Balsthal
Fall der Messie-Frau erschüttert – die Behörden wollen von nichts gewusst haben

Der Messie-Fall, der am vergangenen Samstag vom Sender Tele M1 aufgedeckt wurde, ist aussergewöhnlich. Doch: Wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Fränzi Zwahlen-Saner
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Abfall und Dreck in der Wohnung der Frau. (Archiv)

Abfall und Dreck in der Wohnung der Frau. (Archiv)

Zur Verfügung gestellt

Eine Frau lebt seit Jahren allein in einem Haus, mitten in einem Wohnquartier. Von der Liegenschaft her stinkt es bestialisch, die Nachbarn beklagen sich seit einiger Zeit über Gestank, tote Tiere und eine Rattenplage. Doch niemand schaut genauer hin. Beschwerden oder Hinweise der Nachbarn werden auf der Einwohnergemeinde ignoriert, heisst es.

Achtung, folgende Bilder sind nichts für schwache Nerven! Sie zeigen die Messiewohnung von Balsthal.
41 Bilder
Wie lange diese beiden Katzen schon da liegen, kann man nicht sagen... Auch um welches Zimmer es sich hier handeln soll, ist nicht mehr erkennbar...
Unterhalb der Treppe Richtung Wohnzimmer.
Das Wohnzimmer ist komplett vermüllt...
Bei diesem Chaos fehlen einem die Worte.
Das war mal ein Kinderzimmer.
Auch hier ist alles vollgemüllt.
Wann in diesem Kinderzimmer das letzte Mal aufgeräumt wurde, ist schwer zu sagen. Muss aber lange her sein.
Im Kellerraum stapeln sich Abfallsäcke.
Der Kellerraum.
Der Heizungsraum.
Die Decke im Kellerraum.
Der Keller.
Nicht nur das Haus, auch im Garten...
... beginnt sich der Müll zu stapeln...
... allerdings noch nicht so extrem wie im Hausinnern.
Der Aufenthaltsort der Messiefrau.
Der Schlafplatz des Messies im Sommer und Winter.
Der Heizungsraum.
Die Kellertreppe...
Nicht mal Ratten überleben in diesem Haus...
Eine tote Ratte treibt in einem rosa Katzenklo.
Achtung, diese Bilder sind nichts für schwache Nerven! Die Messiewohnung:
Wann hier wohl zuletzt gekocht wurde?
Die Küche in Richtung Haustüre.
Der Kellerraum.
Der zugemüllte Vorratsraum
Die Treppe zum Dachgeschoss.
... eklig!
Eine tote Ratte.
Oberhalb der Treppe.
Das Wohnzimmer wenn man in Richtung Haustüre schaut.
Und noch ein Bild vom zugemüllten Wohnzimmer.
Die Waschküche ist auch komplett zugemüllt.
Der Besen wurde wohl auch schon lange nicht mehr gebraucht...
... oder zumindest nicht in dieser Waschküche.
Wie lange diese Teppiche wohl schon in der Waschküche hängen?

Achtung, folgende Bilder sind nichts für schwache Nerven! Sie zeigen die Messiewohnung von Balsthal.

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Wie ist das möglich, in einem 5000-Seelen-Dorf? Das fragten wir Stephan Berger, Oberamtvorsteher Thal-Gäu, der unter anderem eine Ombudsfunktion in der Amtei Thal-Gäu wahrnimmt und auch als Vollstreckungsbehörde für polizeiliche Zwangsräumungen zuständig ist. «Ich bin selbst erschüttert über diesen Fall», sagt er. «In meiner mittlerweile 25-jährigen Tätigkeit im Oberamt ist mir noch nie ein solch gravierender Fall begegnet.»

Berger erklärt, wie in einem solchen Fall Massnahmen ergriffen werden müssten: «Zuerst einmal müssen wir von einem solchen Zustand überhaupt wissen. Ohne Hinweis können wir nicht aktiv werden.» Bekannt ist, dass die Polizei vor einigen Tagen im Haus gewesen ist, um Tiere abzuholen, dies «aufgrund einer Tiergefährdungsmeldung», sagt Berger.

Dass aber angeblich jahrelang auch trotz Meldungen der Nachbarn bei der Einwohnergemeinde nichts geschehen sei, kann Berger auch nicht nachvollziehen. «Wären die Nachbarn zu mir oder zur Kesb gekommen, wären wir ganz sicher aktiv geworden. Schliesslich besteht für uns auch eine Meldepflicht. Wenn wir also von einem solchen Umstand hören, müssen wir aktiv werden und die richtigen Stellen einschalten.»

Dass eine Angehörige, die nicht weit vom Messie-Haus ihrer Verwandten wohnt, nicht an die Behörden gelangt ist, kann Berger nicht verstehen. Tatsache ist, dass rechtlich keine Verpflichtung eines Angehörigen besteht, in so einem Fall aktiv zu werden. Es geht hier höchstens um eine moralische Verpflichtung. Jetzt seien auf jeden Fall alle zuständigen Stellen, der Sozialdienst und die Kesb eingeschaltet und nähmen sich der Frau an, weiss Berger.

Keine Informationen

Die Einwohnergemeinde Balsthal nimmt zum Fall schriftlich Stellung: Am 14. August 2017 sei ein koordinierter Einsatz verschiedener Fachstellen vorgenommen worden. «Diese sind nun auch zuständig und nehmen ihre Verantwortung wahr.» Die Einwohnergemeinde Balsthal könne keine Medienfragen beantworten, unter anderem auch ganz einfach deshalb, weil sie nicht über die notwendigen Informationen verfüge. Und selbst wenn man über Kenntnisse verfügen würde, könne «grundsätzlich und generell, auch aus datenschutz- und personenrechtlichen Gründen», keine Auskunft erteilt werden. Man befinde sich aktuell in verschiedenen laufenden Verfahren.

Zu anonymen Schreiben und darin enthaltene Behauptungen – wie sie auf der Gemeinde eingegangen sind – äussere sich die Einwohnergemeinde Balsthal nie. «Zusätzlich ist davon auszugehen, dass die in verschiedenen Medien verbreiteten Fotos widerrechtlich entstanden sind, indem sich Personen Zutritt zu den Räumlichkeiten eines Hauses verschafften.»