Egerkingen
Fahrende sorgen für Verunsicherung: «Uns sind die Hände gebunden»

In Egerkingen machen rund 60 Fahrende aus Deutschland und dem Elsass mit ihren Wohnwagen Station an der Bannstrasse an der Dünnern. Sie besitzen einen bis 31. Juli laufenden Mietvertrag mit dem Landwirt – dennoch will der Gemeinderat nun das Polizeireglement ändern.

Erwin von Arb
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Fahrende haben in Egerkingen an der Bannstrasse westlich der Einmündung des Dünnernstegs ihr Lager aufgeschlagen. Remo Fröhlicher

Fahrende haben in Egerkingen an der Bannstrasse westlich der Einmündung des Dünnernstegs ihr Lager aufgeschlagen. Remo Fröhlicher

Remo Froehlicher;Erwin von Arb;

Seit knapp zwei Wochen campieren an der Bannstrasse westlich der Einmündung des Dünnernstegs Fahrende. Dicht aneinandergereiht bilden die über 20 Wohnwagen mit Kontrollschildern aus Deutschland, Frankreich und Belgien eine Wagenburg mit einer freien Fläche im Zentrum.

Das Lager wirkt geordnet, sauber und gut organisiert. Auf dem Flurweg an der Dünnern stehen ein Abfallcontainer und ein mobiles WC-Häuschen. Die beiden Besucher dieser Zeitung werden von einem Fahrenden aus dem Elsass kühl, aber freundlich begrüsst.

Nach dem Chef des Lagers gefragt, ruft er dessen Name einer Frau zu, die sogleich in dessen Wohnwagen geht und den Besuch ankündigt. Hier lebten Leute, die alle derselben Familie angehören, sagt der Elsässer und schickt uns zum Wohnwagen des Chefs.

Lager-Chef verweigert Gespräch

Zu einem wirklichen Gespräch mit dem Mann, der im Lager das Sagen hat, kommt es indessen nicht. Er habe in der Vergangenheit mit der Presse schlechte Erfahrungen gemacht. Es seien zu oft Lügen über sie verbreitet worden, weshalb er keine Auskunft geben werde. Schliesslich lässt sich der Lager-Chef dennoch entlocken, dass auf dem Platz mit den Kindern etwa 60 Personen leben.

Egerkingen hätten sie als Standort zufällig ausgewählt. Bleiben wollten sie bis zum 31. Juli. Sonderlich gut gefalle es ihnen hier aber nicht, erklärt der Mann darauf angesprochen. «Wir sind im Dorf nicht willkommen, die Leute sind fremdenfeindlich», sagt er mit nachdenklicher Miene.

Ein in der Nachbarschaft lebender Mann erinnert sich noch an die Ankunft der Fahrenden am Sonntag vor einer Woche. «Ich habe mir nichts dabei gedacht, als das Landstück am Vortag mit einem Absperrband markiert wurde. Ich glaubte, da werde das Areal für ein Fest ausgeschieden.» Als dann die Fahrenden mit ihren Wohnwagen vorgefahren seien, habe er seinen Augen nicht getraut.

Seither sei nachts oft laute Musik zu hören und die Leute seien aufdringlich und unverfroren. Mit ihren Kindern hätten sie einfach den Spielplatz des Mehrfamilienhauses benutzt. Ein Getränkelieferant habe zudem beobachtet, wie sich Fahrende als Fensterputzer angeboten und danach ohne die Zusage des Hausherrn abzuwarten, mit der Arbeit begonnen hätten.

Eine ähnliche Beobachtung wurde am 5. Juli auf Facebook gepostet. Demnach sollen aggressiv auftretende Leute im Dorf unterwegs gewesen sein, die Malerarbeiten an Häusern ausführen wollten. Einer soll laut dem Post so frech gewesen sein und einen Fensterladen abgehängt haben. Es sei sehr schwierig gewesen, die Leute wieder loszuwerden. Ob es sich dabei wirklich um Fahrende gehandelt hat, ist allerdings nicht erwiesen, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Unabhängig davon meint der erwähnte Nachbar: «Ich kann einfach nicht verstehen, dass die Gemeinde nichts unternimmt, wenn so viele Fahrende mitten im Dorf auf einem Feld mit ihren Wohnwagen Quartier beziehen.»

Keine Reklamationen

«Stimmt nicht», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Wir haben sehr wohl reagiert, als wir bemerkt haben, dass Fahrende im Dorf sind.» Die von der Gemeinde anvisierte Polizei konnte allerdings nichts ausrichten, weil ihr die Fahrenden einen bis zum 31. Juli laufenden Mietvertrag mit dem Landwirt Sales von Arx präsentierten. «Damit sind uns die Hände gebunden», bemerkt die Gemeindepräsidentin.

Unmutsbekundungen aus der Bevölkerung habe es aber schon gegeben, berichtet Bartholdi. Immerhin sei es bis jetzt zu keinen Reklamationen wegen des Verhaltens der Fahrenden gekommen. Und offenbar herrsche dank des WC-Häuschens und der Abfallmulde Ordnung auf dem Platz.

Auf Anfrage habe die Gemeinde zudem den Platz mit einer Wasserleitung erschlossen. Natürlich gegen Bezahlung. Auch dem Werkhofchef Heinz Fischer sind bisher keine negativen Rückmeldungen wegen der Fahrenden zu Ohren gekommen. Gleiches gilt für den nahen Gäupark, wo die Fahrenden nicht unangenehm aufgefallen sind, wie Centerleiter Benny Brückner auf Anfrage erklärt.

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi hofft, dass die Fahrenden die genannte Frist einhalten und am 31. Juli wirklich das Feld räumen. Der über 90 Jahre alte und betagte Landwirt konnte zum Mietvertrag mit den Fahrenden nicht befragt werden. Dem Vernehmen nach bekommt er für die Nutzung des Landstücks 1000 Franken. Verglichen mit einem regulären Campingplatz viel zu günstig, findet Bartholdi.

Damit ein solcher Fall nicht mehr eintreten kann, will der Gemeinderat möglichst rasch das Polizeireglement ändern. Es werde dahingehend ergänzt, dass für solche Mitverträge zwischen Fahrenden und Landwirten künftig eine Bewilligung durch die Gemeinde nötig werde. Verabschiedet werden soll das angepasste Reglement an der nächsten Gemeindeversammlung.