Egerkingen
Fahrende ziehen weiter – Gemeindepräsidentin: «Die Vorurteile haben sich nicht bestätigt»

Nach rund einem Monat ziehen die Fahrenden von Egerkingen weiter Richtung Lausanne. Die befürchteten Probleme sind indes nicht eingetreten. Trotzdem will die Gemeinde regeln, wo Fahrende künftig ihre Wohnwagen aufstellen dürfen.

Erwin von Arb
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Ziehen ab: Am Donnerstag waren nur noch wenige Wohnwagen auf dem vorher deutlich höher belegten Feld (siehe Bild rechts) zu sehen.

Ziehen ab: Am Donnerstag waren nur noch wenige Wohnwagen auf dem vorher deutlich höher belegten Feld (siehe Bild rechts) zu sehen.

Remo Froehlicher;Erwin von Arb;

Als am Sonntag, 1. Juli, Fahrende auf einem Feld an der Bannstrasse bei der Einmündung Dünnernsteg mit ihren Wohnwagen auffuhren und sich dort häuslich einrichteten, war die Aufregung gross in Egerkingen. Auf Facebook wurden die Fahrenden aus Deutschland und dem Elsass umgehend zum Gesprächsstoff und einige User brachten ihren Unmut über die unerwünschten Gäste zum Ausdruck.

Auch auf der Gemeindeverwaltung Egerkingen kam es zu einigen Anrufen von Leuten, die sich über die Fahrenden im Dorf beschwerten. Die von der Gemeinde aufgebotene Polizei konnte allerdings nichts ausrichten, denn die Fahrenden waren im Besitz eines bis zum 31. Juli laufenden Mietvertrags mit dem Besitzer des Landstücks.

Teilweise bis zu 50 Wohnwagen

Die Gemeinde musste sich deshalb mit der Situation arrangieren und versuchen, das Beste daraus zu machen. Dies gelang insofern, als mit dem Chef der Fahrenden ausgehandelt wurde, dass nahe des Camps eine Abfallmulde und mobile WC-Häuschen aufgestellt werden und die Gemeinde das Camp mit Wasser versorgt. Am Anfang kam es vereinzelt aus der Nachbarschaft zu Klagen wegen der lauten Geräuschkulisse, welche nachts vom Wohnwagencamp ausging.

Ansonsten waren die Kritiken mehrheitlich positiv, vor allem in Bezug auf das sehr gut organisierte und sauber geführte Lager. Zudem wurden auf Facebook immer mehr Stimmen laut, welche sich für mehr Toleranz gegenüber den Fahrenden aussprachen. Nicht zuletzt deshalb kam es wohl auch zu keinen weiteren Interventionen auf der Gemeindeverwaltung, obwohl zwischenzeitlich bis zu 50 Wohnwagen dicht gedrängt auf dem Feld standen.

Am vergangenen Dienstag hätten die Fahrenden eigentlich gemäss Mietvertrag das Feld an der Dünnern räumen müssen, was aber nicht der Fall war, wie die Gemeinde feststellte. Bei einem Besuch im Camp habe sich gezeigt, dass mit den Fahrenden sehr wohl gute Gespräche geführt werden könnten, wie Johanna Bartholdi berichtet. Solche wurden im Rahmen der Abrechnung für das ab Hydrant bezogene Wasser sowie die Entsorgung des Abfalls geführt.

Abreise am Donnerstag

Kein Problem war auch die Bezahlung der angelaufenen Kosten. Für die 40 Kubikmeter Wasser wurden 200 Franken fällig. Nicht gerade günstig fielen hingegen die Kosten für die Abfallentsorgung mit über 3000 Franken aus. Zwei Mulden zu je 7 Kubikmeter sowie eine solche mit einem Fassungsvermögen von 20 Kubikmetern musste die Gemeinde für die während vier Wochen anfallenden Abfälle bereitstellen, wie Werkhofleiter Heinz Fischer berichtet.

Zwei weitere Mulden à je 800 Liter würden noch für die Endreinigung des Lagers benötigt. Markus Thommen, Bereichsleiter Bau, ist überzeugt, dass die Fahrenden einen sauberen Platz hinterlassen werden. Der Chef der Fahrenden, Jean Tolosch, habe einen guten und sympathischen Eindruck gemacht, so Thommen. Er habe versprochen, dass das Feld bis zum Donnerstagabend geräumt wird. Die Reise soll Richtung Lausanne weitergehen.

«Die gängigen Vorurteile gegenüber Fahrenden haben sich bei diesen Familien nicht bestätigt», findet die Gemeindepräsidentin. «Wir sind insgesamt empfindlicher und intoleranter geworden.» Sicher hätten die Fahrenden am Anfang zu viel Lärm gemacht, das habe sich danach aber gelegt. Bartholdi windet insbesondere Jean Tolosch ein Kränzchen. Der Mann halte sein Wort. Darum könne sie auch darüber hinwegsehen, dass die Abreise der Fahrenden zwei Tage später als vereinbart erfolge.

Gemeinde will mitbestimmen

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi hatte beim Eintreffen der Fahrenden angekündigt, dass das Polizeireglement möglichst rasch angepasst werden soll. Dies mit dem Ziel, eine Bewilligungspflicht für solche Mietverträge zwischen Fahrenden und Landwirten zu erwirken. Daran habe sich nichts geändert, bemerkt Bartholdi.

Dass Fahrende in Egerkingen auf zur Verfügung gestelltem Land campieren, könne damit nicht verhindert werden. «Wir möchten aber mitbestimmen, wo das möglich ist und welche hygienischen Voraussetzungen dafür nötig sind.» Nur eine mobile Toilette wie im aktuellen Fall würde nicht für eine Bewilligung ausreichen, betont sie. Auch so nahe an der Dünnern werde es künftig kein Camp mehr für Fahrende geben, weil es dabei um eine Hochwasserschutzzone handle.

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