Jahre inne, wie der 70-Jährige verrät. In dieser Zeit sei er mangels Kandidaten mindestens fünfmal Obernarr gewesen. Mit einer finanziellen Zuwendung dürfte auch ein Obernarr in Matzendorf nicht rechnen. «Er muss seine Ausgaben selbst bestreiten, das Amt ist deshalb nicht für viele Leute wirklich erstrebenswert», so Kaufmann.

Seit 2012 erfolglos auf der Suche

Dass Geld allein nicht ausreicht, um in der heutigen Zeit einen Obernarren zu finden, macht das Beispiel Neuendorf deutlich. In der einstigen Fasnachtshochburg wird seit 2012 vergebens nach einem Fasnachtsoberhaupt gesucht. Rund 1000 Franken würde der Fasnachtsrat (Fara) springen lassen für die zweijährige Amtszeit eines Obernarren. Leider werde auch der am 26. Februar in Neuendorf stattfindende Gäuer Fasnachtsumzug einmal mehr ohne einheimischen Obernarr stattfinden, wie die Fara-Präsidentin Kathrin von Arx erwähnt.

Der erste Umzug ohne eigenen Obernarr habe sie noch geschmerzt. «Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, weil es auch ohne Obernarr geht», bemerkt von Arx. Es sei aber nicht so, dass gar nicht mehr danach gesucht werde, obwohl sich eine gewisse Resignation bemerkbar mache. Jahr für Jahr sei man mit etwa acht bis zehn Personen im Gespräch, werde aber immer wieder vertröstet. Und am Schluss folge dann die endgültige Absage. Das sei aber kein Grund, um an der Verankerung der Fasnacht im Dorf zu zweifeln. Die Fasnachtsanlässe seien jedes Jahr gut besucht, so die Fara-Präsidentin.

Mit gleich drei Obernärrinnen aufwarten kann die Nachbargemeinde Wolfwil. Willi Kissling weiss das als Präsident der Fasnachtsgesellschaft zu schätzen, denn vor zwei Jahren stand auch Wolfwil ohne Obernarr da. Bis sich letztes Jahr die drei Aaregirls Irene I. alias Irene Niggli, Agi I. alias Agatha Minder und Esther I. alias Esther Leuenberger zur Verfügung stellten. «Wir haben von den drei Frauen schon drei Jahre vorher an Fasnachtsanlässen Signale in diese Richtung bekommen und konnten sie schliesslich 2016 für das Amt begeistern», berichtet Willi Kissling. Auch in Wolfwil wird der Obernarr finanziell unterstützt. Eine genaue Zahl will Kissling nicht nennen, bestätigte aber, dass dieser im Bereich von Neuendorf angesiedelt sei.

Obernarren mobilisieren Leute

Keinen Obernarren zu haben sei abträglich für das Fasnachtsgeschehen, es drohe der Stillstand oder ein Rückgang, so Kissling. Mit dem weiblichen Obernarrentrio sei es gelungen, die Fasnächtler im Dorf einander wieder näher zu bringen und auch die Jugend vermehrt zu mobilisieren. Dies gelte auch für die Fasnachtsgesellschaft, welche dank einer Blutauffrischung wieder gut auf Kurs sei.

Dies ganz im Gegensatz zur Berggäuer Gemeinde Egerkingen. Dort mussten altgediente Fasnächtler das Ruder im Naare Rot übernehmen. Dies, nachdem die Führungscrew das Handtuch geworfen hatte. «Wir mussten die Fasnacht als solche retten», sagt Naare-Rot-Präsident Urs Ulrich, der zusammen mit Xaver Vogel und Dieter Kölliker die Führung übernommen hat. «Wir sind auf einem guten Weg», zeigt sich der 65-jährige ad-interim-Präsdent überzeugt. Dies nicht zuletzt auch dank des neuen Chräievaters Aebi der I. alias Dominik Aebischer.

Alte Garde will zwei Jahre bleiben

Der Egerkinger Obernarr wird übrigens jeweils mit 650 Franken vom Naare Rot gesponsert. Kein wirklicher Anreiz, wie Naare-Rot-Vizepräsident Xaver Vogel bemerkt. Dennoch ist Vogel zuversichtlich, dass auch 2018 wieder ein Obernarr gefunden wird. Diese Meinung teilt Ulrich. «Wir schaffen das, weil wir nahe bei den Leuten sind». Naare-Rot-Präsident will er maximal zwei Jahre lang bleiben. So viel Zeit sei nötig, um den Naare Rot Egerkingen neu aufzustellen.