Im Internet, erzählt Angelo Luppi, habe er mal 58 Schweizer Adressen mit dem Namen Luppi gefunden. «Luppi mit zwei ‹P›», präzisiert er, denn es gibt sowohl Lupi als auch Luppi. «30 von den Luppis kenne ich», zählt Angelo zusammen. Vor bald 40 Jahren hatte der Wolfwiler begonnen, Dokumente aus seiner Familiengeschichte zu sammeln. Heute besitzt er zwei Ordner, die gut gefüllt sind mit Fotos, Arbeitszeugnissen oder dem Pass seines Vaters Edoardo, genannt Eduard.

Der Wolfwiler Angelo Luppi, Enkel von Maria Agnese und Zaverio, ist über die Familiengeschichte im Bild.

Der Wolfwiler Angelo Luppi, Enkel von Maria Agnese und Zaverio, ist über die Familiengeschichte im Bild.

Luppi ist – natürlich – ein italienisches Geschlecht. Angelos Vorfahren stammen aus Uggiate, einer Gemeinde nahe der Schweizer Grenze in der Provinz Como. Dass aus Angelo ein Gäuer wurde, verdankt er seinem Grossvater Zaverio Luppi. Zaverio, 1866 geboren, verlor als Bub durch einen Arbeitsunfall seinen Vater Pietro, der an der Restauration des Strassburger Münsters beteiligt gewesen und dort zu Tode gestürzt war. Der junge Zaverio musste schon früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und tat dies, indem er Reis und Kaffee von der Schweiz nach Italien schmuggelte. Später, als bereits verheirateter Mann, reiste er mitsamt Schaufel und Garette mit dem Zug nach La Chaux-de-Fonds, um eine Stelle als Handlanger anzutreten. Zaverio beteiligte sich zudem am Bau der Hauptpost in Solothurn, bevor er für einige Zeit nach Italien zurückkehrte. Er und seine Frau Maria Agnese hatten schon drei Kinder (Ernesto, Gioconda und Maria), als sie abermals in die Schweiz reisten und sich in Härkingen niederliessen. Hier kamen Alfons, Eduard und Giuseppe zur Welt, und die Familie zog weiter nach Niederbuchsiten, wo sie sesshaft wurde. Während Ernesto schliesslich in Härkingen heimisch wurde, Alfons in Oberbuchsiten und Maria in Olten, zogen Gioconda, Giuseppe und Vater Zaverio ins Tessin, nachdem Mutter Maria Agnese 1943 68-jährig verstarb. Zaverio starb 1961 in Lugano.

Aus Eduard wurde ein Wanderarbeiter. Der gelernte Schreiner bekam die schwierige wirtschaftliche Situation in den 1920er- und 1930er-Jahren am eigenen Leib zu spüren. Etliche Entlassungen wegen Arbeitsmangel musste er verkraften. Die Suche nach einer Stelle trieb ihn bis an den Rheinfall: In Neuhausen  SH war er zwischen 1930 und 1933 für die «Schweizerische Industrie Gesellschaft» tätig. Später arbeitete er sechs Jahre an der Dünnern-Korrektion; unter anderem, so ist aus dem Arbeitszeugnis zu entnehmen, wurde er als Heizer und Lokomotivführer eingesetzt.

Angelo Luppis Eltern Rosa und Edoardo an ihrer Hochzeit in Basel.

Angelo Luppis Eltern Rosa und Edoardo an ihrer Hochzeit in Basel.

1939 zog Eduard mit seiner Familie nach Wolfwil, dem Heimatort seiner Frau Rosa. Die Familie wurde sesshaft, nicht zuletzt, weil Eduard 1942 bei der Firma Lanz in Murgenthal eine sichere Stelle fand, die er bis zur Pensionierung 1975 im Alter von 67 Jahren behielt. Sechs Jahre zuvor wechselten Eduard und Rosa Luppi noch einmal den Wohnort und zogen von Wolfwil über die Aare nach Hohwart/Glashütten.

Edoardos Arbeitszeugnisse dokumentieren dessen Fähigkeitenund die wirtschaftlich schwierige Situation in der damaligen Zeit.

Edoardos Arbeitszeugnisse dokumentieren dessen Fähigkeitenund die wirtschaftlich schwierige Situation in der damaligen Zeit.

Tochter Silvia (Jg. 1936) lebt heute in Murgenthal, Sohn Angelo (1933), blieb mit seiner Frau Lotti sowie den Söhnen Angelo jun. und Peter in Wolfwil. Cousinen und Cousins sowie deren Nachkommen sind über das Gäu verstreut; die meisten leben in Härkingen und sind Nachkommen von Ernesto. Auch in Subingen und im Tessin leben Nachfahren des einstigen Schmugglers Zaverio. Am Luppi-Tag, der erstmals 1976 zwecks Pflege der verwandtschaftlichen Bande stattfand, wird also in zwei Sprachen parliert.