Balsthal

Fahrräder, Rennräder, Motorräder und dann nichts: Die Geschichte der «Mondia»

Der Sitz der Firma an der Kreuzung Sagmattstrasse/Holderweg, wo man seit 1946 produzierte und verkaufte.

Der Sitz der Firma an der Kreuzung Sagmattstrasse/Holderweg, wo man seit 1946 produzierte und verkaufte.

Als Balsthal noch Velos produzierte: Der Auf- und Abstieg des einst erfolgreichen Thaler Unternehmens Mondia.

Begonnen hat alles mit einem kleinen Handelsunternehmen: Der Mümliswiler Wirt Gustav Haefeli und der Balsthaler Schmiedemeister Josef Jeker gründeten im Jahr 1918 die Importfirma Jeker, Haefeli & Cie., zunächst noch im Privathaus von Jeker. Eine Handelsfirma war es, die Velos, Nähmaschinen, Dreiräder, Taschenlampen und vieles mehr im Sortiment hatte. Die Firma wuchs, und schon ein Jahr später wurde ein Lagerraum nahe dem OeBB-Bahnhof in Balsthal gemietet, wo die Ware gelagert und von wo aus sie weiterspediert werden konnte.

15 Jahre nach der Firmengründung wurden ab 1933 die ersten Fahrräder in der eigenen Werkstatt montiert und mit dem Namen Mondia versehen. Von Beginn an war man darum bemüht, qualitativ hochwertige Fahrräder mit den besten Rahmen und aus hochwertigen Bestandteilen herzustellen. Drei Jahre später wurden bereits Rennräder produziert, mit denen grosse Erfolge bei Radrennen erzielt wurden. Die Tour de Suisse gewannen 1936 Karl Litschi und 1937 Giovanni Valetti auf Mondia-Rädern. Weiter steigerte der Rennfahrer und Bergspezialist Fritz Schär – ein Zeitgenosse Ferdy Küblers – den Bekanntheitsgrad der Mondia-Rennräder. Dank dieser Erfolge stieg die Nachfrage nach Mondia-Fahrrädern, und grössere Fabrikationsräume wurden nötig. 1946 wurde ein Neubau am Holderweg/Sagmattstrasse eingeweiht und damit auch gleich ein Kapazitätsausbau ermöglicht.

Motorräder-Verkauf ausgebaut

Als weiteres Verkaufsfeld wurden Motorräder ins Sortiment aufgenommen. Die Firma vertrieb auch noch andere Markenfahrräder und Mofas. Bereits zehn Jahre später wurde die Fabrik wieder erweitert und das Aktienkapital auf 500'000 Franken erhöht. 1963/64 wurde wiederum eine Erweiterung der Räumlichkeiten nötig. Beim 50-jährigen Bestehen der Firma 1968 beschäftigte die Firma 77 Mitarbeiter. Man produzierte rund 10'000 Fahrräder und verkaufte 4500 Motorräder pro Jahr. In diesem Jahr wurde Jeker, Haefeli & Cie. auch Importeur für die Schweiz und Liechtenstein der japanischen Motorradmarke Kawasaki. Mit dieser Produkterweiterung musste auch das Lager für die Ersatzteile vergrössert werden, und man verlegte dieses 1975 an einen neuen Standort an der Sagmattstrasse. Anfang der Achtzigerjahre wurde auch das Aktienkapital auf 1,8 Mio. Franken erhöht.

1986/87 erfolgten die letzten grossen Investitionen in Neubauten an der Sagmattstrasse, beim Ersatzteillager. 1986 wurde das Fabrikationsgebäude mit modernster Herstellungstechnologie ausgerüstet und in Betrieb genommen. 1988 wurde das Verkaufsnetz für Mondia-Fahrräder nach Deutschland ausgedehnt.

Erste Mountainbikes aus Balsthal

In der Schweiz existierten zu dieser Zeit noch diverse andere Velo-Marken. Mondia ging 1989 auf «Einkaufstour» und übernahm die Allegro-Fahrradfabrik aus Marin. Auch bei Kawasaki wuchs man und eröffnete 1991 eine separate Kawasaki-Abteilung mit Museum, Ausstellungsraum und eigener Verkaufsabteilung. 1992 wurde das Aktienkapital erneut erhöht und erreichte nun die Summe von 2,7 Mio. Franken. Gleichzeitig begann der Vertrieb der ersten Mountainbikes unter dem Namen Kuwahara. Es handelte sich dabei um sehr schwere und massive Fahrräder mit Stahlrahmen. Im selben Jahr startete auch die Marke Mondia mit einer Produktepalette von Mountainbikes.

1995 wurde die Allegro-Produktion von Marin nach Balsthal verlegt und zwei Jahre später übernahmen die Balsthaler die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Condor, obschon damals auch die Mondia mit ihren Velos rote Zahlen schrieb. Die Übernahmen, die grossen baulichen Investitionen und der Einstieg ins Deutschland-Geschäft erfolgten in zu kurzer Zeit und beanspruchten zu viel Kapital. Ab 1993 verlor die Firma laufend Marktanteile und 1997 ging der Import der Kawasaki-Fahrräder an die Emil Frey AG über. Somit verlor Mondia eine grosse Ertragsquelle. Der Markteintritt nach Deutschland erwies sich als grosses finanzielles Fiasko.

1999 erfolgte ein Management-Buy-out, doch auch dieser konnte die Firma nicht mehr retten. 2001 wurde die Fahrradproduktion in Balsthal geschlossen und nach Strengelbach verlegt. Mitte 2011 wurde über die Firma Mondia Balsthal der Konkurs eröffnet. Gegen Ende 2013 wurde die Produktion in Strengelbach eingestellt. Im Rahmen des Konkurses ging der Markenname «Mondia» im Herbst 2014 für 300'000 Franken an Heidi Chung Hoi Yee in Hongkong über. Damit endet die Geschichte einer einst florierenden und bekannten Balsthaler Firma.

Quelle: «Bauschtler Gschichte» 2019

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